Sybille Krafft Der Stadtrat dürfe „nicht die grassierende Politikverdrossenheit befeuern“.

Historischer Verein: Denkmal darf nicht Zweckbau weichen

Wolfratshausen - In einem offenen Brief appelliert der Historische Verein Wolfratshausen an Landrat Josef Niedermaier und Wolfratshausens Bürgermeister Helmut Forster, vom Abriss des alten Krankenhauses in der Flößerstadt Abstand zu nehmen.

Mit „großer Sorge“ verfolgen die Vereins-Vorsitzende Sybille Krafft und ihr Stellvertreter Bernhard Reisner die Diskussion über das alte Krankenhaus an der Sauerlacher Straße. Wie berichtet, soll über den Verkauf und den daraus resultierenden Abriss des Gebäudes am 9. Mai der Bauausschuss der Stadt entscheiden. „Das alte Krankenhaus von Wolfratshausen ist ohne jeden Zweifel für unsere Region ein wichtiges architektur- und medizinhistorisches Denkmal“, betonen Krafft und Reisner in einem offenen Brief an Niedermaier, Forster, Regierungspräsident Christoph Hillenbrand und Generalkonservator Prof. Egon Johannes Greipl. Daher sei es „unverständlich, dass das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen als Genehmigungsbehörde im Jahre 2006 den Abbruch erlaubt hat“. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, „auf welcher Grundlage die zum Erhalt des kulturellen Erbes verpflichtete Kommune - die Stadt Wolfratshausen - in ihrer Planung die Zerstörung eines Baudenkmals festgeschrieben hat“. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte empfohlen, die Rechtmäßigkeit dieses Vorgangs überprüfen zu lassen. Ehe der Historische Verein von dieser ultima ratio Gebrauch machen werde, so Krafft und Reisner, „appellieren wir an Sie: Verhindern Sie bitte, dass das alte Krankenhaus der Spitzhacke preisgegeben wird. Verhindern Sie, dass ein weiteres markantes historisches Bauwerk aus unserem Ortsbild verschwindet und durch einen fünfstöckigen Zweckbau ersetzt wird.“

Nach Einschätzung des Vereins schließt der Erhalt des 1823/24 errichteten Gebäudes eine zusätzliche Bebauung des Grundstücks nicht aus. „Mit etwas gutem Willen kann für das geschichtsträchtige Bauwerk eine sinnvolle Nutzung gefunden werden, zum Beispiel die Vermietung oder den Verkauf als Ärztehaus beziehungsweise Sitz kommunaler Einrichtungen. Laut Prof. Reinhard Heydenreuter, dem langjährigen Direktor des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, sei weit mehr als die Hälfte aller deutschen Archive in historischen Gebäuden untergebracht. „Archivdirektor Peter Fleischmann, der für das Archivwesen in Oberbayern zuständig ist, hat uns angeboten, das ehemalige jüdische Badehaus in Waldram und das alte Krankenhaus in Wolfratshausen auf ihre Archivfähigkeit hin zu begutachten“, berichtet der Historische Verein.

Die Stadt Wolfratshausen sollte nochmals überprüfen, ob der beschlossene Anbau ans Stadtarchiv am Loisachufer wirklich die beste Lösung ist. „Eine große Mehrheit der Bevölkerung und auch wir sind anderer Ansicht“, erklären Krafft und Reisner. Das Geld für den Neubau könne sinnvoller in den Erhalt und in die Umnutzung historischer Bausubstanz investiert werden. Auch dafür gibt’s laut Historischem Verein Zuschüsse von der Städtebauförderung - „und das Grundstück am Loisachufer bliebe der Stadt zudem als Wert erhalten. Dem Wolfratshauser Stadtrat gibt der Verein zu bedenken: „Bitte befeuern Sie nicht die grassierende Politikverdrossenheit, indem Sie an Beschlüssen festhalten, die unter höchst fragwürdigen Umständen zustande gekommen sind.“ (cce)

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