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Geplauder auf „Heimaturlaub“

Geretsrieder Abgeordneter berichtet über erste Wochen in Berlin

Andreas Wagner aus Geretsried sitzt seit einigen Wochen für die Linke im Bundestag. Auf „Heimaturlaub“ an der Basis erzählte er von seinen ersten Erlebnissen.

Geretsried – Sahra Wagenknecht hat ihn schon auf einen Kaffee eingeladen. Angela Merkel konnte er dagegen noch nicht die Hand schütteln. Der frisch gebackene Geretsrieder Linken-Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner, gerade auf „Heimaturlaub“, erzählte beim jüngsten Treffen seiner Partei in den Ratsstuben über seine ersten Wochen in Berlin. Es ging um Persönliches, aber auch um die aktuelle politische Situation.

Auftrieb für Geretsrieder Linke

Dass der kleine Linken-Ortsverband Geretsried-Wolfratshausen mit dem 45-jährigen Heilerziehungspfleger nun einen Mann im Parlament sitzen hat, gibt der Gruppe Auftrieb. 16 Mitglieder und Interessierte kamen in den Nebenraum der Ratsstuben, um mit Wagner angeregt zu diskutieren. Verändert hat sein Aufstieg den dreifachen Familienvater, der zuvor als freigestellter Betriebsratsvorsitzender der Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen gearbeitet hatte, überhaupt nicht.

Andreas Wagner geht davon aus, dass es zur Großen Koalition kommt.

Er sei dabei, sich in der Metropole zurechtzufinden („Ich habe erst einmal alles an internationalen Gerichten in den Lokalen durchprobiert“) und seinen Kleidungsstil zu finden („Ich denke, dass ich mit Jeans, Hemd, Krawatte und Sakko angemessen angezogen bin, ohne mich zu verbiegen“). Wagner schilderte seinen Tagesablauf und die ersten Plenarsitzungen, bei denen auch schon „die Fetzen geflogen“ seien. Inzwischen habe er eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung im Stadtteil Wilmersdorf angemietet. Sein Mitarbeiterstab steht wie berichtet, das Büro müsse er noch einrichten. Er wolle mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, auch wenn den Abgeordneten Fahrdienste zur Verfügung stünden. Zwischen Geretsried und Berlin pendle er lieber mit dem Zug als mit dem Flugzeug. Kein Geheimnis machte der Volksvertreter aus seinem Gehalt samt weiterer Bezüge. Er listete alles minutiös auf.

Ein Kaffee mit Sahra Wagenknecht

Ebenso offen plauderte Wagner darüber, dass er mit Linken-Chefin Sahra Wagenknecht eine Tasse Kaffee getrunken habe. Sie habe ihn per SMS dazu eingeladen. „Nett“ sei das Kennenlern-Gespräch gewesen, sagt der Geretsrieder. Er habe jedoch auch seine Meinung zu den jüngsten fraktionsinternen Streitigkeiten geäußert.

Wagner, eines von 69 Mitgliedern der Links-Fraktion, wird künftig voraussichtlich dem Verkehrsausschuss angehören. Schwerpunktthema des Heilerziehungspflegers ist eigentlich die Friedenspolitik. „Auf dem Gebiet gibt es erfahrenere Leute als mich. Der Bereich Verkehr, vor allem wenn es um den öffentlichen Personennahverkehr geht, ist für mich absolut in Ordnung.“

Chancen für S-Bahn-Verlängerung? 

Ein Besucher fragte, wie der neue Abgeordnete die Chancen für die S 7-Verlängerung nach Geretsried beurteile. Wagner: „Der Bau der zweiten Stammstrecke in München kostet den Bund eine Menge Geld. Da bleibt kaum etwas übrig.“ Der Abgeordnete schwor die Versammelten darauf ein, sich im Landtagswahlkampf für die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried stark zu machen. Er werde sie dabei unterstützen.

Schließlich wurde lebhaft über die Zukunft der Bundesregierung diskutiert. Während einige Linke aus dem Ortsverband eine Große Koalition oder ein Kenia-Bündnis aus Schwarz-Rot-Grün befürworten würden, nannte Andreas Wagner eine Minderheitsregierung „interessant“. Er verspricht sich davon „mehr Auseinandersetzung mit Inhalten“. Seiner Einschätzung nach wird es allerdings zur Großen Koalition kommen.

Tanja Lühr 

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