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Diesmal macht sich Krankenhausseelsorgerin Barbara Mehlich Gedanken über die Fastenzeit und was es ausmacht, Christ zu sein.

Gott und die Welt 

Frohen Christen sind Fragen willkommen

Diesmal macht sich Krankenhausseelsorgerin Barbara Mehlich Gedanken über die Fastenzeit und was es ausmacht, Christ zu sein.

Wolfratshausen – Am Nachmittag des ersten Fastensonntags traf ich im Dom zu München auf eine bunte Truppe von Frauen und Männern. Ich erkannte sofort, dass sie aus verschiedenen Ländern und Kulturen kommen. Zuerst dachte ich an eine Besuchergruppe, die im Freizeitdress, in Jeans und Turnschuhen, auf eine Domführung wartete. Leise unterhielten sie sich miteinander und saßen mit frohen Gesichtern ganz entspannt in den ersten Bänken. Die Domglocke läutete, aber es begann keine Domführung. Vielmehr zog Erzbischof Reinhard Kardinal Marx zu einer Segensfeier ein. Aber Segen wofür? Seit einigen Monaten hatten sich 50 Frauen und Männer auf den Weg gemacht, um unser Christentum kennen zu lernen. In dieser Segensfeier bekundeten sie ihren Wunsch, getauft und in die Kirche aufgenommen zu werden.

Geborgenheit erleben, füreinander da sein, Halt finden

Barbara Mehlich:  Katholische Krankenhausseelsorgerin in Wolfratshausen

Nach der Andacht fragte ich einige Bewerber nach ihrer Motivation. Ein Mann aus Afghanistan sagte, er sei bewusst vom Islam zum Christentum gewechselt, Jesu lebe den Frieden vor. Ein anderer erklärte, er schätze die Gemeinschaft, er habe Solidarität erfahren. Eine Frau sprach recht leise und vorsichtig: Freiheit für uns, und deutete auf ihr kleines Kind. Ein junger Familienvater aus den neuen Bundesländern schwärmte von der Geburt seiner Tochter – da hat er gespürt: Das Leben ist ein Wunder. Es gibt Geschenke zwischen Himmel und Erde, daher will er getauft werden und später auch seine Tochter taufen lassen. Weitere Gründe waren: Geborgenheit erleben, füreinander da sein und Halt finden, miteinander materielle Sachen teilen, zum Beispiel das Kochgeschirr, die schönen Gebete.

Was strahlen wir aus, dass Fremde neugierig werden?

Liebe Leser, ich war beeindruckt von diesen Aussagen. Gleichzeitig schoss mir durch den Kopf: Können auch wir hier in unseren Pfarreien einem Taufbewerber Aufmunterndes, Frohes, Einladendes erzählen? Alle Wünsche, warum diese Männer und Frauen getauft werden wollen, sind bei uns erfüllt. Sind sie für uns, die wir als Babys getauft worden sind und in Pfarreien leben, so selbstverständlich, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen? Sind sie vergraben und vergessen? Ist uns unser christlicher Schatz eigentlich bewusst? Wo ist unsere Freude über die sonntägliche Eucharistiefeier erlebbar? Kann man wahrnehmen, dass unsere Gebete und Riten uns stärken und tragen? Was strahlen wir aus, dass Fremde neugierig werden und nach unserer Mitte fragen? Wie einladend sind wir als Einzelne oder als ganze Gemeinde?

Sakramente voll Freude leben

Die 50 Frauen und Männer werden in der Osternacht die österlichen Sakramente der Taufe, der Firmung und der Eucharistie empfangen. Wir „alten Christen“ könnten uns für die Fastenzeit und darüber hinaus einen Vorsatz nehmen: Wir sollten versuchen, diese Sakramente wieder voll Freude zu leben.

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