Was den heimischen Imkern nicht schmeckt

- Neue Bezeichnungs-Verordnung: Verliert Honig nun an Qualität ?

Bad Tölz/Wolfratshausen - Die Imker sehen ihren Stand in Verruf geraten: Die Mitarbeiter von Stiftung Warentest hatten jüngst im Supermarktregal zahlreiche Sorten mit Rückständen und fremdartigen Geschmäckern entdeckt. "Der echte deutsche Honig im Imkerglas hat keine Rückstände", widerspricht Thomas Schuhbauer, Kreisvorsitzender und Zweiter Landesvorsitzender der Imker, und erklärt: "Die Industrie kauft zwar einen kleinen Prozentsatz des inländischen Imkerhonigs, um die deutsche Geschmacksrichtung zu erhalten, mischt ihn aber dann mit ausländischem Honig."

Nur etwa 20 Prozent des flüssigen Goldes schaffen deutsche Bienen heran, heißt es auch bei Stiftung Warentest, der Rest wird aus Mittel- und Südamerika und aus Nachbarländern importiert. "Ein Beweis für untergemischten Auslandshonig sind die gefundenen Antibiotika-Rückstände", sagt der Lenggrieser Bienenfachmann. Denn seit 1995 sind Antibiotika und ähnliche Medikamente EU-weit verboten, in Südamerika dagegen erlaubt. "Zur Bekämpfung der Faulbrut werden diese Mittel etwa in anderen Ländern eingesetzt", sagt Schuhbauer.

Bisher suggerieren Namen wie Langnese-Weißtannenhonig und Naturkind-Wiesenhonig deutsche Qualität, der ausländische Bestandteil musste nicht deklariert werden. Ab August verlangt die Honigverordnung eine Herkunftsbezeichnung. Von Vorteil für den gesundheitsbewussten Verbraucher sind die neuen, von der EU diktierten Richtlinien laut den Imkern aber dennoch nicht: Nun werde trotz Widerständen dem gefilterten Honig Tür und Tor geöffnet. "Es wird vermutet, dass Amerika Druck auf die EU ausgeübt hat, um den Markt zu öffnen", bedauert der Ober-Imker des Landkreises. Der gefilterte Honig sei frei von den kräftespendenden Pollen - die geografische und pflanzliche Herkunft könne dadurch verschleiert werden - und müsse erhitzt werden, wodurch die wertvollen Enzyme des Bienenproduktes geschädigt werden würden.

Vorteile habe nur die Industrie, denn flüssiger Honig lasse sich leichter verarbeiten. "Wer den Honig als Naturheilmittel will, muss sich bei den heimischen Bienenzüchtern umsehen, die kleinstrukturiert wesentlich umweltverträglicher arbeiten", meint Schuhbauer.

Bei ihrem Angebot könne der Kunde sicher sein, dass er mit einem einzigen Löffel des Produkts nahezu zweihundert wertvolle, lebenswichtige Nährstoffe zu sich nehme.dme

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