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Einfach anders: Der Maibaum in Geretsried wird nicht bemalt und bleibt nur einen Monat stehen.

Egerländer Gmoi erklärt dem Jugendrat eine lange Tradition

Warum ist der Geretsrieder Maibaum nackert?

Geretsried - Der Maibaum am Karl-Lederer-Platz sorgt immer wieder für Diskussionen. Jetzt war er auch Thema im Jugendrat.

Nackert statt weiß-blau ragt der Geretsrieder Maibaum am Karl-Lederer-Platz in die Höhe. Aber warum ist das eigentlich so? Wäre es nicht schöner, ihn weiß-blau anzumalen? Und warum wird er nach einem Monat wieder abgebaut? Diese Diskussion gibt es immer wieder, zuletzt auch im Jugendrat. Helmut Hahn, Vorsitzender der Egerländer Gmoi, hat dem Gremium deswegen einen Besuch abgestattet und dort die Maibaum-Tradition erklärt.

Auch andernorts sind die Maibäume nicht weiß-blau

Anders als viele bemängeln, sei der Geretsrieder Maibaum nämlich sehr wohl ein bayerischer. Weiter südlich, in Königsdorf, Wackersberg, Reichersbeuern und Bad Tölz zum Beispiel, werde er ebenfalls nicht bemalt, sagte Hahn. Nördlich von Geretsried gebe es dagegen öfter die bemalte Variante. Wird er naturbelassen, hat das laut Hahn einen praktischen Nebeneffekt: Das Holz kann weiter atmen und wird langlebiger. Für Geretsried spielt das aber nur eine untergeordnete Rolle: Eine Eigenheit ist, dass der Maibaum nicht mehrere Jahre, sondern nur den Mai über stehen bleibt. Ganz nach Egerländer Tradition.

1947 stellte die Egerländer Gmoi den ersten Maibaum auf

Diese Volksgruppe war es, die 1947 zum ersten Mal einen Maibaum in Geretsried aufstellte, damals noch im Barackenlager auf der Böhmwiese. Das war gut ein Jahr nach Ankunft der ersten Heimatvertriebenen. „Schon damals war es so, dass der Baum morgens umgeschnitten und noch im Wald geschepst wurde“, erklärte Hahn. Die grüne Spitze bleibt dran, das recht dünne Ende fällt allerdings beim Fällen oftmals runter. Dann wird sie wieder aufgesteckt. In Geretsried kam so in den vergangenen Jahren immer eine stattliche Länge von 33 Metern zusammen. Gefällt wird der Maibaum übrigens im Stadtwald. Und zwar dort, wo das interkommunale Hallenbad gebaut werden soll. „Damit wir nicht unnötig fällen“, sagte der Vorsitzende der Egerländer Gmoi.

Mit Muskelkraft und Scherstangen hieven die Helfer den Baum nach oben. Wegen der dichten Bebauung des Karl-Lederer-Platzes sichert die Feuerwehr das Monstrum seit einigen Jahren zusätzlich ab. An der Tradition möchte Hahn nicht rütteln. „So lange wir ihn aufstellen, wird der Baum sicherlich auch so bleiben“, stellte er klar. Das fanden auch die Jugendräte gut so – und griffen Hahns Vorschlag interessiert auf, dass in Geretsried nicht nur auf dem Karl-Lederer-Platz und in Gelting ein Maibaum aufgestellt wird, sondern vielleicht noch an einem dritten Ort. „Bei der Nikolauskapelle, da könnten zum Beispiel die Schulen etwas gemeinsam organisieren“, sagte Hahn. „Fragt mal nach.“

Sebastian Dorn

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