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Auf Tuchfühlung mit den Steinern: Die Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Martina Raschke, aus Gelting. 

„Der Stadtteil stirbt vor sich hin“

Steiner klagen am Info-Stand der Grünen ihr Leid – eine Idee fällt durch

Am Info-Stand der Grünen in Stein gab es ein beherrschendes Thema: die angekündigte Schließung der Penny-Filiale. Die Idee eines Dorfladens fiel durch.  

Geretsried – Die Steiner Bürger fühlen sich „abgehängt“ und „im Stich gelassen“. Diese Aussagen hörten Martina Raschke, Michael Kling, Dr. Detlev Ringer und Thomas Martin immer wieder. Die vier Grünen befragten am Freitag Passanten wegen der von Penny angekündigten Schließung der Filiale am Ortseingang.

Ursprünglich hatten die Bürgermeisterkandidatin und die drei Ortsverbandsmitglieder vorgehabt, ihren Info-Stand auf dem Penny-Marktgelände aufzubauen. Das wurde ihnen jedoch seitens des Unternehmens verboten, so dass sie auf die gegenüberliegende Straßenseite vor den städtischen Quartierstreff auswichen. Dort platzierten sie bei Dauerregen zwei große Schirme und einen Tisch.

Schon bald musste Martina Raschke erkennen, dass ihre Idee eines Dorfladens an Stelle des Penny, der wie das Geltinger Vorbild genossenschaftlich organisiert sein könnte, in dem überwiegend von sozial schwächeren Menschen bewohnten Stadtteil nicht ankommt. Die von den vier Grünen Wahlkämpfern Befragten – über 30 waren es auf einer Strichliste am Ende der Aktion – wünschten sich fast ausschließlich wieder einen Discounter.

Penny hat wie berichtet für Ende Juni kommenden Jahres den Mietvertrag mit der Hauseigentümerin, der Baugenossenschaft Geretsried (BG), gekündigt. Offiziell heißt es, die Verkaufsfläche reiche nicht mehr aus. BG-Geschäftsführer Wolfgang Selig hatte sich nach Bekanntwerden der Grünen-Idee einem Dorfladen gegenüber aufgeschlossen gezeigt.

Die Bürger im rund 2400 Einwohner zählenden Stein sind jedoch skeptisch. „Diese Läden sind meist teuer. Wir brauchen wieder ein günstiges Lebensmittelgeschäft, so wie den Penny“, sagt Eugenia Weber. Die 79-jährige, gebürtige Rumänin lebt seit 39 Jahren in Stein. Sie beklagt, dass nach der Sparkasse und dem Getränkemarkt nun auch noch der einzige Nahversorger wegfalle. „Zählen wir denn nichts hier in Stein, dass sich die Politik nicht um uns kümmert?“, fragte sie empört. Martina Raschke erklärte zwar, dass die Politik keinen Einfluss auf Geschäftsniederlassungen und -schließungen habe, dass sie sich aber dafür einsetzen wolle, „dass nicht irgendein Ein-Euro-Laden in das Baugenossenschaftsgebäude kommt, sondern ein Lebensmittelhandel“. Ziel der Befragung sei es auch, „den öffentlichen Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen“, so die Grünen-Kandidatin.

Bewohner Rainer Schmidt sagte, der Verlust des Penny sei für die Steiner „sehr tragisch“. Viele von ihnen besäßen kein Auto. Für ältere Leute mit Rollator oder Einkaufstrolley sei es umständlich, mit dem Stadtbus an die Jeschkenstraße oder in den Geretsrieder Norden zu fahren – und teuer. „Ein Norma-Markt würde mir für Stein gefallen. Der hat oft gute Angebote und den gibt es noch nicht in Geretsried“, meinte Schmidt. Auch er bedauerte: „Der Stadtteil stirbt vor sich hin. An der Tür des Lottokiosks mit Postfiliale hängt ein Zettel, dass ein Nachfolger gesucht wird“, berichtet der seit 29 Jahren in Stein lebende Mann.

Der Grünen-Ortsvorsitzende Michael Kling erinnerte an die 60 neuen Wohnungen, die vor Kurzem am Steiner Ring gebaut wurden – 30 Prozent davon für sozial Schwächere. „Stein wächst und gleichzeitig schrumpft die Infrastruktur“, sagte er. Mit den Läden würden auch Treffpunkte verschwinden. Raschke ergänzte, sie seien für das gesellschaftliche Leben genauso wichtig wie das von der Stadt geplante Bürgerhaus auf dem Grundstück des Jugendzentrums.

„Wir Grünen wollen in allen vier Stadtteilen mehr Begegnungspunkte schaffen, denn Kommunikation ist so wichtig“, sagte Raschke. Die vielen Gespräche mit den besorgten Steiner Bürgern hätten ihr das an diesem Vormittag wieder einmal deutlich vor Augen geführt.

tal

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