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Prämiert mit dem Gabriel-von-Max-Denkmalpreis wurde jetzt das Elternhaus von Josef Wagner.

Gabriel-von-Max-Denkmalpreis

Hier steckt Gott im Detail

Münsing – Der Gabriel-von-Max-Denkmalpreis des Ostuferschutzverbandes (OSV) geht heuer an den Ammerlander Schreiner Josef Wagner. Am Donnerstag erhielt der 66-Jährige die Auszeichnung im Rahmen einer Feierstunde im Münsinger Gasthaus „Zum Altwirt“.

Wagner ist nicht nur Handwerker, er hat auch mit großem Aufwand das Haus seiner Eltern und Großeltern an der Südlichen Seestraße 11 in Ammerland renoviert. Es war 1871 vom Urgroßvater des Preisträgers, dem Schreiner Adam Wagner, erbaut worden. Josef Wagner interessiere sich grundsätzlich für die Geschichte der Häuser, an und in denen er arbeite, sagte die Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss in ihrer Laudatio. Das spiegle sich wider in seiner behutsamen und originalgetreuen Herangehensweise.

Wagners Elternhaus, das seit 1871 schon mehrmals verändert worden war, war zum Schluss im Stil der so genannten Schweizerhäuser des 19. Jahrhunderts hergerichtet worden. Diese Chalets, so Voss, waren ein Ausdruck der Sehnsucht der Menschen nach der vorindustriellen Welt. Sie standen für das romantische Ideal der Naturverbundenheit.

Der Ammerlander Schreiner hat es mit seiner Frau Renate innen wie außen liebevoll hergerichtet.

Ganz in diesem Sinne begannen Josef Wagner und seine Frau Regina vor 25 Jahren mit der Renovierung. Typisch für den Schweizerhaus-Stil sind die zarten Schnitzereien an Dächern, Balkonen und Austritten, die überall gleich hohen Fenster mit den grünen Läden, die dezente Farbgebung in lichtem Ocker und hellem Grau. All das berücksichtigte Wagner bei der Instandsetzung. Er verwendete Fichten- und Lärchenholz sowie Naturfarben auf Kalkbasis. Die Wand zur Seeseite hin verstärkte er mit einer zusätzlichen Holzverkleidung wegen der Stürme, die regelmäßig vom Westen her über den Starnberger See fegen.

Gegen Ende der Arbeiten bezog das Ehepaar auch seine Kinder – Sohn Josef sowie die Töchter Elisabeth und Christina – in das „Lebenswerk“, wie man es nennen kann, ein. Eine Besonderheit sind die Medaillons am Giebel mit den plastischen Gesichtern von Frauen und Männern, die aussehen, als seien sie gerade den Fluten entstiegen. Sie sind ein Geschenk der Nachbarn aus den 1930er-Jahren. Im Inneren des Hauses findet sich alte Handwerkstechnik verbunden mit modernen Elementen. „Nicht der Teufel steckt hier im Detail, sondern Gott“, lobte Voss. Die Ostuferschutzverbands-Vorsitzende Ursula Scriba überreichte Wagner den Preis, einen vom Ammerlander Bildhauer Ernst Grünwald gefertigten Affen aus Bronze in Anlehnung an den Affenmaler Gabriel von Max.

Im vergangenen Jahr hatte der OSV den Denkmalpreis ins Leben gerufen, um zu zeigen, dass man alte Gebäude nicht verfallen lassen muss wie das Negativbeispiel Max-Villa. Acht Gebäude standen heuer zur Auswahl. Ernannt wurde Josef Wagner von einer Jury, bestehend aus Dr. Kaija Voss, Kreisheimatpflegerin Maria Mannes und Martin Wölzmüller, Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. Die Feier im – ebenfalls vorbildlich renovierten – Altwirt wurde von launigen Streichmusikstücken der Geschwister Maria und Matthias Well umrahmt.

Tanja Lühr

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