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Dass Geothermie-Projekte eine beachtliche Größe haben, kann man an verschiedenen Stellen im Oberland deutlich sehen, etwa in Holzkirchen.

Geplante Geothermie

Attenhauser wollen einen Kompromiss

Icking - Die Bürger von Attenhausen wollen die Geothermiezentrale am Rande der Autobahn nicht einfach verhindern. Stattdessen haben sie eine neue Variante entwickelt, die vorsieht, dass die Anlage zum Teil im Wald verschwindet. Am Montag beriet der Gemeinderat über den Vorschlag.

Der Plan der Attenhauser stellt einen Kompromiss dar, und zwar zwischen der Platzierung auf freier Flur (wie vom Antragsteller Erdwärme Bayern gewünscht) und einem Standort im Wald (wie vom Planer vorgeschlagen). Letzteres hatte die Unteren Naturschutzbehörde bereits kritisch bewertet. Geht es nach den Wünschen der Bürger, soll die Anlage nun teilweise im Wald und teilweise auf Feldfläche errichtet werden.

Uwe Feickert vom Umweltplanungsbüro U-Plan konnte dem Vorschlag viel abgewinnen. „Das hat den Vorteil, dass nur etwa 1,3 Hektar Wald gerodet werden müssten. Bei der reinen Waldvariante wären es etwa 2,2 Hektar gewesen“, sagte er. Möglich sei diese neue Variante geworden, weil private Grundstücksbesitzer bereit sind, die erforderlichen Flächen zur Verfügung zu stellen. „Das war bisher nicht der Fall, schafft eine neue Planungssituation an der Gemeindegrenze von Icking und Berg“, so Feickert.

Bürgermeisterin Margit Menrad lobte den Vorstoß: „Die Attenhauser haben sich zielgerichtet eingebracht“, sagte sie. „Ich finde es toll, was an Vorschlägen aus Attenhausen kommt.“ Ob die Variante Grundlage für den aufzustellenden Bebauungsplan werden kann, sei allerdings unsicher. Warum – das erläuterte Feickert: „Wir müssen mit dem Betreiber sprechen, ob diese Variante technisch machbar ist“, erklärte er. Außerdem würden Bedenken des Forstes und der Fachbehörden nicht ausgeräumt, weil Waldflächen gerodet werden müssten. „Der Schutz des Waldes ist gesetzlich festgeschrieben und ein hohes Gut.“

Diese Hinweise konnte Verena Reithmann (UBI) ganz und gar nicht nachvollziehen. „Ich bin fassungslos, dass der Verbrauch der Landschaft keine Rolle spielt, wohl aber der Wald. Hier wird uns etwas hingestellt von der Größe des Walchenseekraftwerkes“, sagte sie. „Wer das bauen will, muss mitspielen. Wir wollen unsere Landschaft schützen.“ Georg Linsinger (UBI) verwies darauf, dass den Attenhauser das Projekt „von außen aufgezwängt“ wird. Der Wunsch, es in den Wald zu verlegen, sei sehr verständlich: „So könnten die etwa zehn Meter hohen Bauten und die zwölf Meter hohen Lüftertürme nicht gesehen werden.“ Einen guten Kompromiss nannte Elisabeth Höflich-Häberlein (Die Grünen) den Vorschlag der Bürger: „Dadurch verschwindet die Anlage teilweise im Wald, aber es muss weniger gerodet werden.“ Möglicherweise könnte auf diese Weise sogar auf Wälle als Sichtschutz verzichtet werden.

Befürchtungen der Bürger, dass der Lärm der Anlage die Lebensqualität beeinträchtigen würde, räumte der Fachgutachter Immissionsschutz, Christian Eulitz, aus: „Der Betreiber plant, die Anlage einzuhausen und sieht eine entsprechende Dämmung als Lärmschutz vor“, sagte er. „Da ist draußen fast gar nichts mehr zu hören.“ Um sicher zu gehen, müsse diese Vorgabe im Bebauungsplan als Auflage festgeschrieben werden. Dann seien aus der Sicht des Lärmschutzes nicht einmal Wälle notwendig.

Planer Feickert soll nun nach dem Willen des Gemeinderats einen genauen Plan auf Basis der Vorschläge aus Attenhausen ausarbeiten und dem Gremium vorlegen. Ziel solle es auch sein, die Bevölkerung möglichst wenig zu beeinträchtigen. Danach sollen die weiteren Schritte beraten werden, möglichst noch in der nächsten Sitzung im Februar. „Die Zeit läuft uns sonst davon“, warnte die Bürgermeisterin.

Wie berichtet strebt die Erdwärme Bayern den Baubeginn für das Geothermie-Kraftwerk im Jahr 2020 an. Bis dahin müssen allerdings noch die Probebohrungen durchgeführt werden.

(Siggi Niedergesäss)

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