Leere Stühle: Nur 70 Interessierte folgten der Einladung von Michael Müller (li.) zur Bürgerversammlung. Fotos: Hans Lippert

Nur 70 Interessierte bei Bürgerversammlung in Geretsried

Zwei Stunden Bericht und nur zwei Wortmeldungen

Geretsried - Was hat die Stadt aus dem vor zwei Jahren verabschiedeten Leitbild 2025 bereits umgesetzt und was steht noch aus? Eine Zwischenbilanz zog Bürgermeister Michael Müller am Donnerstag in der Bürgerversammlung in den Ratsstuben – vor nur rund 70 Besuchern.

Hinter einigen Punkten des Stadtleitbilds kann Bürgermeister Michael Müller (CSU) nach zwei Jahren schon ein Häkchen machen. Andere Projekte sind in Arbeit, und wieder andere werden wohl bis 2025 und später auf ihre Realisierung warten müssen. Der Rathauschef nannte Beispiele, in welchen Bereichen so genannte Meilensteine erreicht wurden.

Im Bereich Verkehr seien zahlreiche Radwege ausgebaut worden, zuletzt am Isardamm auf Höhe des Tennisclub-Geländes. Am Übergang vom Zehnerhütten-Weg zum Breslauer Weg über die Tattenkofener Straße würden demnächst Warnschilder aufgestellt. Müllers Wunsch bleibt eine Fußgänger- und Radfahrerunterführung. Im Bereich Freizeit wird diesen Sommer der Trimm-Dich-Pfad im Stadtwald eingerichtet. Das Richtfest soll Mitte bis Ende Juni stattfinden.

Unter dem Stichwort Energie hat die Stadt ein Solarkataster erstellt. Sie will Elektroautos anschaffen und sie hofft auf eine positive weitere Probebohrung der Firma Enex, um ein Geothermie-Fernwärmenetz aufbauen zu können. Kleinere Bürgerwünsche wie der nach „Urban Gardening“ wurden erfüllt. Ein erstes öffentliches Hochbeet steht in Stein. Der Tourismus soll durch einen neuen Flyer mit dem Titel „Geretsried entdecken“ angekurbelt, die Kooperation zwischen Schulen und Wirtschaft weiter forciert werden.

S-Bahn lässt noch zehn bis 15 Jahre auf sich warten

Die S7-Verlängerung – im Leitbild für 2018 angepeilt – wird Müller zufolge wohl noch zehn bis 15 Jahre auf sich warten lassen. Für den Rathauschef ist das nicht tragisch: „Bis dahin haben wir unser Zentrum umgestaltet und sind gerüstet“, sagte er.

Auf der Prioritätenliste Müllers steht an oberster Stelle die Sanierung der Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße, gefolgt vom interkommunalen Hallenbad. Erst dann kommen ein Dach für das Eisstadion und die Renovierung des Isarau-Stadions. Unter „Kultur“ warf Müller die kritische Frage in den Raum, wie lange sich die Stadt noch ein Sommerfest leisten wolle, wenn es nicht angenommen werde.

Landrat wirbt fürs interkommunale Hallenbad

Beim Hallenbad appellierte Landrat Josef Niedermaier in seinem Grußwort an die Solidarität der Nachbarkommunen. Wie berichtet sind sie aufgefordert, sich an den jährlichen Betriebskosten zu beteiligen. 25 bis 30 Prozent der Kinder würden heute nicht mehr schwimmen lernen. Das sei alarmierend, sagte Niedermaier. „Wir müssen uns schon fragen, ob wir den Bürgern im Landkreis diese Infrastruktureinrichtung vorenthalten wollen.“

Keine Entspannung in Sachen Asyl

Ruhig sei es im Moment um das Thema Asylbewerber. Die Regierung von Oberbayern teile dem Landkreis seit Wochen keine neuen Bewerber zu, so Niedermaier. Für Bürgermeister Müller bedeutet dies jedoch noch keine Entspannung: „Meine persönliche Prognose lautet: Es ist noch nicht alles vorbei.“

Bei voller Auslastung der bestehenden Unterkunft in der ehemaligen Filigran-Werkshalle mit 140 Menschen (aktuell 63) und des Neubaus am Schulzentrum mit 250 Plätzen würden heuer insgesamt 550 Flüchtlinge in Geretsried leben (aktuell 233). Die Kommunen werde nach und nach die hohe Anerkennungsquote treffen. Sie seien im Rahmen der Obdachlosenhilfe verpflichtet, für die Menschen Wohnungen zu finden. „Beim Bund zieht man sich da wieder zurück“, kritisierte Müller.

Nur zwei Wortmeldungen aus der Bürgerschaft

Seinem ausführlichen Rechenschaftsbericht folgte ein Vortrag von Architekt Klaus Kehrbaum zur Zentrums-Umgestaltung (Bericht folgt). Nach über zwei Stunden Reden ergriffen nur zwei Bürger das Wort. Bernhard Spieß regte an, die neuen Häuser im Stadtzentrum und auf dem Lorenz-Areal energieautark zu bauen. Jennifer Kübler wollte wissen, wie es mit dem interkommunalen Hallenbad weitergeht. Müller sagte, die Nachbarbürgermeister hätten versprochen, auf jeden Fall vor der Sommerpause in den Ratsgremien über eine Beteiligung an den Betriebskosten abstimmen zu lassen. Sollte sich Wolfratshausen als Hauptzahler (bis zu 210 000 Euro jährlich) dagegen entscheiden, würde das nicht das Aus des Schwimmbads bedeuten: „Wir brauchen ein Bad. Die Frage ist dann nur wie, wo und wann.“

Tanja Lühr

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