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Vorher, nachher: 20 Jahre blühte hier eine wilde Blumenwiese (Beispielbild) - jetzt ist da ein Loch.

Bürgermeisterin erstattet Anzeige 

20 Jahre wurde hier eine Moorwiese gepflegt - Dorfener zerstört sie in zwei Tagen

Seit 20 Jahren blüht jeden Sommer dank einer Bürgerinitiative die Blumenwiese am Langmoos in Dorfen. Jetzt hat ein Dorfbewohner die Moorwiese komplett umackern lassen - und damit zerstört.

Icking  126 Blumen- und Pflanzenarten, vom Lungenenzian über Sauergräser bis zu verschiedenen Orchideen, wuchsen auf der 6880 Quadratmeter großen Wiese der Gemeinde, die sich etwa 100 Meter von der Leonhardkapelle, entfernt, umrandet von Wald, befindet. Die Vielfalt bot nicht nur ein herrliches Bild, sie war auch Lebensraum für Insekten und Schmetterlinge wie den Perlmuttfalter, stellte also in Zeiten des Insektensterbens einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz dar.

„Früher diente die Wiese einigen Nebenerwerbsbauern als Streuwiese. Sie mähten das Gras und gaben es ihren paar Kühen als Einstreu in die Ställe. Ab etwa 1970 verbuschte die Wiese aber“, erinnert sich Franz Breit. Er war einer der engagierten Bürger, die 1998 unter Anleitung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Bad Tölz mit Unterstützung des Bauhofs und des Bund Naturschutz sowie unter der Regie des Ickingers Dr. Peter Schweiger das Gestrüpp entfernten und die ehemalige Streuwiese in ein Biotop verwandelten.

Jahr für Jahr wurde die Wiese Mitte Oktober gemäht, gerecht und das Mähgut auf einer Folie mit einer Seilwinde vorsichtig aus der Wiese gezogen, um den Boden zu schützen. Schweiger trommelte jedes Mal rund 20 freiwillige Helfer zusammen. „Zuletzt waren auch einige Asylbewerber dabei“, sagt er. Franz Breit erinnert sich: „Es blühten immer mehr Blumen. Die Samen waren ja noch im Boden. Nur die Mehlprimel, die ich aus meiner Kindheit noch kannte, kam nicht wieder.“

Am Freitag und Samstag zerstörte nun ein Dorfener Bürger unwissentlich, wie er gegenüber Bürgermeisterin Margit Menrad sagte, das Idyll. Er ließ von zwei Arbeitern Käferbäume im angrenzenden Wald schlagen. Die Arbeiter fuhren diese mit einem Bagger mit Anhänger über die Moorwiese zu einem Sammelplatz. „Er hat vorher nicht gefragt, wem die Wiese gehört“, beklagt Menrad. Er sei auch nicht am Waldrand entlang gefahren, sondern kreuz und quer über die Wiese, auf immer anderen Strecken. Oft sei er eingesunken und nur mit viel Gas weitergekommen. Die Spuren der Verwüstung sind deutlich zu sehen. „Drei Viertel der Fläche sind umgeackert“, sagt die Bürgermeisterin.

Die Rathauschefin hat inzwischen Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Die Untere Naturschutzbehörde wurde ebenfalls informiert. Sie wird laut Menrad ein Bußgeldverfahren anstrengen.

Außerdem wird die Behörde eine Expertise anstellen, ob und wie eine Renaturierung möglich ist.  Peter Schweiger schätzt, dass es mindestens fünf Jahre dauern wird, bis das Biotop wiederhergestellt ist. „Es ist wirklich eine Schande“, ärgert er sich.

Tanja Lühr

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