Wolfgang Spindler

Hetze oder "eine Meinung"?

Geretsried - Homosexuelle sind entsetzt über Rede des Dominikaners Wolfgang Spindler am politischen Aschermittwoch in Geretsried. Die CSU sagt: Es war keine Diskriminierung.

Der politische Aschermittwoch der Geretsrieder CSU schlägt Wellen. Der Dominikaner Wolfgang Spindler aus dem österreichischen St. Pölten hatte in den Ratsstuben vor etwa 150 Gästen seine Vorstellungen von Sozialethik skizziert. So machte er deutlich, dass nach seiner Ansicht homosexuellen Paaren nicht dieselben Rechte zustehen könnten wie heterosexuellen Paaren. „Wird bald auch Sodomie anerkannt?“, fragte er polemisch. Damit meinte er: Die Vorrangstellung der Familie müsse erhalten bleiben.

Entsetzt reagieren darauf die Schwusos Oberbayern (Lesben und Schwule der SPD München und Oberbayern). „Als beleidigend und ehranrührend empfinden wir die Analogie, mit der Pater Spindler Homosexualität in eine Reihe mit Sodomie setzt“, schreibt der Vorsitzende Daniel Jadzewski. „Dies sind Aufhetzungen, mit denen beispielsweise in Russland und Afrika Hetzjagden auf Schwule und Lesben angestachelt werden.“ Wie Jadzewski auf Nachfrage erklärt, war er nicht vor Ort. Das bedauert er: „Dann wäre es sicher nicht ruhig geblieben.“

Doch es ist ruhig geblieben, niemand hat gegen die Äußerungen protestiert. Auch Sabine Lorenz nicht, Landratskandidatin der CSU. Auf der einen Seite sagt sie: „Da war einiges dabei, wo ich nicht mitgehen konnte, was nicht meine Welt war.“ Konkret meint sie damit die pauschale Herabsetzung von Homosexualität. „Das war grenzwertig.“ Auf der anderen Seite habe der Pater eben eine Meinung geäußert, die man akzeptieren müsse. „Wir sind eine Volkspartei, wir haben auch Platz für dieses Klientel“, sagt sie.

„Ich bin gegen jegliche Form der Diskriminierung“, betont der Geretsrieder CSU-Bürgermeisterkandidat Michael Müller. Als Diskriminierung von Homosexuellen habe er Spindlers Vortrag aber nicht verstanden. „Es ging um die Frage: Knüpft man steuerliche Privilegien an sexuelles Verhalten?“ Ob dies das richtige Thema am rechten Platz war, will Müller nicht bewerten. Nur weil die Rede unkommentiert blieb („Das war keine Diskussionsveranstaltung“), könne man daraus nicht konstruieren, dass sich die gesamte CSU mit den Ansichten des Paters gemein macht. „Das war eine Meinung. Und wir können mit anderen Meinungen umgehen.“

Auf die Meinungsfreiheit pocht auch der ehemalige CSU-Ortsvorsitzende Gerhard Meinl, der den Pater eingeladen hatte. Anders als ein Politiker müsse ein Ordensbruder „nicht bis in die Fußspitzen politisch korrekt sein“. Wenn damit eine Diskussion über die Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Ehen angestoßen werde, sei dies gut so. Er sei gerade in Paris, so Meinl: „Da gehen Millionen wegen dieses Themas auf die Straße.“

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