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Eine Hauptstraße im DP-Lager Föhrenwald: Im „Badehaus“ am Independence Place (vor 1945 hieß der Platz Danziger Freiheit, heute ist es der Kolpingplatz) waren der Sanitärbereich des Lagers sowie ein jüdisches Ritualbad (Mikwe) untergebracht.

Ausstellungseröffnung

Der Geruch der Föhren

München/Waldram - Der Platz könnte nicht prominenter sein für „Die Kinder vom Föhrenwald“: Am morgigen Donnerstag, 13. Februar, wird die historische Fotodokumentation mit einer Vernissage im Jüdischen Gemeindezentrum am Münchner Jakobsplatz eröffnet.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultursgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, Staatssekretär Georg Eisenreich, Max Mannheimer sowie die Zeitzeugen Chana und Benjamin Braun haben ihr Kommen zugesagt.

Die Eröffnung ist gleichzeitig der Auftakt zu einer großen Benefizaktion, „um unser ehrenamtliches Projekt ,Badehaus Waldram‘ nicht nur in einem engen, lokalen Rahmen, sondern auch überregional bekannt zu machen“, sagt Dr. Sybille Krafft, Initiatorin der Ausstellung. „Damit soll ein „sichtbares Zeichen der Solidarität mit unserem Projekt in Waldram gesetzt werden“, so die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen und der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald (gegründet im September 2012).

Es war das größte und am längsten bestehende (insgesamt zwölf Jahre) DP-Lager in ganz Deutschland: das Displaced-Persons-Lager Föhrenwald. Heimatlos gewordene Juden aus ganz Europa warteten hier nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) auf ihre Ausreise. Sie selbst bezeichneten sich als „Rest der Geretteten“. Weitgehend abgeschirmt von der Außenwelt wohnten im Lager Föhrenwald „zeitweise bis zu 6000 Menschen aus 16 Ländern in einer Enklave jüdischen Lebens“, weiß die Historikerin Krafft. Eine große Anzahl von Kindern und Jugendlichen kam ohne Eltern nach Föhrenwald. Sie fanden im eigens dafür errichteten Waisenhaus Zuflucht. In Föhrenwald selbst seien aber auch viele Kinder zur Welt gekommen. An den Geruch der Föhren können sich einige Zeitzeugen noch gut erinnern, wie zahlreiche Briefe und Aufzeichnungen belegen. Krafft: „Für die Überlebenden der Schoah bedeuteten Kinder in einem ganz besonderen Maße Hoffnung und Zukunft.“ 1956 kaufte das Katholische Siedlungswerk die Liegenschaft Föhrenwald. Zwei Jahre später wurde das DP-Lager geschlossen, das ab 1939 als nationalsozialistische Siedlung für Rüstungsarbeiter der nahe gelegenen Munitionsfabriken gebaut worden war. In die Häuser zogen meist katholische, kinderreiche Heimatvertriebene ein. Föhrenwald wurde zum heutigen Waldram.

Im ehemaligen Badehaus von Föhrenwald wollen Dr. Sybille Krafft und die Bürgerinitiative die „besondere Geschichte dieses Ortes dokumentieren“. Das Lager Föhrenwald war nicht nur eine NS-Siedlung für (Zwangs-)Arbeiter der Rüstungsindustrie sowie ein Ort von Heimatvertriebenen, sondern auch eine Station des Todesmarsches Dachauer KZ-Häftlinge. „Das Badehaus hat also nicht nur lokalgeschichtlichen Charakter“, sagt Krafft. „Es gibt nur noch ganz wenige Orte in Deutschland, wo sich unsere jüngste Zeitgeschichte so verdichtet.“

Um das Gebäude zu sanieren und als Gedenkstätte aufzubauen und einzurichten, „suchen wir Menschen, die uns ideell, finanziell und mit ihren handwerklichen Fähigkeiten unterstützen“. Eine große Ehre für Krafft ist, dass „unser Ehrenmitglied Max Mannheimer“ zur Ausstellungseröffnung kommt. Der inzwischen 94-jährige Buchautor und Maler ist einer der Überlebenden des Holocaust. Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt von Grundschulkindern aus Weidach. „Die Kinder aus dem heutigen Wolfratshausen singen für die ehemaligen Kinder des DP-Lagers Föhrenwald.“ (rd)

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