Dr. Erich Benjamin war ein angesehener Mann im Isartal. Foto: red

Ein Herz für Kinder

Icking - In Ebenhausen ist der Erhalt eines Baudenkmals gelungen: Das ehemalige Kindersanatorium des Dr. Erich Benjamin in Zell musste keiner Neubausiedlung weichen.

Im Hotel Klostermaier in Icking präsentierte die Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen kürzlich ihr Hörspiel über die Familie Benjamin. Krafft hat es 2007 für die BR-Radiosendung „Land und Leute“ aufgenommen. Als Quelle diente ihr in erster Linie das Buch von Benjamins Tochter Renate „Die drei Ohren Gottes“. Doch auch Ebenhauser Bürger wurden von Krafft befragt.

1921 kam der jüdische Arzt Erich Benjamin (1880 -1943) gemeinsam mit seiner Frau Lili und seiner Tochter Renate in die Isartal-Gemeinde. Dort richtete er ein Kindersanatorium ein, in dem er erholungsbedürftige Kinder behandelte. Sie waren zu dick oder zu dünn, litten unter nervösen Störungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Auch die Kinder der umliegenden Bauern versorgte er medizinisch - meist kostenlos.

Bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war der Doktor ein angesehener Mann, „Kaiser von Ebenhausen“ wurde er genannt. Ab 1933 durften Juden nicht mehr Medizin studieren; die meisten praktizierenden Ärzte erhielten Berufsverbot. Benjamin blieb davon zunächst nur verschont, weil er am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte. Doch nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze traf es auch ihn: Er wurde „beurlaubt“. Eine Zeitlang noch scheute Benjamin vor der Emigration zurück. „Schließlich hatte er gekämpft für seine Heimat Deutschland“, heißt es. Auf Drängen der Ehefrau verkaufte er sein Haus 1937 zu einem Spottpreis und wanderte in die USA aus.

Heute erinnert eine Gedenktafel an der ehemaligen Kinderklinik in Zell an Erich Benjamin. In Schäftlarn heißt eine Straße seit 1999 Prof.-Benjamin-Allee. Ferner wurde eine Stiftung für Kinder in Not nach ihm benannt.

(tal)

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