Handys gekauft, aber nie bezahlt

- Völlig verschuldeter Elektriker muss für acht Monate ins Gefängnis

Wolfratshausen/Bad Tölz - Wegen zweifachen Betrugs stand gestern ein 27-jähriger Tölzer vor dem Wolfratshauser Amtsgericht. Obwohl die Schadenssumme mit 1260 Euro relativ gering war, verhängte Richter Helmut Berger eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung. Als Gründe nannte er die desolaten finanziellen Verhältnisse das Angeklagten sowie eine noch laufende Bewährung wegen Geldfälschung. "Ich kann keine günstige Sozialprognose stellen", urteilte Berger einvernehmlich mit Staatsanwältin Regina Ortenburg.

Wie die Verhandlung zeigte, hat der angeklagte Elektriker aus selbstständiger Tätigkeit in den vergangenen drei Jahren Schulden von mindestens 60 000 Euro angehäuft. Gut zehn Seiten lang war die Liste der noch offenen Verbindlichkeiten, angesichts derer sich Richter Berger wunderte, "dass mir nicht mehr Anklagen vorliegen". Wie der Schuldenberg zustande kam, konnte der Elektriker nicht erklären. "Das hat sich halt irgendwie angehäuft." Inzwischen sei er arbeitslos und insolvent und lebe von Sozialhilfe. "Bei Ihnen geht der Gerichtsvollzieher ja ständig ein und aus und findet schon nichts mehr zum Pfänden", kommentierte der Richter diese Lage.

Nicht viel besser war laut den Unterlagen die Finanzlage des Elektrikers im Februar und März 2002. In diesem Zeitraum erwarb er in einem Wolfratshauser Elektronik-Großhandel insgesamt drei Handys im Wert von 1290 Euro gegen Rechnung, die er nie beglich. Der Angeklagte habe im Geschäft stets einen solventen Eindruck gemacht, gab der Filialleiter als Zeuge an. Genau das sei er aber nicht gewesen, unterstellte Berger Vorsatz. Auch Staatsanwältin Ortenburg urteilte: "Sie hätten wissen müssen, dass Sie die Handys niemals hätten zahlen können." Straferschwerend komme hinzu, dass sich der Elektriker seit der Tat weder um Wiedergutmachung noch um Arbeit bemüht habe. Mit dem Schuldspruch folgte Richter Berger dieser Argumentation.

Bis zuletzt hatte der Elektriker, der nach eigenen Angaben ab 1. März eine Stelle in Aussicht hat, an das Gericht appelliert. "Bitte schicken Sie mich nicht ins Gefängnis", bat er im Schlusswort. "Dann komme ich nie wieder auf die Füße."jam

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