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Vorher, nachher: Aus selbst gezimmerten Buchstaben formten Unbekannte in der Freinacht 2012 den Schriftzug GERETSRIED. Im Sommer 2013 ersetzte die Stadt diesen durch ein massives Metallgestell – und der Ärger begann.

Schriftzug feiert zweiten Geburtstag

Happy End für die Hollywoodkurve?

Geretsried - Was war das nicht für ein Hin und Her, fast schon filmreif. Passt ja auch zu Hollywood: Ein Rückblick zum zweiten Geburtstag des Geretsried-Schriftzuges.

Der Geretsried-Schriftzug an der B 11 feiert in der morgigen Freinacht seinen zweiten Geburtstag. Ob die bei den Bürgern so beliebten zehn Buchstaben stehen bleiben dürfen, ist nach wie vor ungewiss. Die Entscheidung liegt beim Innenministerium – genauer gesagt bei Joachim Herrmann höchstpersönlich. „Herr Minister will sich vor einer Entscheidung erst vor Ort ein Bild verschaffen“, heißt es auf aktuelle Nachfrage unserer Zeitung.

Rückblende: Es ist die Nacht auf den 1. Mai 2012. Im Schutz der Dunkelheit klettert ein Dutzend Geretsrieder auf den Lärmschutzwall in der so genannten Högl-Kurve an der B 11. Mit Eisennägeln rammen sie zehn Buchstaben aus Pressspan in den Boden. Ein letzter Kontrollblick. Dann macht sich die Bande unerkannt aus dem Staub. Als der Morgen graut, trauen die Autofahrer ihren Augen nicht. Auf dem Hügel prangt der Schriftzug GERETSRIED. Hollywood im Oberland. Der Freinachtscherz schlägt ein wie eine Bombe.

In den ersten Wochen haben die Geretsrieder einen Heidenspaß an ihrer Hollywoodkurve, wie die Högl-Kurve bald genannt wird. Ein munteres Scrabbeln beginnt. Regelmäßig werden die auf dem Boden liegenden Buchstaben neu zusammengewürfelt und wieder zusammengesetzt. Damit kein Gras über die Sache wächst, lässt die Stadt den Lärmschutzwall mähen. Erst als der Winter naht, beschließt man, die Pressspanplatten auf dem Bauhof einzumotten. Die Bevölkerung ist enttäuscht. Bürgermeisterin Cornelia Irmer verspricht, man werde sich um eine dauerhafte Lösung bemühen.

Im Juli 2013 kehrt der Schriftzug tatsächlich zurück – als stabiles Metallgestell, auf dem die zehn Buchstaben fest montiert sind. 6000 Euro hat sich die Stadt den Spaß kosten lassen. Das Problem: In der irrigen Annahme, der stehende Schriftzug würde ebenso geduldet wie der am Boden liegende, hat die Stadt keine Genehmigung eingeholt. Als sie den Fehler heilen will, winken die Behörden ab: Anlagen solcher Art seien nach dem Bundesfernstraßengesetz außerhalb geschlossener Ortschaften verboten. Außerdem sei die Hollywoodkurve eine unfallträchtige Stelle. Die Stadt zieht ihren Bauantrag zurück.

Am 19. November platzt die Bombe. Am Ende einer Bauausschusssitzung teilt Rathausmitarbeiter Jan Klinger mit: „Der Geretsried-Schriftzug muss weg.“ Das Landratsamt hat zwar keine Beseitigungsanordnung erlassen. Es hat aber klar gestellt, dass die Buchstaben dort nicht bleiben können. Sie würden die Autofahrer zu sehr ablenken. Noch am Abend verbreitet unsere Zeitung die Nachricht über ihre Online-Kanäle. Ein Sturm der Entrüstung bricht los. 4000 Nutzer lesen den Beitrag auf Facebook, 120 machen ihrem Ärger Luft. „Ist heute etwa der 1. April?“, fragt einer. „So ein bürokratischer Blödsinn“, postet ein anderer.

Auch der Geretsrieder Sebastian Steinbeis sitzt an diesem Abend am Computer. Seine erste Reaktion: „Ich war sauer.“ Spontan entschließt er sich am nächsten Morgen, für die Rettung des Schriftzuges zu kämpfen. Unter dem Namen „Hollywoodkruve Geretsried“ richtet er eine eigene Facebook-Seite ein. Sie hat inzwischen 2625 Fans. Bald kursiert im Netz ein eigener Song: „Unser Schild, ja unser Schild muss bleiben.“ Auf einem Internet-Portal läuft eine Petition, überall in der Stadt werden Unterschriften gesammelt.

von Sabine Schörner

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur.

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