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Der Ickinger Wenzberg, benannt nach einem Nazi-Ehepaar, steht erneut in der Diskussion. 

„Extrablatt“ zum Thema Wenzberg

Änderung des Straßennamens rückt erneut in die Diskussion

Die Ickinger haben am Wochenende Post von Dr. Christoph Kessler zum Thema Wenzberg erhalten. In einem „Extrablatt“ appelliert er gemeinsam mit Dr. Maximilian Pick an alle politisch Verantwortlichen, den Straßennamen Wenzberg und den Namen der „Kinderkrippe am Wenzberg“ doch zu ändern, und zwar in „heute politisch korrekte Namen“.

Icking – „Wenn eine Straße, die den Namen eines alten Nazi-Ehepaares trägt, nicht geändert wird, zeigt dies, dass der Rechtsruck bis in unsere Gemeinde vorgedrungen ist“, schreibt der ehemalige Ickinger SPD-Vorsitzende Pick in dem Flyer, der an alle Haushalte verteilt wurde. Trotz des Gemeinderatsbeschlusses, dass der Wenzberg seinen Namen behalten soll, sehen die Verfasser das Thema weiterhin als „nicht befriedet“ an. Wie berichtet haben die Ickinger Räte im März, nach umfangreicher Recherche durch einen Arbeitskreis (AK) beschlossen, dass der Wenzberg auch künftig Wenzberg heißt. Die Ortsstraße, die den Namen des Architekten und NSDAP-Mitglieds Paul Wenz und dessen Familie trägt, soll eine Hinweistafel erhalten sowie einen QR-Code, über den Informationen abrufbar sind.

Lesen Sie auch: Namensgeber war NSDAP-Mitglied: Wenzberg bleibt Wenzberg

In dem „Extrablatt“ erheben die Verfasser schwere Vorwürfe. So sei die Diskussion bisher „eher verwaltungstechnisch, juristisch und historisch“ geführt worden. Eine politische Diskussion aus heutiger Sicht habe bisher nicht wirklich stattgefunden. „Die Ergebnisse des AK wurden lediglich verkündet, jedoch nicht weiter öffentlich erörtert und die interne Diskussion unter Verschluss gehalten.“

Die „verharmlosende Schlussfolgerung“ des AK, dass „das Ehepaar Wenz weder vor 1933 noch danach antisemitische oder rassistische Auffassungen“ vertrat, hält Kessler für nicht nachvollziehbar, für einen „Skandal“. Zur Begründung legt er gleich mehrere „Belege für nationalsozialistisches Gedankengut und antisemitische Auffassungen der Familie Wenz“ dar. Die geplanten QR-Codes wertet Kessler als ein „Verstecken“ der erklärenden Texte. Er appelliert an alle politisch Verantwortlichen, „sich zu revidieren“.

Dr. Christoph Kessler Konzertveranstalteraus Icking. Foto: archiv

Bürgermeisterin Margit Menrad sieht die Verteilung des „Extrablatt“ gelassen: „Es ist üblich in einer Demokratie, dass nicht alle der gleichen Meinung sind.“ Der AK habe sich intensiv mit dem Thema befasst und die Beschlussempfehlung an den Gemeinderat gegeben. Die Räte seien dem Fazit des AK mit ihrem Beschluss (bei einer Gegenstimme) gefolgt. „Es gibt keine neuen Erkenntnisse, weshalb das Thema dem Gemeinderat nochmal vorgelegt werden müsste“, betont die Rathauschefin. Für sinnvoll erachtet hätte sie es allerdings, wenn in der Bürgerversammlung kürzlich von den Verfassern des Flyers ein Antrag gestellt worden wäre, über den die Bürger dann hätten abstimmen können.

yvi

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