Sind nur für die Vorstellung ihres Films zurück ins Klassenzimmer: (v. li.) Nicol Mayr, Sophia Anitsakis, Geschichtslehrerin Eva Greif, Cedric Hübner, Michael Heigl, Veronika Schlosser, Viktoria Ziesler und Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen. Nicht auf dem Foto sind Constantin Lentrodt und Felix Wieland. Foto: hans lippert
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Sind nur für die Vorstellung ihres Films zurück ins Klassenzimmer: (v. li.) Nicol Mayr, Sophia Anitsakis, Geschichtslehrerin Eva Greif, Cedric Hübner, Michael Heigl, Veronika Schlosser, Viktoria Ziesler und Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen. Nicht auf dem Foto sind Constantin Lentrodt und Felix Wieland.

Filmprojekt der Q11

Geschichte zum Anfassen

Waldram/Geretsried - Zeitzeugenprojekt: Geretsrieder Gymnasiasten präsentieren einen Kurzfilm über das Leben im ehemaligen DP-Lager Föhrenwald.

Vier Stunden Videomaterial auf acht Minuten kürzen? Klingt unmöglich. Doch genau das haben neun Schüler der Q 11 des Gymnasiums Geretsried geschafft. Am Freitag haben die Jugendlichen Sequenzen aus ihrem Kurzfilm gezeigt, den sie mit dem Historischen Verein Wolfratshausen im Rahmen eines Zeitzeugenprojekts produziert haben.

Vier Zeitzeugen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Kinder im Lager Föhrenwald gelebt hatten, haben die Jugendlichen nach ihren Erinnerungen gefragt. Einer von ihnen ist Jacques Cohen. Der Münchner kam 1952 als Siebenjähriger nach Föhrenwald. Mit seinem Vater und seiner Schwester ist er in ein Haus an der Floridastraße 20 gezogen, sagt Cohen im Film. Nur seine Mutter sei nicht da gewesen. „Die lag in Gauting im Krankenhaus.“ Trotzdem habe Cohen das Lagerleben genossen. „Ich war glücklich, ich wäre gerne geblieben.“

„Man hat gemerkt, dass sich die Zeitzeugen gefreut haben, dass sich die Schüler für ihr Schicksal interessieren“, erklärt Dr. Sybille Krafft. Die Dokumentarfilmerin und Vorsitzende des Historischen Vereins hat zusammen mit den Schülern vorab einen Interview-Leitfaden mit sinnvollen Fragen erstellt. Inhaltlich hat Geschichtslehrerin Eva Greif die Jugendlichen auf die Zeit des Nationalsozialismus vorbereitet: „Ich finde es toll, dass wir das Klassenzimmer verlassen und solche Erfahrungen machen konnten.“

Icek Surowicz hat seine Kindheit ebenfalls im Lager Föhrenwald verbracht, dem größten seiner Art deutschlandweit. Im Film erinnert er sich: „Wir hatten Nahrung, wir hatten Kleidung, uns hat es an nichts gefehlt.“ Überraschende Worte, wenn man bedenkt, dass heimatlose Juden aus ganz Europa dort auf ihre Ausreise gewartet hatten. Auch Helene Berger hat gute Erinnerungen an ihr Leben im Lager. Das junge Mädchen hatte Freundinnen zum Spielen. „Es war einfach schön.“ Boris Gercikow erinnert sich daran, dass das Haus schon eingerichtet war. „Ich weiß aber nicht, woher die Möbel stammten.“

„Ich finde das Projekt super. Das ist Geschichte zum Anfassen“, zieht Michael Heigl sein vorläufiges Fazit. „Klar, es war viel Arbeit, aber es hat uns Spaß bereitet, und es war eine echte Abwechslung zum Unterricht.“ Seit Dezember arbeitete die Gruppe an der Umsetzung des Films. In stundenlanger Arbeit haben die Jugendlichen die Interviews abgetippt. „Wir haben ja ein Skript gebraucht“, erklärt Schüler Florian Heider. Danach ging es ans Schneiden. Unterstützt wurden die Jugendlichen dabei vom Ickinger Filmproduzenten Rüdiger Lorenz. Ganz abgeschlossen ist das Projekt jedoch noch nicht. Für kommendes Wochenende haben sich zwei weitere Zeitzeugen zum Interview angekündigt.

Wer den Film der Eltklässler in voller Länge sehen möchte, kann das am Dienstag, 18. Februar, im Rahmen der Ausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“ tun. Dann wird er zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Außerdem befragen die Schüler an diesem Tag live die Zeitzeugin Dr. Rachel Salamander. Beginn ist um 19.30 Uhr im Jüdischen Gemeindezentrum in München.

Alessandro Capasso

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