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Zugbegleiterinnen: Über die schwierige Rolle der Frauen im Ersten Weltkrieg referiert Dr. Sybille Krafft.

Verborgene Schätze der Geschichte

Historischer Verein: Frauen im Widerstand

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im liturgischen Bereich symbolisiert die Farbe Lila einerseits die Rangfarbe der Bischöfe, andererseits die Buß- und Fastenzeit.

In gesellschaftspolitischer Hinsicht steht Lila für den Feminismus, für die Gleichheit von Männern und Frauen. Es ist kein Zufall, dass sich der neue Programm-Flyer des Historischen Vereins Wolfratshausen heuer ganz in Lila präsentiert. Denn die erste Veranstaltung am Mittwoch, 4. März, findet im Vorfeld des Internationalen Frauentages (8. März) statt und trägt den Titel „Zwischen den Fronten“.

Handwerk in Wolfratshausen: Josef Ettenhuber vor seiner Schmiede am Untermarkt 43.

Die Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft hält einen Filmvortrag über die schwierige Situation und Positionierung der „Frauen im Ersten Weltkrieg“. Von der „Heldenmutter“ zur Kriegerwitwe, von der „Friedenshyäne“ zum Kanonenfutter gab es unzählige Frauen, die überzeugten, pazifistischen Widerstand leisteten. Damals waren Frauen Briefträger, Zugbegleiter, Trambahnfahrer und Postboten – bis es danach wieder zurück an den heimischen Herd ging. In Icking wohnten zwei unkonventionelle Frauen: Dr. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann. „Sie waren maßgeblich an der internationalen Friedensinitiative beteiligt“, weiß Krafft. Der Vortrag, der mit zahlreichen historischen Fotografien illustriert wird, skizziert auch das Spektrum der freiwilligen und unfreiwilligen Kriegsunterstützung von Frauen. Die Veranstaltung des Historischen Vereins findet erstmals in Kooperation mit dem Gymnasiums Icking statt. Krafft: „Wir wollen unsere Begeisterung für Geschichte an die nächste Generation weitergeben.“

Bücherverbrennung: Die Gedenkveranstaltung findet heuer in der Loisachhalle statt.

Zum dritten Mal gibt es heuer eine Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung, die gleichzeitig ein Benefiz für den Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram“ ist. Diesmal jedoch nicht im Hinterhalt, sondern in der Loisachhalle – mit Unterstützung der Stadt Wolfratshausen. Viele Prominente konnten wieder gewonnen werden, die auch diesmal auf ihre Gagen verzichten werden. Darunter die Schriftsteller Amelie Fried, Peter Probst, Michael Skasa, Johano Strasser und Jan Weiler. Außerdem der Regisseur Markus H. Rosenmüller mit dem Filmkomponisten Gerd Baumann, die Kabarettisten Josef Brustmann, Wolfgang Ramadan und Claus Steigenberger sowie die Zeitzeugin Rachel Salamander und Überraschungsgäste. Im Fünf-Minuten-Takt lesen die Promis aus Werken verfemter Literaten, die wiederum im Drei-Minuten-Takt von Schülern sämtlicher Gymnasien im Landkreis vorgestellt werden. „Welchen Stilmitteln sich die Schüler bei ihrer Präsentation bedienen, bleibt ihnen völlig selbst überlassen“, sagt Krafft. Das kann ein Gedicht, ein Rap, ein Lied oder ein Multimedia-Vortrag sein. Schirmherren der Veranstaltung sind Vertreter der drei Religionsgemeinschaften: Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Prälat Dr. Ludwig Wolf.

„Verborgene Schätze“ ist der 20. Juli umschrieben. Geplant ist ein Besuch auf dem Dachboden des Wolfratshauser Heimatmuseums. Durch die leicht verstaubte, etwas zugige, aber zauberhafte Welt seiner verborgenen Schätze führt Museumsleiter Hubert Lüttich. Im Laufe der Jahre haben sich dort Handwerksgeräte, Möbelexponate, Nachlässe und Raritäten aus dem gesamten Oberland angesammelt. Wegen der beengten Platzverhältnisse findet die Führung in kleinen Gruppen statt. Anschließend lädt der Verein zur Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen.

Kein Geringerer als der prominente Denkmalschützer und Regisseur Dieter Wieland leidet die Exkursion nach Murnau am Samstag, 4. Juli. Wieland führt den Teilnehmern die Schönheit des um 1900 entstandenen Gartenkunstwerk Seidlpark vor Augen – verbunden mit einem romantischen Picknick im Park. Anschließend geht es mit der Architekturhistorikerin Dr. Kaija Voss in das Zentrum von Murnau sowie in die spätbarocke Nikolauskirche.

„Verborgene Schätze“: Dazu zählt das Zunftzeichen der Bäcker, das sich im Wolfratshauser Heimatmuseum befindet.

Im Alltag läuft man an ihnen vorbei, ohne zu ahnen, welche Geschichten sich hinter ihrem Eingang verbergen: Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, ist dem Historischen Verein einen Rundgang mit Vorführungen unter dem Motto „Handwerk in Wolfratshausen“ wert. Historische Handwerksbetriebe wie die ehemalige Seilerei Kratzmeier, der Humplbräu, die Polsterei Hierl und die Schmiede Ettenhuber öffnen ihre Türen. In Erzählungen von vergangenen Zeiten wird an diesem Tag nicht nur das alte Wolfratshausen, sondern auch die Tradition des jeweiligen Handwerksbetriebs lebendig.

Der Oktober steht ganz im Zeichen von „70 Jahre Neubeginn – 70 Jahre Lager Föhrenwald“. Unmittelbar nach Kriegsende bestimmte die amerikanische Armee das frühere NS-(Zwangs-)Arbeitslager Föhrenwald für die Unterbringung von so genannten Displaced Persons (DPs). Durch den Krieg heimatlos gewordene Menschen aus ganz Europa fanden hier Zuflucht, auch Überlebende des Holocaust, weiß Krafft: „Man spricht von mehreren Tausend, die durch diese Lager gegangen sind und mittlerweile in aller Welt leben.“ Geplant sind Zeitzeugengespräch der besonderen Art: 70 Jahre nach Kriegsende erinnern sich Schüler an das DP-Lager und vernetzen sich in einer öffentlichen Veranstaltung mit den Kindern und Jugendlichen von damals. Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.

Info

Ausführliche Infos zum Jahresprogramm des Historischen Vereins Wolfratshausen gibt es unter www.histvereinwor.de.

Roswitha Diemer

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