Bürgermeisterin Verena Reithmann an ihrem Schreibtisch im Ickinger Rathaus.
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Den Umgang mit dem 5G-Mobilfunk in der Gemeinde sieht Bürgermeisterin Verena Reithmann als eines der zentralen Ickinger Thema.

Bei der Trauung bloß nicht mitweinen

100 Tage im Amt: Ickings neue Bürgermeisterin zieht Bilanz

  • vonPeter Borchers
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Seit mittlerweile 100 Tagen hat Icking eine neue Bürgermeisterin. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Verena Reithmann über Herausforderungen - und ihre Rolle als Moderatorin.

  • Verena Reithmann setzte sich in der Stichwahl gegen Laura von Beckerath-Leismüller durch
  • Reithmanns größte Herausforderung als Bürgermeisterin ist und bleibt der Umgang mit dem Thema Mobilfunk
  • Ihre erste Amtshandlung war die Vereidigung der Gemeinderäte

Icking – Drei Gemeinden im Nordlandkreis haben mit der Kommunalwahl am 15. März neue Bürgermeister respektive eine Rathauschefin bekommen: Icking mit Verena Reithmann, Königsdorf mit Rainer Kopnicky und Dietramszell mit Josef Hauser. Alle drei fragten wir nach den ersten 100 Tagen im Amt nach ihren Eindrücken. Heute antwortet Verena Reithmann auf unsere Fragen.

Frau Reithmann, Sie sind seit 100 Tagen Rathauschef. Was war Ihre allererste Amtshandlung?

Wesensgemäß war das die Vereidigung der neuen Gemeinderäte und der zwei weiteren Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung. Dies war bis jetzt auch der einzige Moment, in dem ich die Amtskette getragen habe. Bei der Vereidigung der weiteren Bürgermeisterinnen habe ich diese unbeabsichtigt ins Schleudern gebracht, weil ich die Eidesformel zu schnell vorgelesen habe, sodass ich sie wiederholen musste, damit die Bürgermeisterinnen sie nachsprechen konnten. Im Amt selbst war es sicher die Durchsicht der Postmappe und das Abzeichnen von Auszahlungsanordnungen.

Nach dem Seitenwechsel vom Gemeinderat zum Bürgermeister: Wie empfinden Sie es, nun selbst die Sitzungen zu leiten?

Ich sehe mich jetzt mehr als Moderator. Früher habe ich meine Meinung vertreten, jetzt will ich die Meinung der Gemeinderäte hören. Natürlich gebe ich am Ende meine Stimme nach meiner Meinung ab, aber die Gemeinderäte sollen ihre Ansichten selbst formulieren und nicht mir zustimmen. Ich erfreue mich an der vorbereiteten, konzentrierten und straffen Teilnahme der Gemeinderäte an der Sitzung.

Ist die Arbeit schwieriger oder leichter, als Sie sie erwartet haben?

Schwer ist zwar leicht was, aber dort bin ich vielleicht noch nicht angekommen. Ich weiß, dass noch schwierigere Aufgaben auf mich zukommen.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war, ist und bleibt der Umgang mit dem Thema Mobilfunk. Die Problemlage geht weit über ein „Man kann es nie allen Recht machen“ hinaus. Es gibt doch einige vollkommen widerstreitende Belange. Jeder Weg, auch wenn er überlegt, gut vorbereitet und abgewogen ist, ist am Ende ein Kompromiss, den viele als „faul“ empfinden. Deswegen vermeiden viele Gemeinden, sich in Planungsprozesse einzuschalten. Wir sind seit 15 Jahren auf dem Weg zu sagen: „Wenigstens wollen wir einen Kompromiss erzielen.“ Das stellt aber definitiv eine große Herausforderung dar. Die zweite große Herausforderung war, bei der ersten Trauung, an der ich zwar noch nicht als Standesbeamtin sondern als Zuhörerin teilnehmen durfte, nicht vor Rührung zu weinen, als die Musik einsetzte.

Werden Sie beim Einkaufen von Bürgern angesprochen? Nach dem Motto: „Weil ich Sie gerade sehe…“

Nein, bis jetzt nicht. Manchmal eher umgekehrt. Ich freue mich, wenn Bürger im Zuge des Einkaufens bei mir im Büro vorbeischauen unter dem Motto „Weil ich gerade in der Gegend war…“

Gab’s schon positives oder negatives Feedback von Bürgern und/oder Mitarbeitern?

Ja, alles dabei.

Die Corona-Pandemie beeinflusst weiterhin unseren Alltag. Inwieweit bremst Sie dies in Ihrer Arbeit?

Das Amt lebt ja doch davon, dass man Themen auch in Gruppen diskutiert und ausarbeitet. Das ist deutlich gebremst. Und eine Bürgerversammlung macht so wenig Freude.

Hand aufs Herz: Welche Hürde im Rathaus konnten Sie in den ersten Tagen ihrer Amtszeit auf Anhieb nicht nehmen… und bei wem haben Sie sich Rat geholt?

Sicherlich viele. Aber Hürden zeichnen sich dadurch aus, dass man sie tatsächlich überwinden kann. Der Austausch mit unserem Geschäftsleiter ist mir sehr hilfreich.

Kennen Sie Ihre Durchwahl im Rathaus?

Aber ja, denn das ist ja die Durchwahl meiner Vorgängerin, die ich oft genug angerufen habe.

Wo verbringen Sie Ihre Mittagspause?

Entweder im Büro, dann ohne echte Pause, oder zu Hause.

peb

Auch der neue Dietramszeller Bürgermeister Josef Hauser blickt auf die ersten 100 Tage seiner Amtszeit zurück - etwa die verhinderte Schließung der Postfiliale.

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