Völlig benebelt in die Polizeikontrolle

Zweimal bekifft am Steuer: Geretsrieder (19) vor Gericht

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Der „Seiltänzertest“ entlarvte ihn: Schon zum zweiten Mal war ein Geretsrieder (19) mit Cannabis am Steuer erwischt worden. Nun musste sich der junge Mann deshalb vor Gericht verantworten.

Geretsried/Wolfratshausen – Blass und zittrig stand der junge Mann am Auto. Beim „Seiltänzertest“ zeigte er starke Gleichgewichtsschwankungen, konnte sich kaum auf einem Bein halten. Den Polizisten, die den Geretsrieder (19) am 26. Dezember vorigen Jahres gegen 22.50 Uhr bei einer Kontrolle anhielten, war schnell klar, dass das auffällige Verhalten nicht mit den winterlichen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zu begründen war. Der Schüler hatte bei einem Freund einen Joint geraucht, bevor er sich an Steuer seines Golfs setzte. Eine Blutentnahme und die chemisch-toxikologische Untersuchung zeigten eine so hohe Konzentration an Tetrahydrocannabinol (THC), dass er „nicht mehr in der Lage war, sicher Auto zu fahren“.

19-Jähriger zeigt Einsicht

Das passierte ihm jedoch nicht zum ersten Mal. Nur wenige Tage zuvor war der 19-Jährige mit ähnlichen Symptomen aufgefallen, nachdem er angehalten worden war, weil er mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch die Tempo-30-Zone am Isardamm gefahren und dabei „fast auf die Gegenfahrbahn geraten“ war.

Nun musste er sich wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr (darunter fällt auch Fehlverhalten nach Drogenkonsum) vor dem Jugendrichter verantworten. „Das war eine schwierige Zeit, ich habe eindeutig zu viel konsumiert“, erklärte der 19-Jährige vor Gericht. Ihm sei auch klar geworden, „dass es so nicht weitergehen kann“. Deshalb habe er seinen Freundeskreis neu sortiert und zudem verschiedene Maßnahmen ergriffen, beteuerte der Angeklagte, der in der Verhandlung einen vernünftigen Eindruck machte. Er führte Gespräche mit dem Mitarbeiter der Caritas-Suchtberatung sowie einem Verkehrspsychologen, nahm am Fredkurs (einem speziellen Programm für erstauffällige Drogen- und Alkoholkonsumenten) teil und startete ein einjähriges Abstinenzprogramm, bei dem er regelmäßig nachweisen muss, dass er keine Drogen mehr konsumiert. Die bisher durchgeführten Tests seien allesamt negativ ausgefallen.

Staatsanwältin betont: keine Bagatelle

„Ein Erwachsener würde für diese Taten mit über 90 Tagessätzen bestraft und als Vorbestrafter den Gerichtssaal verlassen“, machte die Staatsanwältin deutlich, dass es sich nicht um eine Bagatelle handelt und beantragte, den Angeklagten zu 80 Sozialstunden zu verdonnern. „Bei der zweiten Fahrt war er noch benebelt.“ Das müsse erheblich ins Gewicht fallen. „Er hat seine Lehren daraus gezogen“, sagte Verteidigerin Ann-Charlott Wamsler, die wie der Vertreter der Jugendgerichtshilfe aufgrund des „vorbildlichen Nachtatverhaltens“ eine deutlich geringe Strafe für ausreichend erachtete.

Das sah auch Richter Urs Wäckerlin so. Er verurteilte den Schüler zu 40 Sozialstunden und noch zwölf Monaten Führerscheinentzug. „Die zweite Fahrt war schon ziemlich dreist“, ließ Wäckerlin den jungen Mann wissen, was er von dessen Aktion hielt. „Das war ein Vabanquespiel wie ein All-in beim Poker – es ist leider schief gegangen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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