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Ein schönes Paar: „Moritzia die Boanige“ (Moritz Jäkl-Caprano) und „Marianus der Gschdumpade“ (Maria Schlickenrieder) gingen den Bund für’s Leben ein.

Bettelhochzeit in Dorfen

Romantische Hochzeit auf dem Misthaufen

Icking - Eine Riesengaudi für 200 Gäste war am Sonntag die Bettelhochzeit in Dorfen. Dem Bräutigam fiel es sichtlich schwer, das Ja-Wort zu geben. Und das, obwohl die Ehe am Aschermittwoch schon wieder Vergangenheit ist. 

Papamobil und Stretchlimousine: Der Burschenverein Dorfen hat keine Mühen gescheut, um dem ehrwürdigen Brautpaar „Moritzia die Boanige von und zum Klopfer zu Attenhausen, Hoizwuamdrazerin und Howeschoatnschongglöse dahier“ (Moritz Jäkl-Caprano) und ihrem Bräutigam „Marianus der Gschdumpade vom Klouschtermoarsaache, Pflanzlstecha und Daxnbinder dahier“ (Maria Schlickenrieder) erstmalig eine griabige Bettelhochzeit auszurichten. Entstanden ist die Idee dafür vor gut einem Jahr. Rund 200 Gäste, inklusive den „zahllosen unehelichen Kindern, der buckligen Verwandtschaft und laut jammernden Verflossenen“ folgten dem Brautpaar gegen 11.11 Uhr zum Misthaufen am Sonnenweg 1. „Das Paar arbeitet an sich“, verkündete der Pfarrer (Jakob „Schobi“ Baumgartner) lauthals, „der Bräutigam beispielsweise strebt immer nach Höherem und geht deshalb auf die Alm, um seinen Horizont zu erweitern.“ Kein Wunder also, dass die liebliche Braut ihr „Jawohl“-Wort mit fester Stimme verkündet.

Was, wenn die Liebste offene Füße kriegt?

Der Bräutigam eher nicht, wohl deshalb, weil der Pfarrer ihm einen Ausblick auf die gesundheitliche Zukunft seiner Angetrauten gab: „Wirst du sie auch lieben, wenn sie offene Füße bekommt?“ Doch ein Jawohl ist ein Jawohl, und so wurde die „heuchlerische Liebe und Ehe, die eh bloß bis zum Aschermittwoch hält“ (Baumgartner) besiegelt. Fehlten nur noch die Fürbitten. „Wir bitten darum, dass der Staat ihnen das Hartz IV nicht streicht...“ „Da samma dafür!“ antwortete das Publikum johlend im Chor. Im Anschluss an die Trauung zog die ganze Gesellschaft inklusive Blaskapelle und Chorwagen weiter zum „Schlicke“ in Dorfen, um hier mit „einer feierlichen Feier gebührend zu feiern.“ Und natürlich in der Hoffnung, dass sich die zuletzt ausgesprochene Fürbitte sich erfüllen möge: „Wir bitten darum, dass uns kein greisliger Tischnachbar gegenüber hockt, und die Musi ned ganz so falsch spuit...“ Sabine Hermsdorf

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