S 7-Verlängerung

Die Gunst der Stunde nutzen

Geretsried – Aufbruchstimmung bei der Geretsrieder CSU: „Wir sollten jetzt diesen Strohhalm ergreifen, damit wir das Jahrhundertprojekt S7-Verlängerung endlich gestemmt bekommen“, sagte Bürgermeister Michael Müller gestern am Parteistammtisch. Es herrscht Zuversicht, dass Wolfratshausen und der Kreis sich finanziell beteiligen.

Bürgermeister Michael Müller berichtete vor Parteifreunden und Besuchern noch einmal vom Runden Tisch am 18. März im Innenministerium. Bund, Freistaat und Bahn sind wie berichtet bereit, für geschätzte 44 Millionen Euro einen zweigleisigen S-Bahn-Tunnel unterhalb der Sauerlacher Straße zu bauen. Voraussetzung ist, dass die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie der Landkreis rund 17 Millionen Euro übernehmen.

Müller sprach von der S-Bahn als einem „eminent wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Region“. Der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber sagte, mit der nun vorgeschlagenen Lösung sei ein wesentlicher Schritt getan worden. Denn Wolfratshausen akzeptiere nur eine Unterführung. Den Kostenanteil für die Kommunen und den Kreis nannte er zwar hoch, aber machbar. „Da muss man sich jetzt herantasten“, sagte er.

Bachhuber verspricht sich von der S-Bahn-Verlängerung nicht nur Entwicklungschancen für die Wirtschaft, sondern auch eine Zunahme der Lebensqualität im Landkreis. Die Metropolregion München werde wachsen, eine schnelle Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die Landeshauptstadt immer wichtiger werden. Bachhuber rechnet für Ende 2017 bis Anfang 2018 mit dem Planfeststellungsbeschluss

Im Planfeststellungsverfahren werden gerade rund 800 Einwendungen und 8000 Gegenargumente behandelt. Sollten sich die Beteiligten für die Tunnellösung entscheiden, müsste das Verfahren partiell neu aufgerollt werden. Der Geretsrieder CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Reeh glaubt jedoch: „Mit der Untertunnelung dürfte sich eigentlich ein Großteil der Einwände von selbst erledigen.“ Reeh kritisierte den Fraktionssprecher der Freien Wähler, Robert Lug, der sich kürzlich gefragt hat, warum der Kosten-Nutzen-Faktor für die S7-Verlängerung plötzlich keine Rolle mehr spiele. „Wir sollten doch mal froh sein über das positive Signal aus dem Ministerium und nicht immer nur das Negative sehen“, sagte Reeh.

Auch der CSU-Ortsvorsitzende Ewald Kailberth rief dazu auf, nicht die Bedenken in den Vordergrund zu stellen. Stadträtin Dr. Sabine Gus-Mayer wies auf die Vorteile des Projekts für Wolfratshausen hin. Die Verkehrs- und Parkplatzsituation durch Pendler von und zur S7 sei „der Wahnsinn“. Stammtischbesucher Ernst Walko glaubt an eine „Entzerrung“ dieses Problems durch die Weiterführung der S-Bahn nach Geretsried. Bis zum Sommer müssen Geretsried, Wolfratshausen und der Landkreis über die Kostenbeteiligung entschieden haben. „Ein sportlicher Zeitrahmen“, wie Bachhuber feststellte. Michael Müller rechnet im Fall einer Beteiligung mit zehn Jahren Planungs- und Bauzeit. Neben der Tunnelfrage in Wolfratshausen seien schließlich auch noch die Zerschneidung landwirtschaftlicher Flächen in Gelting und der Endbahnhof im FFH-Gebiet kritisch. Tanja Lühr

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