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Florierendes Geschäft: Rund 600 Ecstasy-Tabletten hatte der Angeklagte aus Berg verkauft. 

“Erhebliche kriminelle Energie“

Einkäufe im Darknet: Großdealer wird von Mutter (68) unterstützt

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Ein IT-Techniker (27) aus Berg verdiente fast 80.000 Euro mit dem Verkauf von Drogen - und flog auf. Seine Mutter (68) unterstützte ihn dabei. Jetzt saßen beide auf der Anklagebank. 

München/Berg – Es ist der Albtraum vieler Eltern: Das eigene Kind sitzt auf der Anklagebank – ihm droht eine lange Haftstrafe. Eine Frau aus Berg musste in dieser Woche sogar direkt neben ihrem 27-jährigen Sohn auf der Anklagebank Platz nehmen. Denn die 68-Jährige hatte ihren Filius bei seinen Drogengeschäften unterstützt.

Der Anklage zufolge hat der IT-Techniker von Ende 2014 bis Januar 2017 weltweit einen regen Rauschgifthandel betrieben. Neben gut 20 Kilogramm Marihuana und Haschisch hatte er fast zwei Kilogramm Amphetamin, über 100 Gramm Kokain sowie rund 600 Ecstasy-Tabletten verkauft und so fast 80 000 Euro eingenommen.

Haftstrafe: Sechs Jahre und neun Monate

Der 27-Jährige räumte die Vorwürfe vor Gericht weitgehend ein. Auch gestand er, hunderte kinderpornografische Bilder und Videos besessen zu haben. In einem der von der Polizei sichergestellten Video ist etwa die Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens zu sehen. Nach nur drei Prozesstagen verurteilte das Gericht den Angeklagten am Donnerstag zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten.

Am Ende war es vor allem sein umfassendes Geständnis und seine aus Sicht des Richters „ehrliche Reue“, die ihn vor einer härteren Strafe bewahrten. Das Gericht wertete es strafmildernd, dass er den Ermittlern sogar seine Computer-Passwörter zur Verfügung gestellt hatte. „Sonst wäre die Polizei möglicherweise gar nicht an die Daten herangekommen“, sagte der Richter. Zudem hatte der Dealer die Ermittler umfassend über zahlreiche nicht von der Polizei abgefangene Rauschgiftpakete informiert. Die geständige Mutter, die Pakete für ihren Sohn entgegengenommen hatte, wurde zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Erinnerungen an schlechten Gangsterfilm

Der Richter unterstellte ihrem Sohn „eine erhebliche kriminelle Energie“. Tatsächlich erinnerte manches, was Staatsanwalt Michael Meyer und mehrere Polizisten während des Verfahrens aussagten, an einen schlechten Gangsterfilm. So hatte der Mann die Drogen im sogenannten Darknet gekauft. Das Darknet ist ein schwer zugänglicher Bereich des Internets. Der 27-Jährige zahlte mit Bitcoins. Die Digitalwährung wird wegen ihrem hohen Maß an Anonymität gerne von Kriminellen genutzt.

Der wichtigste Kompagnon des Großdealers aus Berg lebt in Hessen und nannte sich im Netz „Heisenberg“ – so heißt nicht nur einer der berühmtesten deutschen Chemiker, sondern auch die Hauptperson in der bekannten US-Drogendealer-Serie „Breaking Bad“.

Gut 1300 Abnehmer beliefert

Staatsanwalt Meyer hielt während seines Schlussplädoyers eine Skizze in Luft, die das weit vernetzte Abnehmer- und Botennetz des Angeklagten zeigte. Dieser habe gut 1300 Abnehmer auf der ganzen Welt beliefert – sogar in der Türkei, Russland und den USA. Der IT-Techniker, der selbst rauschgiftig süchtig ist, ließ die Lieferungen zum Teil von Freunden oder Bekannten annehmen – einige davon leben im Landkreis Starnberg, mehrere wurden bereits verurteilt.

Das Gericht urteilte, dass der 27-Jährige, der seit über einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, bereits in einigen Monaten unter strengen Auflagen eine Therapie in einer gesicherten Einrichtung beginnen darf. Ein Sachverständiger hatte dem bereits Vorbestraften zuvor eine gute Heilungschance bescheinigt. Der Angeklagte sagte zum Schluss: „Es tut mir so leid, dass ich meine Mutter da reingezogen habe.“ Diese brach anschließend in Tränen aus. Sie hatte ihre Mithilfe zu Prozessbeginn damit gerechtfertigt, sie sei im großen Haus alleine gewesen und habe Angst gehabt, dass ihr Sohn auszieht. Für ihren Verteidiger steht fest: „Sie hat genug gelitten.“

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