Beherrscht den bayerischen Blues: Mathias Kellner. Thorsten Thane (re.) filmte erstmals mit mobilen Kameras.  
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Beherrscht den bayerischen Blues: Mathias Kellner. Thorsten Thane (re.) filmte erstmals mit mobilen Kameras.  

Livestream der Kulturbühne

Mathias Kellner zeigt im Hinterhalt-Livestream erstaunliche Bühnenpräsenz

  • vonPeter Herrmann
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Mathias Kellner beehrte am Wochenende die Kulturbühne Hinterhalt. Auch wenn sein Publikum weit entfernt im heimischen Wohnzimmer saß, erreichte es seine musikalische Energie.

Gelting – Seine Vorfreude auf den Auftritt in der Kulturbühne war groß. „Ich war schon oft da und komme immer wieder gerne hierher“, gestand Mathias Kellner. Dabei spielte der gebürtige Niederbayer meist vor voll besetzen Tischen und kommunizierte zwischen seinen Liedern rege mit dem Publikum. Einige Fans fragten sich vor dem Konzert am Samstagabend, ob diese Energie auch bei einer Livestream-Aufzeichnung spürbar sein wird. Diese Bedenken zerstreute der 36-Jährige schon nach wenigen Minuten.

Kellner blieb auch während der monatelangen Lockdown-Phasen nicht untätig und trat oft mehrmals in der Woche mit musikalischen Live-Einspielungen in sozialen Netzwerken wie Facebook auf. „Das musste ich einfach machen, um in der Übung zu bleiben“, sagte er. Diese Erfahrungen zahlten sich nun aus. Denn der Sänger wusste genau, wann er in die von Thorsten Thane erstmals auch mobil bedienten Kameras schauen musste und unterhielt sich locker mit dem virtuellen Publikum. Seiner Aufforderung, bei der Coverversion des Robert-Palmer-Hits „Johnny und Mary“ in einem stimmungsvollen „Dadadada“-Background-Chor einzustimmen, dürften viele Zuseher gefolgt sein.

Freilich blieb auch Zeit für seine in bayerischer Mundart vorgetragenen Blues-Nummern. So entstand „Gruam“ während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. Das Lied „Sturm“ aus dem Album „Tanzcafé Memory“ traf den melancholischen Nerv des ausgesperrten Publikums danach ebenso wie Kellners amüsante Jugenderinnerungen an verlassene „Bushäusl“ und angezündete Kaugummiautomaten in der niederbayerischen Provinz. Mit der heiteren Zugabe „I leg mi wieda hi“ – ein süffisant vorgetragenes Klagelied über einen verkaterten Alkoholiker – endete der offizielle Teil des Auftritts.

Als Dankeschön für den ehrenamtlichen Einsatz der Mitglieder des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) griff Mathias Kellner danach noch mal zur Gitarre und spielte launige Klassiker von Haindling, Oasis, Depeche Mode und Neil Young. Nach dem mittlerweile 54. Livestream-Auftritt innerhalb von elf Monaten zeigte sich Hinterhalt-Betreiberin Assunta Tammelleo sichtlich gerührt: „Letztes Jahr hatten wir noch Zweifel, ob die Kulturbühne ihr 30. Jubiläum überhaupt noch erlebt. Sie bleibt ein besonderer Club“, stellte sie zufrieden fest. ph

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