Baustelle an der Egerlandstraße im Frühjahr 2021.
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Innerhalb eines Jahres hat sich viel getan: Es stehen bereits die Außenwände des ersten und zweiten Geschosses des Ersatzbaus.

Egerlandstraße

Zwischenbilanz nach einen Jahr Großbaustelle: Weniger Kunden, mehr Dauerparker

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Vor einem Jahr zog die Großbaustelle im Zentrum vom Karl-Lederer-Platz an die Egerlandstraße weiter. Damit auch dort unter öffentlicher Verkehrsfläche eine Tiefgarage gebaut werden kann, wurde die viel befahrende Straße für den Verkehr gesperrt. Zeitgleich entstehen dort neue Wohn- und Geschäftshäuser. Zeit, für eine Zwischenbilanz.

Geretsried – „Dieses Jahr habe ich wie eine mittelschwere Bergtour erlebt“, sagt Wolfgang Selig. Er ist Geschäftsführer der Geretsrieder Baugenossenschaft, die die Baumaßnahme koordiniert. „Meistens geht es gut und routiniert voran, doch gelegentlich kommt eine knifflige Passage, bei der man sehr konzentriert sein muss.“

Verlegung der Sparten war das größte Hindernis

Eine Überraschung erlebte Selig gleich zu Beginn der Bauarbeiten, als ein Bagger eine Leitung abriss. Die Baugenossenschaft hat ihre Geschäftsstelle im BGZ, das direkt neben der Baustelle liegt. „Damals rief ein Feuerwehrmann zu mir hoch, ich möge wegen eines Gaslecks zackig mein Bürofenster schließen.“ Eine offiziell abgeschaltete Leitung habe noch unter Druck gestanden. „Das konnte der Baggerfahrer natürlich nicht wissen“, blickt Selig zurück. „Zum Glück ist niemandem etwas passiert.“ Das größte Hindernis in dieser Zeit sei die Umlegung der Sparten in der Egerlandstraße, vor allem des Hauptschmutzwasserkanals, gewesen. Abgesehen vom Gasleck laufe im Großen und Ganzen alles nach Plan, „wenn man die Größe der Baustelle betrachtet“.

In einem Jahr soll der Rohbau fertig und die Fassade geschlossen sein, kündigt Selig an. „Die Bauheizung sorgt dann dafür, dass die Handwerker beim Innenausbau nicht frieren müssen.“ Und alle Beteiligten schauen auf ein Richtfest zurück, das nach vielen erfolgreichen Impfungen ohne Coronaeinschränkungen ganz traditionell stattfinden durfte“, hofft der Geschäftsführer.

Geschäftsleute ärgern sich über Dauerparker

Die Baustelle bringt Belastungen für Anwohner und Gewerbetreibende mit sich. In der kleinen Ladenzeile am nördlichen Ende der Baustelle hat ein kleiner Frisör aufgegeben. Auch die Türen der benachbarten Schneiderei sind bereits seit einiger Zeit geschlossen. Laut Aushang wird ein Nachfolger für das Geschäft gesucht. Die Stellung halten das italienische Restaurant Il Soprano, der Deko- und Geschenkeladen Bellissimo, das Modegeschäft Style & More sowie die Iris-Apotheke. Anfangs sei vor allem die Lärmbelästigung heftig gewesen, blickt Apotheker Uwe Schoßig zurück. „Inzwischen geht’s.“ Mit der Baustelle müsse man so gut es geht leben, gibt sich der Geretsrieder pragmatisch. „Ändern können wir es sowieso nicht.“ Aber: Die Arbeiter „geben sich Mühe und machen schnell“, so seine Beobachtung. „Sie versuchen auch, die Belästigungen im Rahmen zu halten. Und wenn was ist, wird schnell reagiert.“ Worauf sie allerdings keinen Einfluss haben, ist die Kundenfrequenz. „Es sind deutlich weniger.“

Blick zurück: So sa die Baustelle vor einem Jahr aus.

Die Stern-Apotheke, Intersport Utzinger, der Rewe, der Schmid-Bäck’ und das Isar-Kaufhaus haben das andere Baustellenende direkt vor der Nase. „Die Baustelle läuft ziemlich reibungslos“, so der Eindruck von Isar-Kaufhaus-Chef Frederik Holthaus. Wenn betoniert wird, „fahren hier die Betonmischer im 20-Minuten-Takt rein. Es stehen immer Einweiser draußen, die aufpassen“, lobt der Geschäftsmann. So gut die Baustelle organisiert sei, so schlecht funktioniert nach Holthaus’ Meinung die kommunale Verkehrsüberwachung. „Es ist ein großes Ärgernis, dass von den Anwohnern alles zugeparkt wird, und die Kunden keine Parkplätze finden.“ Besonders schlimm sei es Freitagnachmittag, an Samstagen und in der Regel wochentags ab 17 Uhr. „Da sind die Zeiten, in denen auch unsere Kunden Zeit haben und dann keinen Parkplatz finden.“

Kläger brauchen weiter Geduld

Weiterhin viel Geduld müssen die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) „Pro Egerlandstraße“ aufbringen. Noch immer gibt es keinen Termin, wann sich der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) mit ihrer Klage beschäftigen wird. Seit Mitte 2019 ist das Verfahren dort anhängig. Gegenstand ist wie berichtet der vorhabenbezogene Bebauungsplan für das neue Wohn- und Geschäftshaus der Baugenossenschaft Geretsried (BG) an der Egerlandstraße. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft, überwiegend Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende an der Egerlandstraße, befürchten Beeinträchtigungen und Umsatzeinbußen durch die Großbaustelle. Um später eventuell zivilrechtlich gegen die Baugenossenschaft klagen zu können, ist es laut IG-Sprecher und Isar-Kaufhaus-Betreiber Frederik Holthaus juristisch zwingend notwendig, vorher den Bebauungsplan mithilfe einer Normenkontrollklage anzufechten. „Eine Terminierung kann wahrscheinlich erst zum Ende des ersten Halbjahres 2021 erfolgen“, sagt VGH-Pressesprecherin Dr. Franziska Haberl. IG-Sprecher Holthaus nimmt diese Nachricht mit diesen Worten zur Kenntnis: „Wir würden uns wünschen, dass es schneller geht.“

Die Tiefgarage am Karl-Lederer-Platz habe für eine kleine Entspannung gesorgt, so der Unternehmer. „Aber Parkplätze in der Nähe unseres Kaufhauses sind seit der Straßensperrung weniger geworden.“ Letztere habe sich auch auf die Erreichbarkeit ausgewirkt. „Die Kunden können nur noch von Süden oder die Böhmerwaldstraße und den Fasanenweg zu uns kommen.“ Dadurch haben wir schon einen großen Schaden. Und das wird ja noch zwei Jahre so weitergehen.“

Rewe öffnet am 29. April zum letzten Mal

Auch hier wird schon eingeschränkte Kundenfrequenz Ende des Monats vermutlich noch einmal abnehmen: Die Tage des kleinen Rewe-Markts sind gezählt. Der Mietvertrag läuft wie berichtet aus. Letzter Öffnungstag ist Donnerstag, 29. April. „Bis dahin werden die Waren so gut wie möglich abverkauft und die Bestände reduziert“, sagt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Versorgung wird natürlich trotzdem bis zum Schluss sichergestellt sein.“

nej

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