Handball: Spielertrainer Adrian Marcu (re.) von der HSG Isar-Loisach.
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Nach dem Lockdown ist vor der Vorbereitung: Bei den Handballern wie der HSG Isar-Loisach um Spielertrainer Adrian Marcu (re.) wird die Saison frühestens im neuen Jahr fortgesetzt.

Hallensport: Vorzeitiges Ende

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  • Nick Scheder
    vonNick Scheder
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  • Thomas Wenzel
    Thomas Wenzel
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Wohl kein Hallensport mehr in diesem Jahr: Handball- und Badminton-Verband haben die Spiele bis Jahresende abgesagt. Die Saison der Volleyballer ist noch in der Schwebe, die Tischtennisspieler sind nicht glücklich, möchten aber keine Sonderstellung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Basketball- und der Tischtennis-Verband haben als erste bekannt gegeben, dass sie frühestens im neuen Jahr wieder in den Spielbetrieb zurückkehren wollen. Das Gleiche beschloss jetzt auch der Bayerische Handball-Verband (BHV). „Ohne ausreichende Vorbereitung wäre ein Spielbetrieb im Dezember nicht verantwortbar. Wir haben dennoch weiterhin das Ziel, ab Januar, wenn es die Infektionslage zulässt, den Spielbetrieb 2020/21 wieder aufzunehmen. In welcher Form, unter welchen Voraussetzungen und in welchem zeitlichen Rahmen das möglich sein wird, entwickeln gerade die dafür zuständigen Gremien“, teilt BHV-Präsident Georg Clarke aus Bad Tölz mit.

Bei der Erarbeitung der Punkte werden die Themen des Auf- und Abstiegs im Erwachsenenspielbetrieb sowie die Qualifikation für die Saison 2021/2022 im Jugendbereich eine zentrale Bedeutung einnehmen, heißt es in dem Rundschreiben. Bei der zeitlichen Planung werde zudem berücksichtigt, dass es nach der Freigabe der Politik zunächst einen vierwöchigen Trainingsbetrieb geben wird, bevor der BHV wieder den Spielbetrieb aufnimmt. „Die bisher gemachten Erfahrungen im September und Oktober sowie die Rückmeldungen der Vereine bilden dafür eine wertvolle Grundlage. Anfang Dezember werden wir weiter darüber informieren“, sagt Georg Clarke.

Der Handball ruht bis zum Jahresende

Bei der HSG Isar-Loisach begrüßt man diese Maßnahme. „Das ist die einzige sinnvolle Lösung“, sagt Markus Goblirsch. Der langjährige Herrencoach weiß zwar, dass die Handballer aus Wolfratshausen und Geretsried während des Novembers daheim und individuell trainieren. „Aber das ersetzt ja die Einheiten mit der Mannschaft nicht.“ Auch im Handball sei es viel zu gefährlich, im untrainierten Zustand in den Wettkampf zu gehen. „Bei den schnellen Bewegungen in der Halle ist die Verletzungsgefahr viel zu groß.“

Der Nachteil der verlängerten Spielpause: „Wir müssen quasi wieder von Null anfangen.“ Und, so fügt der Co-Trainer der HSG-Frauen an, „ob man im Januar schon wieder Hallensport betreiben kann, steht angesichts der Infektionszahl auf einem ganz anderen Papier.“ Das Problem sei nicht unbedingt die direkte Gefahr der Ansteckung: „Viele Sportler müssen derzeit abwägen, ob es ihnen wichtig ist, wegen ihres Hobbys womöglich wegen Quarantäne zwei Wochen nicht in die Arbeit gehen zu können. Da geht es manchmal einfach nur um die Existenz.“

Das spielt auch bei den Tölzer Handballern eine große Rolle. „Bei unseren Erwachsenen-Teams haben viele Spieler Jobs oder private Verpflichtungen“, sagt Abteilungsleiter Christopher Jochem. „Wir wollen niemanden zwingen zu spielen.“ Der TV Bad Tölz fuhr ohnehin schon eine vorsichtige Linie, verschob die ersten Spiele nach hinten und hat nun Verständnis für die Saison-Unterbrechung. „Bei den Profis ist es etwas anderes, die verdienen ihr Geld damit. Aber im Breitensport macht es nicht viel Sinn, die Saison bei den Infektionszahlen derzeit durchzuziehen. Die Vernunft geht vor.“ Die Vorgaben während der bisherigen kurzen Spielperiode waren für Jochem ohnehin widersprüchlich. „Da ist der Reiz am Sport ein wenig verloren gegangen.“

