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Immer wieder die A 95: Schon sieben Mal musste die Feuerwehr heuer ausrücken, weil es auf der Garmischer Autobahn zwischen Hohenschäftlarn und Wolfratshausen zu Unfällen kam. Im vergangenen Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt erst zwei.

Experten haben eine Vermutung

Schon sieben Unfälle: Was ist nur auf der A95 los?

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Wolfratshausen/Schäftlarn - Der tödliche Unfall eines Porsche-Fahrers am Sonntagmorgen war der vorläufig letzte einer ganzen Reihe von Vorfällen auf der A 95 in diesem Jahr. Experten vermuten: Möglicherweise wollen manche Fahrer die Zeit wieder gutmachen, die sie an den Baustellen verlieren.

Die jüngste Tragödie: Am Sonntagmorgen starb ein Münchner Jurist bei Icking.

Nach dem tödlichen Unfall des Münchner Top-Juristen Dr. Christoph Rittweger haben sich viele gefragt: Was ist heuer nur auf der A 95 los? Tatsächlich: Die Unfälle auf der Garmischer Autobahn zwischen Schäftlarn und Wolfratshausen haben sich markant gehäuft. Wann immer sich in diesem Bereich ein schwerer Unfall ereignet, wird die Feuerwehr Hohenschäftlarn alarmiert. Das war in diesem Jahr schon sieben Mal der Fall, zwei Mal konnten die Fahrer nur noch tot geborgen werden. 2013 mussten die Helfer bis zu diesem Zeitpunkt nur zwei Mal ausrücken.

Bei der Feuerwehr hat man Vermutungen über die Ursache angestellt. „Wir haben uns schon gefragt, womit das zusammenhängt“, sagt Daniel Buck, Erster Kommandant. Er kennt die Autobahn sowohl als Pendler als auch als Einsatzleiter in- und auswendig und findet: „Eigentlich ist dieses Autobahnteilstück relativ ungefährlich, es ist überall übersichtlich, es gibt keine Kurven.“ Denkbar ist für ihn allerdings, dass einige Autofahrer die Zeit, die sie in den diversen Baustellen verlieren, wettmachen wollen. „Vielleicht wollen sie das wieder reinholen“, sagt er. Tatsache ist, dass Tag für Tag über 44 000 Fahrzeuge zwischen den Anschlussstellen Schäftlarn und Wolfratshausen in beiden Fahrbahnrichtungen unterwegs sind. Und dies derzeit unter schwierigen Bedingungen: Auf der insgesamt 67 Kilometer langen Bundesautobahn zwischen München und Eschenlohe erschweren zahlreiche Baustellen ein schnelles Vorwärtskommen. Allein zwischen München und dem Autobahndreieck Starnberg werden fünf Brücken ersetzt, an der Anschlussstelle Wolfratshausen eine. „Auffällig ist jedenfalls, dass immer mehr Sportwägen in die Unfälle verwickelt sind“, stellt Buck fest.

Josef Seebacher, Sprecher der Autobahndirektion Südbayern, bestätigt diese Vermutung. „Gerade auf der A 95 hat der Lkw- und Transitverkehr nur einen geringen Anteil“, sagt er. „Das wird ausgenutzt.“ Auf gut deutsch: Auf der Garmischer Autobahn wird eigentlich immer unverhältnismäßig gerast, weil keine Laster im Weg sind.

Die Autobahndirektion analysiert jeden einzenen Unfall. „Wir fragen uns: Was war der Grund? Gibt es Übereinstimmungen?“ Kommt es auf einer kurzen Strecke innerhalb von drei Jahren zu drei schweren Unfällen mit derselben Ursache, beschäftigt sich eine Unfallkommission mit diesem Abschnitt. Die Folgen sind Maßnahmen wie Tempobeschränkungen, Änderung der Markierung oder des Fahrbahnbelags. Doch damit hinkt die Behörde der Entwicklung immer ein Stück hinterher. „Obwohl wir ständig nachsteuern, unsere Möglichkeiten bleiben begrenzt“, gibt Seebacher zu. Und dennoch: „Die Wahrscheinlichkeit, auf der Autobahn einen Unfall zu haben, ist viermal niedriger als auf der Landstraße mit all ihren Kreuzungen und Einmündungen.“

Nach Meinung von Daniel Buck kommt noch ein wichtiger Faktor hinzu. Das Wetter, genauer: der Regen. Nachweislich war bei den letzten schweren Unfällen die Straße nass, und die Fahrer passten ihr Verhalten nicht den Verhältnissen an. „Gerade wenn es anfängt zu regnen“, so Buck, „können wir darauf warten, dass der Piepser geht.“

Von Sabine Hermsdorf

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