Grünes Essen, mitleidendes Fasten und ein Gebet vor dem Heiligen Grab

- Christen pflegen an Ostern zahlreiche Traditionen

Bad Tölz-Wolfratshausen - Ostern ist ein Fest voller Traditionen. In vielen Haushalten wird am Gründonnerstag etwas gekocht, das grün ist - vor allem Spinat. In der Neun-Kräuter-Suppe, einem anderen beliebten Gericht für diesen Tag, finden sich Brennnessel, Brunnenkresse, Gundermann, Sauerampfer, Gänseblümchen, Erdbeerblätter, Kuhblume, Rapunzel und Schafgarbe.

Am Abend beginnt die dreitägige große Osterfeier, die das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, seinen Tod, die Grabesruhe und die Auferstehung Jesu umfasst. Weil man im Mittelalter die Abendfeiern auf den Morgen verlegt hatte, wurde der Donnerstag quasi zum Kartag und bekam so den Namen Gründonnerstag vom "Greinen" (Weinen).

Der Gründonnerstag war ursprünglich auch von der so genannten Chrisamesse in der Bischofskirche geprägt. In dieser Messe wurden die zur Spendung der Sakramente notwendigen heiligen Öle geweiht. In besonderer Weise wird dabei die Verbundenheit des Bischofs mit seinen Priestern und Gläubigen ausgedrückt: Priester aus allen Dekanaten der Diözese gestalten mit dem Bischof den Gottesdienst, dessen Leitgedanke das Hohepriestertum Christi ist.

Am Gründonnerstag schweigen nach altem Brauch die Glocken und die Orgel nach dem Gloria der Abendliturgie. Den Kindern wird dann als Erklärung gesagt: "Die Glocken sind nach Rom geflogen." An ihre Stelle treten hölzerne Hand- und Kastenratschen. Im 18. und 19. Jahrhundert stellten die Ratschen noch kleine Kunstwerke dar. Die Ministranten raufen sich darum, die Ratschen in Gang zusetzen, um die Gläubigen zu den Betstunden und Gottesdiensten des Karfreitags zu rufen (siehe auch Seite 5).

Seit jeher waren der Todestag und der Tag der Grabesruhe Jesu, der Karfreitag und der Karsamstag, von Trauer und mitleidendem Fasten geprägt. So ist es verständlich, dass die Kirche ihre Gläubigen zu Abstinenz und Fasten verpflichtet. Die besonderen Formen der Karfreitagsliturgie als nicht eucharistischer Gottesdienst bildeten sich bereits im 4. Jahrhundert heraus.

Vor allem in Jerusalem waren die Christen bemüht, die Ereignisse dieses Tages möglichst originalgetreu zu gestalten, etwa in der Kreuzverehrung auf der Hinrichtungsstätte Golgotha. So gedenkt die Kirche am Nachmittag des Karfreitags in der Todesstunde Jesu seines Leidens und Sterbens. Besonders feierlich ist an diesem Tag die Ehrung des Kreuzes am Altarraum, an dem die Gläubigen vorbeiziehen und mit einer Kniebeuge innehalten.

Entsprechend alter Tradition wird in vielen Kirchen ein Heiliges Grab aufgestellt. In den Kirchen ist es meist ein bescheidener, im Grab liegender Christus, der mit vielen Blumen geschmückt ist. Die im Barock übliche dramatische und sinnenhafte Darstellung des Leidens und des Todes Christi, ist vom Konzil abgeschafft worden. Geblieben ist aber noch der Brauch, dass die Gläubigen in die Nachbarskirchen pilgern, um dort das Heilige Grab in stiller Anbetung zu verehren.Hans Rieger

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