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Vortrag in der Flößerei

Hobbyhistoriker Steeb über Ludwig, den Bayern

Wolfratshausen – Erfreulich viele Geschichtsinteressierte kamen am Samstag ins Wirtshaus Flößerei, um dem Hobbyhistoriker Christian Steeb zu lauschen.

Auf Einladung des Historischen Vereins und des Vereins Flößerstraße widmete sich Steeb gut zwei Stunden Ludwig, dem Bayern (1282-1347). Der Monarch lebte und wirkte nämlich auch immer mal wieder in der Loisachstadt.

Steeb streifte alle Stationen und Höhepunkte im Leben Ludwigs, der es als einziger Wittelsbacher auf den Kaiserthron schaffte und zeitlebens ein großer Kämpfer war. Als Monarch musste er sich nicht nur gegen seinen Bruder Rudolf, des Stammlers wehren, sondern auch gegen seinen Kindheitsfreund Friedrich, der Schöne (aus Wien), die Habsburger, Luxemburger und zahlreiche Päpste in Avignon. Er besaß einen klaren Machtinstinkt und dort, wo die Diplomatie versagte, griff er oft zum Schwert.

Dabei war Ludwig ein gebildeter, fortschrittlicher Mann, der eine moderne Verwaltung einführte, um Rechtssicherheit bemüht und quasi ein Vorläufer des Föderalismus war. Seine Kindheit verbrachte er nicht nur bei der Verwandtschaft am Wiener Hof, sondern auch hin und wieder Wolfratshausen. Als Kaiser (seit 1328) bestätigte er bei einem Besuch 1330 in der Loisachstadt das durch seinen Bruder Rudolf erlassene Marktprivileg. Die von Ludwig unterzeichnete und gesiegelte Urkunde befindet sich im Stadtarchiv, und Steeb wusste zu berichten, dass sie von der früheren Archivarin Marianne Balder eingehend untersucht wurde.

Ludwigs Leben und Herrschen war reich an Abenteuern: Er erwehrte sich seiner Widersacher, mal taktisch-diplomatisch, mal in Schlachten, mal durch erzwungene Heiratspolitik wie 1341 im Falle von Gräfin Maultasch und Ludwig von Brandenburg, die ihm Tirol einbrachte – das später wieder verloren ging. Der Kaiser gewann Schlachten (1313 bei Gammelsdorf und 1322 bei Mühldorf), legte sich mit den Päpsten in Avignon an und wurde mehrfach mit den höchsten Kirchenstrafen, dem Kirchenbann und der Exkommunikation, belegt. Doch Ludwig ließ sich dadurch nicht beirren. Er holte die größten Geister und Kritiker der Zeit, darunter Marsilius von Padua und Wilhelm von Occam (letzterem setzte Umberto Eco in seinem Roman „Der Name der Rose“ als Franziskaner William von Baskerville ein Denkmal) nach München. Und er machte seine Residenzstadt zu einer blühenden Metropole des offenen, aufgeklärten Denkens.

Unter seiner Regierung erlebte das Mittelalter einen letzten Höhepunkt des Kampfes um die rechte Ordnung in der Welt zwischen Kaiser und Papsttum. So soll der Bischof von Regensburg die päpstliche Bannbulle einfach in die Donau geworfen haben – „Post kam nicht an“. 1347 starb Ludwig auf der Bärenjagd in Puch bei Fürstenfeld „in den Armen eines Bauern“, wie es die Chroniken berichten. Trotz Banns wurde er im Liebfrauendom beigesetzt, und erst Friedrich Kardinal Wetter erklärte in einem Antwortschreiben „den Bann mit dem Tod als gelöst“. Doch schon der Zisterzienser Johann von Kempten sowie die Mystikerin Margarete Ebner aus dem Kloster Maria Medingen berichten kurz nach Ludwigs Tod von Erlösung. Schon 1346, als sich Margarete nach der berüchtigten Verfluchung des Kaisers Sorgen um sein Seelenheil gemacht hatte, wurde ihr von Gott geantwortet: „Ich will ihn nimmer verlassen, weder hier noch dort, denn er hat die Lieb zu mir.“

Da sage noch mal einer, das Mittelalter sei finster und Geschichte langweilig. Zumindest nicht bei Christian Steeb. Dieter Klug

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