Global Player, die bairisch reden

- Bad Tölz-Wolfratshausen – Festredner leben bequem, in aller Regel müssen sie nämlich nicht fürchten, dass ihre hehren Worte unmittelbar an der Wirklichkeit gemessen werden. Bei Peter Frieß, Geschäftsführer von Tyczka-Energie aus Geretsried, war das anders. Seine Festrede beim Wirtschaftsempfang des Landkreises am Montagabend im Tölzer Landratsamt (wir berichteten) hörte sich an wie eine Begründung, warum viele Unternehmen im Landkreis florieren, insbesondere die zwei, die den Wirtschaftspreis 2006 erhielten. Heuer waren dies Huber Präzisionstechnik aus Geretsried und Moralt Tischlerplatten aus Bad Tölz. Der Anerkennungspreis ging an den Familienbetrieb Schmid-Bäck aus Geretsried. Frieß’ Empfehlung und zugleich Thema: „Durch Veränderung zum Erfolg.“

von hans moritz <P>Der große Sitzungssaal war voll besetzt, als Landrat Manfred Nagler, &#8222;Vater&#8220; von Preis und Empfang, die Philosophie der 1999 ins Leben gerufenen Veranstaltung erläuterte. &#8222;Jeder Preisträger hat eine individuelle Erfolgsgeschichte geschrieben. Mit der Auszeichnung wollen wir Firmen und insbesondere Existenzgründern Mut machen, ein Wagnis in Kauf zu nehmen.&#8220; Nagler zeigte sich überzeugt, &#8222;dass die Firmen, die auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen, auch Erfolg haben&#8220;. <P>Preisträger bieten Querschnitt <P>Die Preisträger boten einen interessanten Querschnitt durch die heimische Wirtschaft. Die Firma Moralt blickt einschließlich ihrer Zeit unter dem Dach von Pfleiderer auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück und hat sich als Zulieferer für die Holzindustrie nicht nur in Deutschland einen Namen gemacht. Mit Schmid-Bäck wurde ein klassisches Familienunternehmen auf Expansionskurs und mit ausgeprägter sozialer Kompetenz prämiert. Und Huber Präzisionstechnik ist der beste Beweis, wie man es von einer Hinterhof-Werkstatt in Wolfratshausen zu einem Global Player schafft, der in der Person von Geschäftsführer Josef Niggl auch noch tiefstes Bairisch spricht. <P>Die Wirtschaftspreisverleihung ist immer auch eine politische Veranstaltung. So sprach Rolf Merten von der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe in seiner Laudatio auf Schmid-Bäck von einem &#8222;Skandal, dass viele verhaltensauffällige Jugendliche keine Lehrstelle bekommen&#8220;. Genau diese Chance räumt die Geretsrieder Bäckerei ein, lobte Merten. Josef Niggl, dessen Firma Huber Präzisionstechnik in der Formel 1 ganz vorne im Starterfeld mitmischt, berichtete, die Huber-Erfolgsgeschichte sei immer auch eine Baugeschichte. Aktuell investiere man knapp 13 Millionen Euro in neue Firmengebäude. &#8222;Denn wir haben Großes vor&#8220;, kündigte Niggl an, &#8222;ab Herbst wollen wir in die Luft- und Raumfahrttechnologie einsteigen.&#8220; Laudator und Wirtschaftsprüfer Dr. Anton Gaal lobte die &#8222;gesunden Beine, auf denen das Unternehmen steht&#8220;. Lobenswert sei auch das Festhalten am Standort Landkreis und die Übernahme-Garantie für die Lehrlinge. <P>Auf die wechselvolle Moralt-Geschichte ging deren Vertriebsgeschäftsführer Klaus Feile ein. &#8222;Mit Klo-Sitzen hat alles begonnen&#8220;, blickte er launig zurück, &#8222;heute stehen wir unter anderem für den hochwertigen Ausbau von Yachten ebenso wie für den Innenausbau von Fahrzeugen&#8220;. Den hohen Qualitätsanspruch von Moralt hob auch Laudator Dr. Rudolf Luers, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel, hervor. Das Tölzer Traditionsunternehmen habe sich längst einen Namen auf dem internationalen und deutschen Markt gemacht. <P>Angesichts des stetigen Wandels, dem sich alle drei Preisträger unterzogen haben, passte das Thema von Frieß&#8217; Festrede perfekt zum Abend. Seinen Rat an die Unternehmen hat der Tyczka-Manager vom Dalai Lama: &#8222;Öffne der Veränderung Deine Arme, aber verliere Deine Werte nicht aus den Augen.&#8220; Erfolg werde nur haben, wer sein Unternehmen ehrlich bewerte, mit Mittelmaß nicht zufrieden sei und auf verantwortungsbewusste und engagierte Mitarbeiter zählen könne. <P>Lob zollte Frieß am Mittwochabend dem Wirtschaftsstandort Landkreis. &#8222;Hier herrschen gute Rahmenbedingungen.&#8220; Das Innovationspotenzial sei hoch, so Frieß im Hinblick auf die &#8222;Energiewende Oberland&#8220; und das rührige Wirtschaftsforum Oberland, dessen Aufsichtsrat der Tyczka-Geschäftsführer angehört. <P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unabhängige Bürgerliste will die  Diskussion über 5G  versachlichen
Icking ist derzeit gespalten: Die einen verteufeln den Mobilfunkstandard 5G, die anderen bemühen sich um einen Kompromiss, um den die Gemeinde sowieso nicht herumkommen …
Unabhängige Bürgerliste will die  Diskussion über 5G  versachlichen
Kommunalwahl 2020: Wolfratshauser Liste stellt Wahlprogramm vor
Ein Ohr für Bürger will die Wolfratshauser Liste haben. Aus deren Wünschen hat sie ihr Wahlprogramm zusammengestellt. Das heißt unter anderem: Klares Nein zur geplanten …
Kommunalwahl 2020: Wolfratshauser Liste stellt Wahlprogramm vor
Geretsried will Sportstadt bleiben
Den Fokus auf das Thema Sport legt die Stadt Geretsried mithilfe eines Fachinstituts. Das soll den Sportentwicklungsplan fortschreiben.
Geretsried will Sportstadt bleiben
Waldramer Adventsmarkt: Nachtschichten für den Platzerlhimmel
Der handwerkliche Adventsmarkt in Waldram feiert 30. Geburtstag. Das Organisationsteam war fleißig: 60 Sorten á 150 Platzerl warten nun auf Abnehmer.
Waldramer Adventsmarkt: Nachtschichten für den Platzerlhimmel

Kommentare