Ob die Saison kommendes Jahr tatsächlich in der begonnenen Form zuende gespielt, oder etwa nur die Rückrunde gewertet wird, bleibe abzuwarten. Wert legt er allerdings auch auf die Übereinkunft, dass vier Wochen vor dem Re-Start wieder das Training aufgenommen wird. „Wir müssen schon körperlich bereit sein für die Saison.“ Momentan soll sich jeder Spieler selbst um seine Fitness kümmern, die Trainer stehen mit Workouts zur Seite.

Badmintontraining ist unter strengen Auflagen möglich

Auch im Badminton ruht der Federball bis ins neue Jahr. „Der Spielbetrieb wird erst am 15. Januar wieder aufgenommen“, teilt Uwe Eckhoff mit. Der Abteilungsleiter des TuS Geretsried hatte ohnehin vor einem schnellen Start nach dem Lockdown im November gewarnt: „Wenn man da ohne Training auf einem so hohen Niveau wie unsere Mannschaft in der 2. Bundesliga wieder einsteigt, ist das Verletzungsrisiko enorm hoch.“ Laut Eckhoff haben Badminton-Center offiziell – allerdings unter strengen Auflagen – weiterhin geöffnet. „Ich sehe das mit gemischten Gefühlen, aber wenigstens können die Spieler dann in Spielpraxis bleiben und hauptberufliche Trainer ihrer Arbeit nachgehen“, so der TuS-Spartenchef.

Tischtennis-Spieler wollen keine Sonderstellung

Bei den Tischtennis-Spielern des TV Bad Tölz ist man nicht gerade begeistert von der Aussetzung des Spielbetriebs für den Rest des Jahres. „Wir würden gerne früher weiterspielen, das war keine glorreiche Entscheidung“, sagt TV-Abteilungsleiterin Ariane Fedtke. „Das hätte man sicher auch anders lösen können.“ Schließlich sei beim Sport an der Platte per se eine Distanz zum Gegner gewährleistet, ein Abstand liege in der Natur der Sache. Aber Fedtke möchte trotzdem keine Sonderstellung für ihren Sport erwirken. „Wenn man sieht, dass der gesamte Wettkampfsport heruntergefahren wird, und dass sogar Individualsport im Freien gerade verboten ist, werden wir uns da sicher nicht rausnehmen.“ Sie hofft aber auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs – ein Konzept zur Reduzierung auf eine Einfachrunde wird vorbereitet – und vor allem des Trainings. „Wir müssen uns schon auf die restlichen Spiele im kommenden Jahr vorbereiten.“ Ob ab Dezember wieder Training an der grünen Platte möglich ist, muss aber in Absprache mit der Stadt entschieden werden.

Noch keine Entscheidung bei den Volleyballern

Noch keine Entscheidung getroffen haben die Verantwortlichen des bayerischen Volleyball-Verbands. „Ich kann mir aber schon vorstellen, dass das noch kommen wird“, sagt Lukas von Stülpnagel. Der Abteilungsleiter des BCF Wolfratshausen sieht das Problem, dass die Volleyballer nach dem vierwöchigen „Lockdown Light“ wieder ganz kurz ins Training einsteigen, nur wenige Punktspiele absolvieren, um dann wieder in die Weihnachtspause zu gehen. Die Frage sei, wie viel Zeit der Verband für die Vorbereitung einplant: „Ein bis zwei Wochen sollte man schon wieder trainieren, bevor es wieder losgeht.“ Der Spielplan sei bis dahin ohnehin durcheinander: „Manche haben im November fünf Spieltage, manche keinen. Und im Dezember gibt es auch Teams ohne Termine.“ Der Mittelblocker der VSG Isar-Loisach vermutet, dass es der Verband eventuell den Vereinen überlässt, ob sie nach dem Lockdown gleich wieder aufschlagen wollen. „Oder wir machen erst 2021 weiter, spielen die Hinrunde fertig und machen dann neue Termine aus beziehungsweise passen sie dem Kalender an“, meint von Stülpnagel.

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