+
Ohne Fleiß kein Preis: Jeden Mittwochabend probt das Vokal-Ensemble in der Aula der Ickinger Grundschule. Der Chor zählt rund 60 aktive Mitglieder.

„Ich war schwer beeindruckt“

Ickinger Vokal-Ensemble-Chef im Interview: Darum ist unser Chor ein Wunder

  • schließen

Das Vokal-Ensemble Icking gibt es sei 25 Jahren. Die 60 Mitglieder bilden  keinen gewöhnlichen Chor. Dirigent Peter Francesco Marino erklärt im Interview, warum das Ensemble ein Wunder ist.

Icking – Peter Francesco Marino (49) spult ein beachtliches Pensum ab. Der vierfache Vater wohnt in der Gemeinde Eichenau (Landkreis Fürstenfeldbruck), arbeitet an der Musikschule in Garching, ist Ensemblemitglied beim Freien Landestheater Bayern, hat insgesamt an die 100 Werke komponiert – und führt außerdem das Vokal-Ensemble Icking seit 2011 mit glücklicher Hand von einer bemerkenswerten Aufführung zur nächsten. An diesem Samstag, 10. März, gibt der Chor zu seinem 25-jährigen Bestehen ein Jubiläumskonzert in der Ickinger Auferstehungskirche. Ab 18 Uhr sind Werke von Bach und Tschaikowsky zu hören.

Herr Marino, was ist das Besondere am Vokal-Ensemble Icking?

Peter Francesco Marino leitet das Ickinger Vokal-Ensemble.

Peter Francesco Marino: Es ist eigentlich ein Wunder, dass es das Ensemble überhaupt gibt. Es überrascht, dass aus einer relativ kleinen Gemeinde ein derart großer Chor erwächst. Wir haben um die 60 aktiven Mitglieder, nur wenige kommen aus dem weiteren Umkreis. Icking ist in der Tat eine sehr, sehr musikalische Gemeinde.

Wie oft proben Sie?

Peter Francesco Marino: Im Normalfall einmal die Woche in der Aula der Ickinger Grundschule, immer am Mittwoch von 19.45 bis 22 Uhr. Vor besonderen Konzerten wie jetzt am 10. März kommen außerordentliche Proben hinzu, manchmal auch ganze Wochenenden.

Wie sind Sie zum Vokal-Ensemble Icking gekommen?

Peter Francesco Marino: Ich habe in Hannover gelebt und wollte nach München umziehen. Zufällig habe ich erfahren, dass in Icking ein Dirigent gesucht wird. Eigentlich war man mit den Bewerbungen schon durch, hatte aber noch keine Gespräche geführt. Gott sei Dank konnte ich die Verantwortlichen überzeugen, mir eine Chance zu geben. So wurde ich zu einem Probedirigat eingeladen.

Können Sie sich an diese Probe erinnern? Was wurde gesungen?

Peter Francesco Marino: Es wurde die Johannes-Passion von Bach vorgegeben, die der Chor gerade aufgeführt hatte. Ich kann nur sagen: Ich war schwer beeindruckt. Die Erfahrung habe ich immer wieder gemacht: Das Ickinger Vokal-Ensemble ist für Bach prädestiniert. Ich war sehr stolz und glücklich, die Stelle zu bekommen. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass es nicht ganz einfach werden würde, die Zelte in Hannover abzubrechen und in München wieder aufzubauen. Ich bin ein Jahr hin- und hergependelt.

Gibt es eine Aufführung, an die Sie besonders gerne zurückdenken?

Peter Francesco Marino: Die Matthäuspassion vor zwei Jahren in St. Benedikt in Ebenhausen war schon etwas Besonderes. Mit der Matthäuspassion greift man als Laienchor natürlich relativ hoch, es ist ein extrem anspruchsvolles Werk, bei dem man sich im Vorfeld fragen muss: Können wir das dem Publikum guten Gewissens anbieten? Doch es ist alles bestens gelaufen, auch dank des zweiten Chors, dem Heinrich-Schütz Ensemble aus Freising, und dem Tölzer Knabenchor. Einmal probten wir vor Weihnachten a-capella-Werke. In den Proben hat es den Anschein gemacht, als wolle gar nichts klappen. Dann, kurz vor der Aufführung, sind plötzlich alle Knoten geplatzt. Das Konzert war dann ganz wunderbar und ein starkes Erlebnis für alle Beteiligten. Es ist immer toll, wenn eine intensive Verbindung zwischen Dirigent und Chor entsteht, wenn man merkt: Jetzt sind alle dabei.

