Nachruf

Bis zum Schluss ein wacher, kritischer Geist: Zum Tod des Ickingers Dr. Max Platiel

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Der Landkreis hat einen passionierten Mediziner und bis zum Schluss wachen, kritischen Geist verloren. Am 24. August starb der Ickinger Dr. Max Platiel im Alter von 96 Jahren.

Icking – „Er war einer der ganz wichtigen Zeitzeugen in der Region, und das nicht nur wegen seines hohen Alters“, sagt Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins Wolfratshausen und des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald. In beiden Organisationen war der Verstorbene Mitglied. Krafft schätzte an Platiel vor allem dessen messerscharfen Verstand: „Er war ein sehr differenziert denkender Mensch.“

Max Platiel entstammte einer Medizinerfamilie. Sein Vater Josef praktizierte in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als überaus beliebter Hausarzt in Wolfratshausen und Umgebung. Später übernahm der Sohn, Max’ Bruder Anton, die Praxis. Auch Max Platiel selbst studierte Medizin, arbeitete später am Harlachinger Krankenhaus.

Die eigene Familiengeschichte skizzierte Platiel in einem Beitrag für das 2014 vom Historischen Verein herausgegebene Buch „Ärzte, Hexen, Handaufleger – Medizingeschichte im Isar- und Loisachtal“. Darin schilderte er äußerst amüsant die Erlebnisse eines Wolfratshauser Landarztes, nämlich die seines Vaters Josef. Ihn hatte der Filius in jungen Jahren öfters auf Hausbesuche begleiten dürfen. Zwar hätte das gelegentlich auch eines seiner vier Geschwister getan, schrieb Max Platiel in seinem Essay, „aber ich war zweifellos der passionierteste Mitfahrer“. Die Nähe zum Papa – einem „liebevollen, aber recht schweigsamen Mann“ empfand der Sohnemann, „auch eher ein bisschen schweigsam“ – als „schön“. „So wurde er ein Zeitzeuge der Medizingeschichte Wolfratshausens“, sagt Sybille Krafft, „und er hat seine Erlebnisse ungemein lebendig und anschaulich erzählt.“ Ob nun aus den Fenstern hängende rote Fahnen das damals kaum verbreitete Telefon als Notrufsignal vertraten, oder ob Bäuerinnen auf den Hausbesuchen das „etwas dürre Bürscherl“ Max mit Schmalznudeln versorgten – Platiel kannte viele Anekdoten und wusste sie launig zu verpacken.

Dr. Max Platiel starb im Altervon 96 Jahren.

Doch die Jugendzeit war nicht immer unbeschwert. Als nicht linientreuer Arzt hatte Josef Platiel im Dritten Reich bisweilen mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dem Junior, inzwischen ein Teenager, blieb das nicht verborgen. Diese Erfahrungen hätten Max Platiel „sensibilisiert“ für die grausamen Geschehnisse während der Nazi-Zeit, sagt Sybille Krafft. Seinen kritischen Blick auf Unrecht und Verblendung hat sich der Ickinger immer bewahrt.

Aus diesem Grund ließ er es sich – obwohl von Krankheit und Alter gezeichnet – nicht nehmen, im Juni in Icking der feierlichen Umwidmung des Rosenfeldwegs in Else-Rosenfeld-Weg beizuwohnen. Die Sozialarbeiterin Else Rosenfeld war eine Verfolgte des NS-Regimes – und eine frühere Weggefährtin Platiels

peb

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