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„Sie nahmen ihnen ihre Identität und ihre Würde“: Anita Zwicknagl (li.) vom Kulturamt eröffnete die Sonderausstellung „Namen statt Nummern“ im Stadtmuseum. 

Museum der Stadt Geretsried 

Die Schicksale hinter den KZ-Nummern

22 Kurzbiografien von ehemaligen KZ-Häftlingen sind aktuell im Museum der Stadt Geretsried in einer Sonderausstellung zu sehen. „Namen statt Nummern“ lautet der Titel. Museumsfachkraft Anita Zwicknagl lud dieser Tage zur Eröffnung und einer Führung ein.

Geretsried – Ignaz Daffner (1906 bis 1987) wurde 1937 ins Konzentrationslager (KZ) Dachau gebracht, weil er Mitglied im Rotfrontkämpfer-Verband der Kommunistischen Partei Deutschland war. Viele Jahre nach seiner Befreiung fuhr er einmal mit der Familie zurück an den Ort des Grauens. „Der Vater zeigte den Kindern, wo man ,baden‘ konnte, also das kalte Wasser draußen, mit dem man sich jeden Morgen – auch im Winter – waschen musste, die Baracken, die Gaskammern.“

Daffners Bericht, aufgeschrieben für das Gedächtnisbuch Dachau, ist eine von 22 Kurzbiografien von ehemaligen KZ-Häftlingen, die in der Sonderausstellung zu sehen sind. Das Gedächtnisbuch Dachau wurde von Schülern, Studenten, Erwachsenen und Verwandten der ehemaligen KZ-Inhaftierten erstellt. Es will an persönliche Schicksale erinnern und Denkanstöße für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geben.

Ausstellung tourt durch ganz Europa

Die Ausstellung zum Buch tourt als Wanderausstellung durch ganz Europa. Denn im KZ Dachau lebten Menschen aus ganz Europa – Juden, sowjetische Kriegsgefangene, später holländische Widerstandskämpfer. Ihnen allen wurden Nummern gegeben. „Damit nahm man ihnen ihre Identität und ihre Würde“, so Zwicknagl. 43 000 von 202 000 Insassen starben. Einige der Überlebenden kamen nach der Befreiung durch die Amerikaner am 29. April 1945 ins Lager Föhrenwald (heute Waldram).

Die Berichte sind beklemmend. Mussij D. Halajko, geboren 1925, erzählt im Gedächtnisbuch: „Allen Russen wurde ein Streifen in der Mitte des Kopfes ausrasiert.“ Und: „Zum Frühstück gab es ein Stück Brot, manchmal Spinat oder Steckrübe, Kohlrabi, Brei.“ Wincenty Czarkowski (1917 bis 2001) aus Polen erzählt auf ähnliche Weise von der unwürdigen Behandlung: „Die Menschen schienen Tieren ähnlich geworden zu sein.“ Am Ende seines Berichts steht: „Erst nach vielen Jahren war ich im Stande – dank meines Glaubens – dem deutschen Volk zu verzeihen.“

Das Buch ist nicht abgeschlossen. Jeder kann durch die Befragung von Zeitzeugen mit einem Kapitel zu dem Werk beitragen. Seit 1999 sind so 120 Biografien entstanden. Das Projekt wird von einem Trägerkreis aus Organisationen und Kirchen getragen, die sich seit vielen Jahren in der KZ-Gedenkstätte Dachau engagieren. 

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Namen statt Nummern“ ist noch bis Sonntag, 28. Mai, im Museum der Stadt Geretsried an der Graslitzer Straße zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 16 Uhr sowie Donnerstag von 17 bis 19 Uhr. Eine Besichtigungstermin außerhalb der Öffnungszeiten kann unter Telefon 0 81 71/62 98 27 vereinbart werden.

Tanja Lühr

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