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Schlüssel drin, ich draußen: Diese Notlage nutzen in letzter Zeit verstärkt betrügerische „Handwerker“ aus.

Dem Wucher steht Tür und Tor offen

Abzocker-Schlüsseldienst in Icking: Jetzt spricht das Opfer 

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Eine Ickingerin ist auf einen der dubiosen Schlüsseldienste hereingefallen, die in der Region seit Monaten Kunden abzocken. Einschüchtern lassen hat sie sich nicht - und erzählt jetzt ihre Geschichte. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Carola Wallner (Name geändert) ist sauer. Und sie ist besorgt. Ergo möchte sie ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. Die Frau aus dem Nordlandkreis ist auf einen dieser dubiosen Schlüsseldienste hereingefallen, die in der Region seit Monaten Kunden abzocken. Allerdings hat sich Carola Wallner vom unverschämten Aufreten dieser Monteure nicht einschüchtern lassen. Sie zahlte nicht. Nun will sie lieber inkognito bleiben, „damit die mir aus Rache jetzt nicht die Wohnung ausräumen“. Reden aber möchte sie schon. „Damit andere Betroffene gewarnt sind“, sagt sie.

Carola Wallner ist in Eile, als ihr – sie draußen, die Schlüssel drinnen – die Hautür ins Schloss fällt. Wichtige Termine warten auf sie. Außerdem ist es kalt. Per Smartphone googelt sie im Internet rasch nach einem Schlüsseldienst und landet – die Suchmaschine führt ihn weit oben – bei einem Betrieb mit 0800er-Nummer. Die Homepage wirkt seriös, also ruft Wallner dort an. Den Preis, 20 Euro für die Anfahrt plus 195 Euro für die Arbeit handelt sie vorab aus. Wallner kommt das „um mindestens 100 Euro überteuert“ vor. „Aber gut“, sagt sie. „Es war meine Schusseligkeit, also muss ich Lehrgeld zahlen.“

Der eine Typ „macht auf Frauenversteher“

Wenig später tauchen zwei Männer auf. Der eine ein südländischer Typ. „Er macht auf Frauenversteher“, sagt Wallner. Der andere ist älter, fülliger, trägt Brille, Schnauzer. Ihr Auto – ein silbergrauer Golf Kombi ohne Firmenschilder mit Essener Kennzeichen, wie sich später herausstellt – haben die beiden ums Eck geparkt. Angeblich, weil das Navi die exakte Adresse nicht gefunden hat. „Blödsinn“, sagt Wallner, „die wollen nur nicht auffallen.“ Das Kennzeichen notiert sie sich, als sie den abrückenden Männern später hinterhergeht.

Der Südländer ist der Wortführer – und der Schrauber. Er öffnet die Tür, wechselt den Zylinder. Als er sein Werk fast beendet hat, schwadroniert er von einem extravaganten Schloss – und fordert plötzlich satte 1870 Euro. Die Täter sind offensichtlich gut geschult und clevere Beobachter: Sie schauen sich Wohnverhältnisse, Kleidung und sozialen Status genau an, registrieren das Auto vor dem Haus und taxieren danach den „Wert“ ihres Opfers.

Als sich Wallner weigert zu zahlen, versuchen die Männer den Kniff mit der Hausratversicherung. Die würde den Betrag übernehmen, keine Sorge, beteuern sie. Als Wallner sich auch darauf nicht einlässt, werden sie ungemütlich: Einer baut das neue Schloss wieder aus, der andere geht ihr hinterher. Denn Wallner hat inzwischen die Wohnung verlassen, wechselt die Straßenseite, weil dort Bauarbeiter beschäftigt sind. „Denen habe ich erzählt, dass diese beiden Typen mich zu erpressen versuchen. Doch das hat die nicht interessiert.“

Stecken immer dieselben Betrüger hinter der Masche? 

Eine Nachbarin, die auf ihrem Balkon steht, fragt Wallner, ob alles okay sei. Prompt bedrängt der Wortführer sie, nicht mit anderen Leuten zu reden. Auch dass Wallner nun telefoniert, schmeckt den Männern nicht. „Der eine hat versucht, mir mein Handy wegzunehmen.“ Erst als sie merken, dass sie keinen Erfolg mehr haben werden, ziehen die beiden ab.

Wallner hat Anzeige erstattet – wegen Diebstahls. Das Wucher-Duo nimmt nämlich auch Wallners altes Schloss mit. Und das war vermutlich sogar intakt, wie ihr Richard Geyer versichert habe. Der – seriöse – Schlosser bringt ihre Tür später in Ordnung. Er leidet selbst unter den Betrügern: Tippt man Schlüsseldienst Geyer Geretsried in die Browser-Suchleiste, spuckt Google exakt jene Seiten aus, auf denen auch Carola Wallner gelandet ist. Für sie „stecken hinter dieser kriminellen Masche immer dieselben Leute“. Ihr Rat an Menschen, die sich ausgesperrt haben: „Rücken Sie nicht vom ausgehandelten Betrag ab. Und holen Sie sich vor Ort Unterstützung – beispielsweise von Nachbarn.“

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