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Schauriges Spaß: Derek Meister und seine Zuhörer.

Nur für Hartgesottene

Geretsried - Warum liest ein Niedersachse in Geretsried einen Lübecker Historienkrimi? Weil Wolfram Weiße, Initiator vom „Treffpunkt Wendeltreppe“, der Schwiegervater von Autor Derek Meister ist und ihn eingeladen hat. Rund 30 Krimifreunde waren am Donnerstagabend ins Gemeindezentrum der Petruskirche gekommen, um sich in die schaurig-spannende Welt des Spätmittelalters entführen zu lassen.

Das Licht ging aus, nur die Reflektion einer Leselampe erhellte das Gesicht des Autors. Das war die richtige Stimmung für einen Lesestoff, in dem „so richtig gemordet wird“, wie Derek Meister seinen neuesten Fall „Flutgrab“ ankündigte, ehe er unmittelbar ins Geschehen führte: „Rote Lippen, prall voller Leben, sind jetzt blau und rissig, der Körper verwest und zeigt dunkle Leichenflecken.“

Rungholt, die Hauptfigur der Krimiserie, inspiziert den Leichnam, hebt mit einem Holzspan die Liddeckel an und starrt in kalte blaue Augen. Detailgenau und bildhaft beschreibt Meister die Szene in den dunklen Gassen des spätmittelalterlichen Lübeck und hinterlässt ein schauriges Gefühl bei den Zuhörern. Rauchig-verlebt klingt die Stimme Rungholts. Als sperrigen Mann, als „Choleriker mit dem Herz am rechten Flecken“, beschreibt Derek Meister seinen Protagonisten.

Die tote Magd Agnes, um die es zunächst geht, wird später nur noch eine Nebenrolle spielen. Das 400-Seiten-Werks spielt im Jahr 1390. In der damals größten Hansestadt herrschen Armut und Hungersnot. Die Bürger haben Angst vor dem Bankier d‘ Alighieri. Er kennt jedes Geheimnis der Stadt. Als ausgerechnet er den Kaufmann Rungholt bittet, ihm zu helfen, die gestohlenen Edelsteine zu finden, wird eine Tagelöhnerfamilie bestialisch ermordet, und ein Kinderschädel mit Runen taucht auf. Rungholt vermutet Zusammenhänge, über Lübeck legt sich ein Fluch.

Derek Meister schreibt seit 15 Jahren hauptberuflich Drehbücher von Fernsehfilme für RTL, Pro 7 und Sat 1. Seine Krimis sind nichts für zartbesaitete Seelen. Es wird derb geflucht und hart hergenommen, ohne den wissenschaftlich-wirtschaftlichen Tiefgang zu vernachlässigen. Nach der Lesung stellte er sich den Fragen der Zuhörer. Warum das Mittelalter, warum Lübeck, wie lange dauern die Recherchen? Vier Monate, so die Antwort, drei Monate das Schreiben. Pro Jahr bringt Meister er einen Band heraus. Und warum Mittelalter? „Weil ich beim Schreiben in diese Zeit abtauchen kann.“

Andrea Weber

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