„Ich könnt’ mir nichts Schöneres vorstellen“: Junge Landwirte erzählen, was sie täglich antreibt
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Landluft statt Bürojob: Veronika Walser wird einmal den Betrieb ihrer Eltern in Beuerberg übernehmen.

Zum Weltbauerntag am 1. Juni:

„Ich könnt’ mir nichts Schöneres vorstellen“: Junge Landwirte erzählen, was sie täglich antreibt

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Landwirt – unbestritten ein täglicher Knochenjob. Trotzdem gibt es junge Menschen, die sich bewusst für diesen Beruf entscheiden. Was genau treibt sie an? Anlässlich des Weltbauerntags am 1. Juni werfen wir einen Blick in die heimischen Betriebe.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Die Arbeit mit den Tieren und draußen auf den Feldern, die großen Maschinen – ich könnt’ mir echt nichts Schöneres vorstellen“: Wenn der 27-jährige Franz Grenzebach von seinem Beruf als Landwirt erzählt, gerät er schnell ins Schwärmen. Der Milchviehbetrieb seiner Eltern in Weipertshausen (Gemeinde Münsing) hat ihn von klein auf fasziniert. „Schon als Bub hab’ ich immer gesagt: Wenn ich mal groß bin, mag ich das Gleiche machen wie der Papa“, erzählt der Landwirt und lacht. Sein Wunsch wurde Wirklichkeit: Heute bewirtschaftet der junge Mann gemeinsam mit den Eltern den 50 Hektar großen Hof. Nicht mehr lange, dann wird er den Betrieb übernehmen.

Bei der Stallarbeit: Jungbauer Franz Grenzebach aus Weipertshausen.

„Wenn ich sehe, was ich mit meinen Händen alles schaffen kann - das ist einfach motivierend“

„Wenn ich sehe, was ich mit meinen eigenen Händen alles schaffen kann – das ist einfach motivierend. Und treibt einen jeden Tag aufs Neue an“, berichtet Grenzebach. Für dieses Ergebnis schuftet er hart: Jeden Morgen um 6 Uhr beginnt die Stallarbeit, gegen 18.30 ist Feierabend. Eigentlich. Denn Kühe halten sich nicht an feste Arbeitszeiten. „Die kalben auch mitten in der Nacht oder an Weihnachten.“ Grenzebach muss folglich immer erreichbar sein. Etwa spontan wie andere Gleichaltrige in den Urlaub zu fahren, ist da schwierig. „Klar stört mich das, aber dafür schätze ich an meinem Beruf andere Dinge“, stellt der junge Landwirt fest. Ist er zeitig mit der Feldarbeit fertig, „habe ich auch mal die Möglichkeit, mir spontan unter der Woche ein bisschen Freiraum zu schaffen“. Trotzdem sieht Franz Grenzebach gerade in der fehlenden Flexibilität einen Grund, weshalb immer weniger junge Leute Landwirt werden.

Für das Höfesterben sieht der 27-Jährige in erster Linie eine Ursache: „Unsere Arbeit wird von der Gesellschaft nicht mehr so wertgeschätzt wie früher.“ Wo die Produkte aus dem Supermarkt herkommen und welche Arbeit dahintersteckt, dazu hätten viele Verbraucher längst keinen Bezug mehr. „Genau das müssen wir wieder ändern.“

„Die Kühe geben einem so viel zurück. Allein dafür lohnt sich die harte Arbeit“

Gute zwölf Kilometer von Weipertshofen entfernt beginnt für Ruth-Maria Frech (29) in Irschenhausen (Gemeinde Icking) jeden Morgen gegen 5.15 der Tag – beim Melken im Stall. Gerade die Tiere sind der Jungbäuerin besonders wichtig. „Die geben einem so viel zurück. Wenn ich mit den Kühen gut umgehe, tun sie das auch mit mir. Allein dafür lohnt sich die harte Arbeit.“ Der 45 Hektar große Hof mit den 50 Kühen lebt hauptsächlich von Milcherzeugung. Nach ihrem Landwirtschaftsstudium in Weihenstephan übernahm Frech 2017 den Betrieb ihrer Eltern.

Was die Zukunft den Landwirten bringt? Darüber ist sich Frech ungewiss. Eines weiß sie dafür ganz genau: „Auf dem Hof habe ich die schönste Kindheit verbracht, die man sich vorstellen kann. Genau das möchte ich auch der nächsten Generation ermöglichen.“

Landwirtin aus Leidenschaft: Ihre Kühe bedeuten Ruth-Maria Frech sehr viel.

Ganz am Anfang ihrer landwirtschaftlichen Karriere steht die 18-jährige Veronika Walser aus Beuerberg. Auch sie ist auf dem Milchviehbetrieb der Eltern aufgewachsen. „Meine Mutter hat mich schon im Kinderwagen immer mit in den Stall genommen“, erzählt Walser. Zur Zeit befindet sie sich im ersten Lehrjahr ihrer Landwirtsausbildung. Unter der Woche arbeitet sie in einem Betrieb in Augsburg. Am Wochenende zieht es sie heim auf den elterlichen Hof. „Was ich an dem Beruf wahnsinnig genieße, ist das Beisammensein mit der Familie“, schwärmt Walser. Früher oder später will sie den Betrieb übernehmen. „Aber meine Eltern sind noch jung, deswegen werde ich nach der Ausbildung ein paar Jahre woanders Erfahrungen sammeln.“

„Was ist an dem Beruf wahnsinnig genieße, ist das Beisammensein mit der Familie“

Für die Beuerbergerin steht fest: „Den Hof werde ich nicht genauso wie meine Eltern weiterführen können.“ Eine reine Milchwirtschaft reiche mittelfristig nicht zum Überleben. „Vielleicht öffne ich zusätzlich einen Hofladen und verkaufe noch Fleisch und Gemüse.“ Dass das vermutlich kein Zuckerschlecken wird, weiß die 18-Jährige. „Aber wenn wir Jungen aufgeben, gibt’s 2050 ja gar keine Betriebe mehr. Dafür müssen wir jetzt einfach kämpfen.“

kof

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