Wie würden Sie sich selbst als Dirigenten beschreiben?

Peter Francesco Marino: Ich glaube, ich bin eher der ruhige, stressresistente Typ. Ich bin auch bei Schwierigkeiten überzeugt: Das wird schon, das wird wachsen, das wird gelingen.

Gibt es im Chor auch professionelle Aushilfen?

Peter Francesco Marino: Natürlich kann man sich Aushilfen holen, der Wunsch wird auch manchmal geäußert. Ich bin da skeptisch. Ich finde: Der Chor ist der Chor, und man sollte zu dem stehen, was man macht. Das Publikum kommt ja zu uns, weil wir das Ickinger Vokal-Ensemble sind, und nicht, weil wir Lieblingswerke in bestmöglicher Qualität bieten. Wir leben in so einem perfektionistischen Zeitalter, alles wird an der CD gemessen. Manchmal kommen die Leute und sagen: So wie bei Celibidache muss das klingen. Aber Celibidache hat allein mit dem Orchester mindestens zehn Proben gehabt, und danach fünf Aufführungen, und davon wiederum ist die letzte mitgeschnitten worden. Das kann und sollte man nicht vergleichen.

Was erwartet die Zuhörer beim Jubiläumskonzert?

Peter Francesco Marino: Auf dem Programm stehen zwei Bach-Stücke, zunächst die Motette „Jesu, meine Freude“, dann die Suite Nummer 5 für Cell solo, und dann, als Höhepunkt, die Chrysostomos-Liturgie von Tschaikowsky. Es ist ein in Deutschland weniger bekanntes Werk, archaisch, mittelalterlich, orthodox, wunderschön. Überhaupt liebe ich die russische Musik sehr. Tschaikwosky und Rachmaninow haben Stücke geschrieben, in denen sie kein einziges zusätzliches Vorzeichen verwenden. Sie kommen mit den sieben Tönen in der jeweiligen Tonart aus, und es klingt trotzdem harmonisch reich und einzigartig. Das finde ich faszinierend.

Wenn Sie sich etwas für die Zukunft wünschen dürften, wäre das...

Peter Francesco Marino: ... sehr bald Verstärkung bei den Männern. Das ist freilich kein Ickinger Phänomen, sondern ein allgemeines, das jeder Chor kennt. Wir haben zwar einige gute Sänger, aber leider Gottes zu wenige. Ich träume schon lange von der f-Moll-Messe von Bruckner. Aber da fehlen schlicht und ergreifend zehn Tenöre und zehn Bässe.

vu

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Hochwasser“ von Günther Frühmorgen: 3. Teil um Chefermittler Meiller erscheint
Wer’s bairisch mag und die Musik der 1970er liebt, wird Spaß mit Günther Frühmorgens Roman „Hochwasser“ haben. Der Ambacher Autor hat den dritten Teil nun veröffentlicht.
„Hochwasser“ von Günther Frühmorgen: 3. Teil um Chefermittler Meiller erscheint
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Weil er zu schnell in eine Baustelle gefahren ist, ist ein Südkoreaner auf der A 95 in die Mittelleitplanke gekracht und hat dadurch einen Unfall und eine Sperrung …
Südkoreaner rast mit geliehenem Sportwagen über A95 und kracht neun Mal in Mittelleitplanke
Das haben die HSG-Isar-Loisach-Handballer mit dem neuen ZDF-Krimi zu tun 
Das Warten hat ein Ende: Der Krimi „Der Polizist und das Mädchen“ ist am Montag, 24. September, im ZDF zu sehen - mit dabei waren auch Handballer der HSG Isar-Loisach.
Das haben die HSG-Isar-Loisach-Handballer mit dem neuen ZDF-Krimi zu tun 
Nicht nur neues Dach: Stadt investiert weiter in Geretsrieder Eisstadion
Die Stadt investiert weiter ins Geretsrieder Eisstadion. Es bekommt nicht nur ein neues Dach, sondern noch mehr - dafür wird die Tribüne jedoch teilweise entfernt.
Nicht nur neues Dach: Stadt investiert weiter in Geretsrieder Eisstadion

Kommentare