An die 7000 Häftlinge aus dem KZ Dachau, die im April 1945 durch das Oberland getrieben wurden, erinnern einige Mahnmale – hier in Achmühle. Für die Erinnerungen von Zeitzeugen interessieren sich nun Forscher. Foto: red

Historiker suchen Zeitzeugen des Todesmarschs

Bad Tölz-Wolfratshausen - Vor 66 Jahren führte der Todesmarsch vieler KZ-Häftlinge durch den Landkreis. Nun suchen Historiker Zeitzeugen, die ihnen erzählen, woran sie sich erinnern.

In den letzten April-Tagen des Jahres 1945 wurden rund 7000 Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau zu Fuß durch das Oberland in Richtung Tirol getrieben. Sie sollten in abgelegenen Gebirgstälern umgebracht werden. Der sogenannte Todesmarsch führte in mehreren Kolonnen quer durchs Oberland: von Wolfratshausen, Königsdorf und Bad Tölz nach Reichersbeuern. In der Nacht zum 2. Mai befreiten die heranrückenden Amerikaner die Häftlinge im Schopfloch bei Waakirchen.

Viele Menschen im Oberland sahen damals den Zug, manche versuchten, den gespenstisch wirkenden Gestalten zu helfen, ihnen ein Stück Brot zu reichen. Die Eindrücke dieser unbeteiligten Zeugen sind es, die nun in einem größeren Projekt gesammelt und für Forschung und Pädagogik aufbereitet werden sollen. Daran beteiligt sind das Historische Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München, das United States Holocaust Memorial Museum in Washington und der Verein „Gedenken im Würmtal“ unter dem Vorsitz des BR-Journalisten Friedrich Schreiber.

Die Historikerin Wendy Lower leitet das Projekt. „Wir wollen die Erinnerungen der Zeitzeugen auf Video aufnehmen“, erklärt sie. „Die Filme werden dann im Holocaust Memorial Museum für Forscher zur Verfügung gestellt. Es kann auch sein, dass sie einmal Eingang in Ausstellungen finden.“In Washington sind bislang 80 000 gefilmte Zeitzeugen-Interviews mit Überlebenden des Holocaust zugänglich, erklärt Lower.

Zeitzeugen, die sich an dem Projekt beteiligen wollen, melden sich bei Dr. Wendy Lower, LMU München, Historisches Seminar, Schelligstraße 12/IV, 80799 München, oder bei Dr. Boris Neusius unter Ruf 089/3 07 36 02, Handy 0176/ 51 75 97 47. (ast)

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