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Udo Klünschs Rückkehr in den Kasten: Vor einem Siebenmeter in der 53. Minute der Partie gegen Partenkirchen löste der 59-jährige Routinier HSG-Stammkeeper Jörg Aßmayr ab. 

Handball

Der Wolf ist wieder da: HSG-Spieler Udo Klünsch kehrt zurück

Die 53. Minute im Aufstiegsspiel zwischen den Handballern der HSG Isar-Loisach und dem TSV Partenkirchen ein historischer Moment. Die Gäste haben einen Siebenmeter zugesprochen bekommen. HSG-Coach Markus Goblirsch wechselt dafür seinen Torhüter: Udo Klünsch, 59 Jahre alt, kehrt in den Kasten zurück.

Geretsried/Wolfratshausen 24 Jahre nach seiner letzten Partie, damals noch für den TSV Wolfratshausen. „Ich habe wenig um mich herum wahrgenommen. Ich war wie im Tunnel“, sagt er später. Der 1,93-Meter-Mann kommt weit aus seinem Gehäuse heraus und macht sich noch größer, als er sowieso schon ist. Es ist wie früher. Der Sieben-Meter-Killer steht wieder im Wolfratshauser Tor. Nur dass er dieses Mal den Ball aus dem Netz holen muss. Die 300 Fans auf der Tribüne feiern ihn trotzdem mit „Udo-Udo“-Rufen. Klünsch steht auch im HSG-Kasten, als mit dem Schlusspfiff bei Spielern und Fans alle Dämme brechen. Die Hausherren siegen mit 33:24 und sichern sich am vorletzten Spieltag den Aufstieg in die Bezirksliga.

Klünsch: „Großartig, ein Teil davon zu sein“

Klünsch findet „es großartig, ein Teil davon zu sein“. Er bezeichnet sich selbst als „Wolf“. Beim TSV hatte er damals mit dem Sport angefangen, als es noch keinen Hallenhandball gab und draußen gespielt wurde. Nun ist er mit der HSG Isar-Loisach, einer Spielgemeinschaft aus dem TSV und dem TuS Geretsried, aufgestiegen.

Ersatztorhüter Marcel Dinebier fiel für das Topspiel aus. In den Wochen zuvor war Klünsch – bei der HSG als Torwarttrainer tätig – für einige Übungen ab und zu selbst in den Kasten gegangen. Als er die ersten Spieler mit seinen Paraden zur Verzweiflung brachte, machten die Kollegen Späße über ein Comeback. Auch seiner Familie muss er erst erklären, dass er tatsächlich aufs Feld zurückkehrt. „An dem Spiel hing das Wohl des ganzen Vereins“, sagt Klünsch.

Die Stärken haben sich verändert

Den erfahrenen Marketingberater bringen Telefonkonferenzen mit Kunden aus aller Welt nicht aus der Ruhe. In der Nacht vor dem wichtigen Match aber hat er kaum ein Auge zugemacht. „Ich habe überlegt, wie ich bei welcher Wurfposition stehe.“ Früher zählte Klünsch auf seine Reflexe. Als er in einem Ordner mit vergilbten Zeitungsberichten blättert, sagt er: „Ich war damals richtig gut.“ In der Tat finden sich Überschriften wie „Spieler des Abends: Udo Klünsch“ oder „Keeper Klünsch rettet einen Punkt“. In einem Pokalendspiel hielt der heute 59-Jährige sieben Siebenmeter – Sieg. Heute hat er andere Stärken. „Mit seiner Größe und seinem Stellungsspiel hilft er uns. Und er strahlt auf das Team Ruhe aus“, sagt Männer-Coach Goblirsch. Der Ehrgeiz des Keepers motiviert die Mitspieler.

Klünsch liebt Handball: „Aber nur, wenn es um meine HSG geht“

Als Udo Klünsch mit 17 Jahren zu den TSV-Herren ins Training stieß, brach er sich nach knallharten Würfe gleich zweimal den Arm. Doch er biss sich durch. Aufgehört hat er erst nach einem Kreuzbandriss, in der Saison 1992/1993. 24 Jahre später ist er „überrascht, wie gut ich noch mithalten kann“. Klünsch liebt den Handball. „Aber nur, wenn es um meine HSG geht. Dann reizt mich das unheimlich.“ Der 59-Jährige hatte nie Torwarttraining, ist ein Instinkthandballer.

Nach dem Aufstiegsspiel kann Klünsch den aktiven Handball nicht einfach so abhaken. „Es juckt dich ja. Dieses Gefühl, einen Siebenmeter zu halten, ist grandios. Die Liebe zum Spiel geht nicht verloren.“ Deshalb: Wenn ihn seine HSG braucht – Wolfratshausens Siebenmeter-Killer steht bereit.  red

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