Betreiber eines Schlüsseldienstes vor Gericht
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Vor verschlossenen Türen stand eine Ickingerin. Der Fachmann, den Sie verständigte, war ein Betrüger. Der landete jetzt vor Gericht.

Amtsgericht Wolfratshausen

Wucher: Schlüsseldienstmitarbeiter zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt

  • vonRudi Stallein
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533 Euro: Diese stolze Summe verlangte ein Schlüsseldienstmitarbeiter im Januar 2019 für seine Dienste. Das kam ihn teuer zu stehen.

Icking/Wolfratshausen – Einmal Haustür aufsperren: 533 Euro. Dass da etwas nicht stimmen konnte, war der Ickingerin, die diese Summe bezahlen sollte, sofort klar. Sie ging zur Polizei. Nun wurde ein 34-jähriger Schlosser aus dem westfälischen Essen vom Amtsgericht Wolfratshausen wegen Wuchers zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Damit kam der Angeklagte günstig davon: Der Strafbefehl, gegen den er Einspruch eingelegt hatte, lautete über 6000 Euro.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 21. Januar 2019. Die Geschädigte (50) hatte an jenem Tag nicht darauf geachtet, dass im Türschloss noch ein Schlüssel von innen steckte, als sie das Haus verließ. Sie suchte im Internet nach einem Schlüsseldienst und gelangte so an den Angeklagten. „Am Telefon war mir ein Komplettpreis von 174 Euro genannt worden“, erklärte die Hausfrau vor Gericht. „Vor Ort könnten möglicherweise noch etwa 100 Euro dazukommen, wenn es eine sehr aufwendige Tür sei.“

Auf der Rechnung standen viele „Extras“

Damit war sie einverstanden. 40 Minuten später fuhren zwei Herren in einem Pkw mit Essener Kennzeichen vor und machten sich ans Werk. Nach weiteren 40 Minuten legte der Beschuldigte die Rechnung vor. Die summierte sich aufgrund diverser fragwürdiger „Extras“ von „Anfahrt“ bis „Zylinder aufbohren“ auf 533 Euro. Weil eine Kartenzahlung nicht funktionierte, fuhr die Ickingerin zur Bank, hob 250 Euro ab, die sie anzahlte. Der Restbetrag sollte am nächsten Tag abgeholt werden. Dabei konnte die Frau die Männer so lange hinhalten, bis die Polizei eintraf.

„Mein Chef hat mir gesagt, was ich einnehmen soll“, begründete der Angeklagte seine dubiose Rechnungsstellung. Er habe erst kurze Zeit zuvor in einem einwöchigen Schnellkurs eine „Umschulung“ zum Schlüsseldienstmitarbeiter gemacht. Dann habe er als „Praktikant“ im Raum München „probeweise auf Montage gearbeitet“. Von den Einnahmen habe er lediglich 15 Euro Spesen pro Tag erhalten, den Rest habe er an seinen Chef abgegeben.

Die Arbeit hätte 160 Euro kosten dürfen - maximal

Ein Sachverständiger rechnete in der Verhandlung vor, was der Mann hätte in Rechnung stellen können: „Maximal 160 Euro sind branchenüblich. Damit ist auch eine komplizierte Öffnung erledigt“, so der Gutachter, der im Hauptberuf selbst Schlossermeister ist. Der Stundenlohn für „einen Gelernten“ belaufe sich auf 40 bis 60 Euro.

„Sie haben wesentlich zu viel verlangt. Das ist Wucher“, betonte Richter Helmut Berger. Der Angeklagte entgegnete, ihm sei erst jetzt bewusst geworden, was so etwas tatsächlich hätte kosten dürfen. „Es tut mir leid. Ich habe einfach nur meine Arbeit gemacht“, verteidigte sich der Beschuldigte. „Wenn ich gewusst hätte, wie es endet, hätte ich es nicht angefangen.“

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Das Gericht verurteilte den Essener wegen Wuchers zu 200 Tagessätzen à 20 Euro. „Er war das kleinste Rädchen und muss seinen Kopf hinhalten“, machte Berger in seiner Urteilsbegründung deutlich – und ergänzte mit leichtem Sarkasmus: „Er muss von Essen hier runterfahren, sich vom Richter blöd anreden lassen – und das für 15 Euro Spesen am Tag. Das hat sich gelohnt.“

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