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Übermütig: Mit Ehemann Klemens (re.) und Robert Lug an ihrer Seite amüsiert sich Cornelia Irmer beim Geretsrieder Starkbierfest.

Zm Abschied von Cornelia Irmer

"Ich habe es nie bereut"

Geretsried - Über eine Frau, die erst überredet werden musste, und am Ende fast alle überzeugt hat.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Seit 1992 regiert in Geretsried Hans Schmid. Der ehemals parteifreie Bürgermeister ist zur CSU gewechselt. Seine einstigen Unterstützer – Freie Wähler, SPD, Grüne und FDP – sind stinksauer. Sie wollen Schmid stürzen und suchen für die Wahl 2004 einen Gegenkandidaten. In der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) finden sie ihren Hoffnungsträger: Es ist eine Frau.

Cornelia Irmer, zehn Jahre KAB-Diözesan-Vorsitzende und Leiterin der KAB-Frauengruppe in Geretsried, reagiert auf die Avancen zunächst ablehnend. Sie hat einen guten Job in der freien Wirtschaft und „genug zu tun“. Als Personalleiterin bei der Münchenstift ist sie verantwortlich für knapp 2000 Mitarbeiter. Doch ihre Freunde um Wolfgang Lorz und Lorenz Weidinger von den Freien Wählern lassen nicht locker. „Ich sehe heute noch den Lenz auf meiner Couch sitzen, wie er mit Engelszungen auf mich einredet“, erinnert sich Cornelia Irmer. Schließlich gibt sie dem Drängen nach – unter einer Voraussetzung: Damit sie gegen den CSU-Amtsinhaber überhaupt eine Chance hat, sollen sich alle anderen Parteien auf sie als einzige Kandidatin verständigen. „In meiner Naivität dachte ich: Das schaffen die nie.“ Ein Irrtum.

Am 13. Juni 2004 wird die parteifreie Cornelia Irmer mit Unterstützung der Freien Wähler, der SPD, der Grünen und der FDP zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Bei ihrer Wiederwahl 2008 hat sie sogar die CSU hinter sich. Dass sie sich zur Kandidatur hat überreden lassen, hat sie „nie bereut“. Im Gegenteil: Wenn sie am kommenden Dienstag nach knapp zehn Jahren aus dem Amt verabschiedet wird, blickt sie auf eine erfolgreiche und für sie persönlich „schöne Zeit“ zurück. Sie denkt an all die Menschen, die sie kennen gelernt hat, die vielen Gespräche, die sie geführt hat. „Zusammen haben wir, glaube ich, viel bewegt.“

Von Anfang an legt Cornelia Irmer ein unglaubliches Tempo vor: Am 17. Dezember 2004 hat sie ihren ersten Arbeitstag. Am gleichen Abend findet eine Informationsveranstaltung zur S-Bahn-Verlängerung statt. Wie eine Mutter um ihr Kind wird sie in den nächsten Jahren um dieses Projekt kämpfen. „Dass wir es mit der S-Bahn ins Planfeststellungsverfahren geschafft haben, darauf bin ich stolz“, sagt sie. „Wenn man weiß, wie schwierig und langwierig das ist, dann war das ein Riesenschritt.“ Auch dass man mit der geplanten B 11-Verlegung vorangekommen ist, macht sie „glücklich“.

Wie langsam die Mühlen der Bürokratie malen, daran musste sich die Bürgermeisterin erst gewöhnen. „Manchmal saß ich da und dachte mir: Dieses Land stranguliert sich selbst durch die Überregulierung.“ Doch dann fiel ihr wieder der Satz von Franz von Assisi ein, den sie schon in ihrer Antrittsrede zitiert hatte: „Tue das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst Du das Unmögliche.“ Zu diesem scheinbar Unmöglichen zählt die Verlegung der Tattenkofener Straße. Den Bau der neuen Staatsstraße und vor allem des Kreisverkehrs auf der B 11 durchzusetzen, „war ein echter Kraftakt“. Als Cornelia Irmer im August 2008 das Bändchen durchschneidet, strahlt sie übers ganze Gesicht.

Für solche Anlässe hat ihr Hans Schmid bei der Amtsübergabe eine Schere in die Hand gedrückt, dazu noch einen symbolischen Schlüssel. Mehr nicht. In die Abläufe im Rathaus muss sich Cornelia Irmer selbst einarbeiten. Als erstes schafft sie die „ausgiebigen Brotzeiten“ während der Dienstzeit ab. Wer eine Pause machen will, muss ausstempeln. Das sorgt zunächst für Unmut in der Belegschaft. „Aber nach zwei, drei Monaten hat sich das gelegt“, erinnert sich die Chefin. Dass es in ihrer Amtszeit eine hohe Fluktuation im Rathaus gab, räumt sie ein. Es seien viele ältere Mitarbeiter ausgeschieden. Es habe aber auch Fälle gegeben, da habe man sich von Leuten trennen müssen. „Es gibt in jedem Unternehmen Mitarbeiter, die sich auf Kosten der Kollegen leicht tun. Letztere gehen daran irgendwann kaputt. Das darf man nicht zulasssen“, sagt sie aus ihrer langjährigen Erfahrung als Personalleiterin. Als strenge Chefin würde sich Cornelia Irmer nicht bezeichnen. „Ich habe meine Mitarbeiter gefordert, aber auch gefördert“, sagt sie. Heute sei die Verwaltung gut aufgestellt: „Man kann sich auf sie verlassen.“

Cornelia Irmer verlangt viel von ihrer Belegschaft, aber mehr von sich selbst. Sie arbeitet bis an die Grenzen ihrer Kräfte und manchmal darüber hinaus. In der Bürgerversammlung 2007 bricht sie nach ihrem Rechenschaftsbericht am Rednerpult zusammen. „Entschuldigung, ich habe heute Abend noch nichts gegessen“, sagt sie und setzt die Veranstaltung fort. Später erleidet sie einen Hörsturz, an dem sie heute noch laboriert. „Wenn die Ohren zu machen, weiß ich: Einen Gang zurückschalten.“

von Sabine Schörner

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Printausgabe des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur am Wochenende.

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