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Übungseinheit für zuhause: Im Youtube-Vid eo erklärt Mathelehrer Stephan Baur Schritt für Schritt, welcher Weg zum Ergebnis führt. 

Gymnasium Geretsried  

Lehrer gibt Mathe-Nachhilfe per Mausklick

Stephan Baur ist Lehrer aus Leidenschaft. Als Student gab er Nachhilfe, um Geld zu verdienen. Jetzt versorgt er seine Mathekurse in der Oberstufe des Geretsrieder Gymnasiums mit kostenlosen Übungsaufgaben. Dafür hat der 36-Jährige ein modernes Medium gewählt: das Video-Internetportal Youtube.

Geretsried – Das Handy zum Filmen ist an einem Gestänge befestigt: Zuhause in seinem Arbeitszimmer in Dietramszell rechnet Baur Schritt für Schritt eine Analysis-Aufgabe durch. Die Standardgleichung, die jeder Oberstufenschüler beherrschen sollte, trägt den Titel „Kurvendiskussion einer ganzrationalen Funktion“. Mit ruhiger Stimme erklärt Baur, welcher Weg zum Ergebnis und welcher in die Irre führt. Der Mathe- und Physiklehrer selbst erscheint später nicht auf der Bildfläche, nur ein von seiner Hand geführter schwarzer Stift, der Zahlen und Zeichen auf ein Blatt Papier malt.

Kein Nachhilfe-Ersatz, aber eine gute Ergänzung

Zwölf solcher Übungseinheiten mit dem Stoff der Q11 und der Q12 hat Stephan Baur bereits auf Youtube unter seinem Nickname „Goldfisch 12345“ eingestellt. Die besseren Schüler können sich die Angaben als pdf-Datei herunterladen, die Lösung austüfteln und anschließend anhand einer zweiten pdf-Datei überprüfen, ob sie richtig liegen. Für die schwächeren Schüler ist der ausführliche Videoclip gedacht. Sie können ihn zwischendurch stoppen oder sich Sequenzen zum besseren Verständnis mehrmals ansehen. Ein Nachhilfe-Ersatz seien die Kurzfilme nicht, aber eine gute Ergänzung, sagt der Pädagoge.

Eine anstehende OP brachte Baur auf die Online-Idee

Auf die Idee kam Baur, als bei ihm Ende vergangenen Jahres eine Nebenhöhlen-Operation anstand. Er wollte seinen Mathe-Abiturkurs nicht hängen lassen während des Krankenhausaufenthalts. Deshalb fragte er die Schüler, wie er ihnen in der Zeit seiner Abwesenheit am besten ein paar Übungen zukommen lassen könnte. Es hätte natürlich die Möglichkeit gegeben, die vom Bayerischen Kultusministerium initiierte Lernplattform „Mebis“ zu nutzen. Den Vorschlag, auf den Musik- und Spaßkanal Youtube zurückzugreifen, fanden die Jugendlichen aber viel cooler. An der Anzahl der Aufrufe seiner Videos sieht Baur, dass mittlerweile längst nicht nur die Geretsrieder Gymnasiasten auf diese Weise mit ihm büffeln. 125 Mal wurde die „Kurvendiskussion“ bereits angeklickt. Die OP wurde zwar vertagt, doch Baur fand immer mehr Spaß am Online-Unterricht. „Aufgaben sauber rechnen und erklären, das mach’ ich als Mathelehrer einfach gerne“, sagt er. Das Filmen und Bearbeiten habe ihn anfangs einige schlaflose Nächte gekostet, gibt er mit einem Lachen zu. Inzwischen besitze er aber eine gewisse Routine darin.

Baur kennt das E-Learning vom Unibetrieb 

In den Faschingsferien will der Kursleiter seiner Q12 eine kleine Auffrischung in Geometrie anbieten. Der 36-Jährige kann sich durchaus vorstellen, dass die Youtube-Clips irgendwann den Reiz verlieren, den sie im Moment auf die Schüler ausüben. Andererseits könnten noch Generationen von angehenden Abiturienten auf die Übungseinheiten zurückgreifen, meint er. Baur, der auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität München lehrt, kennt das E-Learning vom Unibetrieb her. Vorlesungen als Video aufzuzeichnen sei immer mehr im Kommen. „An der Schule ist man noch nicht so weit, und das werte ich eher positiv“, sagt er. Der „Input“ sei einfach deutlich geringer, wenn man nicht einen Lehrer, beziehungsweise Professor, live vor sich habe. Aber als Ergänzung zu Unterricht und gegebenenfalls Nachhilfe seien die Youtube-Clips eine tolle Sache, die junge Leute anspricht und motiviert.

Von Tanja Lühr

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