Hörer auflegen, damit der Amtsbetrieb läuft

Bad Tölz-Wolfratshausen - Viel Staub aufgewirbelt hat die jüngste Kreistagssitzung. Kreisrat Prof. Matthias Richter-Turtur schoss gegen Landrat Josef Niedermaier, und Benno Lichtenegger (SPD) zog gegen Josef Maier jun. (ÖDP) vom Leder.

Weil er an jenem Tag von einem Auswärtstermin kam und im Schneechaos feststeckte, stieß Niedermaier verspätet zur Sitzung dazu. Zum Zeitpunkt von Lichteneggers Tirade war er noch nicht da. Ob er ansonsten eingeschritten wäre? „Ihm ins Wort zu fallen oder das Wort zu entziehen, das geht sicher nicht“, antwortet Niedermaier. Grundsätzlich finde er Lichteneggers Äußerungen aber „nicht gut“. Am Ende stimmten 13 Kreisräte gegen die Berufung Maiers in den Kreisausschuss - ein ungewöhnlicher Vorgang. „Einen Fraktionsvorsitzenden wählt die Fraktion selbst, und es ist üblich, dass er dem Kreisausschuss angehört. In der Vergangenheit hat der Kreistag solchen Personalangelegenheiten immer einstimmig zugestimmt.“

Dass es diesmal anders war, zeigt aus Sicht des Landrats, „dass sich da einiges angestaut hat“. So bestätigt Niedermaier auf Rückfrage, dass stimmt, was Benno Lichtenegger im Kreistag behauptet hatte. „Ich stehe dazu: Ich habe bestimmten Mitarbeitern erlaubt, dass sie auflegen dürfen, wenn Herr Maier anruft. Ich bin ja schließlich dafür verantwortlich, dass der Amtsbetrieb läuft.“ Im Tölzer Landratsamt bekomme jeder Bürger eine Auskunft, aber es könne nicht sein, „dass jemand mit seinen Anrufen ganze Ämter lahmlegt“. Im Übrigen sieht Niedermaier im Angriff des ehemaligen Dietramszeller Bürgermeisters Lichtenegger auf den Ascholdinger Maier junior einen Ausfluss „der Zerrissenheit der Gemeinde Dietramszell“.

Dort weiß die Verwaltung nichts von einer Order, Gespräche mit Josef Maier nicht anzunehmen oder notfalls auch abzubrechen, wenn sie sich zu sehr in die Länge ziehen. Geschäftsleiter Peter Englaender erklärt auf Anfrage: „Eine offizielle Anweisung gibt es da sicher nicht.“

(ast)/(vu)

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