+
Brachland auf fünf Hektar: Im Wald der Ickinger Familie Pischeltsrieder wütete der Borkenkäfer massiv. 

Schlimmster Fall bisher - doch wohl nicht letzter

Borkenkäfer zerstört riesiges Waldgebiet bei Icking - und das ist vielleicht erst der Anfang

  • schließen

Der Borkenkäfer wütet im Oberland: An der Wadlhauser Straße bei Icking liegt der halbe Wald von Familie Pischeltsrieder am Boden. Ein schlimmer Verlust - und vielleicht erst der Anfang.

Icking „Das war eigentlich die Zukunft meiner Söhne“, sagt Hans Pischeltsrieder und deutet auf das unfassbare Ausmaß des Käferbefalls: Rund 20 Tagwerk, etwa fünf Hektar Fichtenwald, sind betroffen. Die schriftliche Aufforderung des Forstamts, die betroffene Waldfläche zeitnah abzutragen und fachgerecht zu entsorgen, traf den vierfachen Vater wie ein Schlag ins Genick. Bereits im vergangenen Jahr war ein Großteil seiner Nadelhölzer am Boden gelegen. Und noch ist kein Ende der Misere in Sicht.

„Eigentlich war der Wald gar nicht ausgereift,“ erklärt der Ickinger Land- und Forstwirt und bemüht sich im Gespräch mit unserer Zeitung um Haltung. „Man rechnet immer mit etwa vier Generationen, bis ein Waldgebiet genutzt werden kann.“ Jetzt seien in einem Gebiet 90 Jahre, in dem anderen 40 Jahre Arbeit ruiniert. Die betroffenen Bäume sind mit einem roten „K“ für Käfer markiert. Ein Großteil liegt bereits gestapelt am Wegrand und wartet auf den Abtransport.

Für Fällung und fachgerechte Entsorgung ist der Forstwirt verantwortlich. Auch den wirtschaftlichen Schaden trägt er ganz allein. Der Holzmarkt liegt für befallene Hölzer ähnlich darnieder wie die Fichten selbst. Pischeltsrieder: „Sonst gab’s etwa 110 Euro pro Ster Holz, jetzt bin ich froh, wenn ich 50 Euro bekomme.“ Damit könne er kaum kostendeckend arbeiten. „Für meinen Teil war’s das jetzt mit der Fichte“, zieht der 57-Jährige ernüchtert Bilanz.

Er hat aber auch beobachtet, dass seit einigen Jahren auch Eschen und noch länger Ulmen in den heimischen Wäldern leiden. Die Einfuhr von exotischen Bäumen für Privatgärten sieht der Forst- und Landwirt aber kritisch: „Man muss sich fragen, ob das alles sein muss. Vor allem, wenn man sieht, welche Viecherl und Krankheiten damit eingeschleppt werden.“ Direkt vorbeugen könne man dem Borkenkäferbefall laut Hans Pischeltsrieder nicht. Es sei jedoch wichtig, „das Totholz rechtzeitig zu entfernen. Mehr kann man leider nicht tun.“

Die Rodung der befallenen Waldfläche und Entsorgung des Holzes steht unter Aufsicht des Forstamts. Für die Aufforstung stehen immerhin Fördergelder bereit. Pischeltsrieders Mutter Therese winkt resigniert ab: „Das wird sicher nicht viel geben.“ Sie hatte gemeinsam mit ihrem Mann vor 40 Jahren das Waldgebiet angepflanzt. Jetzt bricht es ihr fast das Herz: „Ich mag gar nicht mehr hinschauen. Vor fünf Jahren habe ich noch gedacht, es steht alles so gut. Jetzt muss es nur noch wachsen. Und dann das.“

Einen Teil der betroffenen Waldfläche hat Hans Pischeltsrieder schon wieder aufgeforstet – mit Tannen, Douglasien und Laubbäumen. Am Straßenrand entlang habe er sogar ein paar Kirschbäume gepflanzt. Therese Pischetsrieder: „Die blühen so schön und sind ja dann auch gut für die Vögel und Bienen.“ Die Enkel und Urenkel werden es ihnen in den kommenden Jahrzehnten danken.

ina

Revierförster: Vielleicht nur Vorbote auf das, was noch kommt

Der Borkenkäfer-Schaden im Wald der Ickinger Familie Pischeltsrieder auf gleich fünf Hektar ist im Zuständigkeitsbereich von Revierförster Robert Nörr „der bisher größte Fall“ – womöglich aber nur ein Vorbote dessen, was uns noch droht. Die Wurzel allen Übels reicht drei Jahre zurück: 2015 wütete Orkan Niklas über Europa und sorgte auch im Landkreis mit Massen an Bruchholz für die Leibspeise des Schädlings und in der Folge beste Vermehrungsgrundlagen. 

„Als es dann 2017 sehr warm und trocken war, konnten gleich drei Generationen des Käfers schwärmen“, sagt Nörr. Heuer kamen die Insekten wegen der späten Februarkälte zwar etwas langsamer in die Puschen. Dafür sind sie jetzt, weil es bereits wieder sehr warm und trocken ist, massiv geschwärmt. Und das, sagt Nörr, „zeigt sich aktuell in Icking an diesem deutlich sichtbaren Befall, leider auch von stehenden, lebenden Fichten“. 

Den Massen, in denen der Käfer auftritt, sind nicht nur anfällige, weil dehydrierte, sondern selbst gesunde Fichten kaum gewachsen. „Einzelne Käfer, die sich gerade versuchen einzubohren, kann ein gesunder Baum mit abgesonderten Harz verkleben und damit töten“, sagt der Revierförster. Schafft es der Schädling jedoch, zwischen Rinde und Holz seine ersten Gänge zu bohren, sendet er Duftstoffe aus. Die signalisieren seinen Artgenossen Nahrung: Hier gibt’s Futter. Der Invasion ist Tür und Tor geöffnet. Robert Nörr appelliert an alle Waldbauern und -besitzer, ihre Bestände „mindestens einmal in der Woche ganz konsequent zu kontrollieren“. Sind an den Fichten Harztropfen oder gar Bohrmehl zu sehen, „müssen die befallenen Bäume schleunigst raus aus dem Wald“.

peb

Lesen Sie auch: Oberbayern droht ein Borkenkäfer-Desaster

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mit diesen Gags begeistert Wortakrobat  Willy Astor in Geretsried
Wortakrobat Willy Astor begeisterte vor ausverkauftem Haus auf dem Geretsrieder Kulturherbst. Manche Gags waren für Fortgeschrittene.
Mit diesen Gags begeistert Wortakrobat  Willy Astor in Geretsried
Schulsozialarbeit an Realschulen: Werden die Vorbildlichen vom Staat bestraft?
Jugendsozialarbeit an Schulen, kurz JAS, ist im Landkreis ein Erfolgsmodell. Das niederschwellige Angebot erreicht viele Kinder und Jugendliche. Doch an den Realschule …
Schulsozialarbeit an Realschulen: Werden die Vorbildlichen vom Staat bestraft?
Eglinger verkauft Marihuana auf Schülerparty – und bereut es anschließend
Es sollte der erste Joint ihres Lebens werden. Aber der erhoffte Spaß ging gründlich daneben. Noch bevor die Schülerin ihren ersten Drogenrausch haben konnte, platzte …
Eglinger verkauft Marihuana auf Schülerparty – und bereut es anschließend
Unfall auf B11 bei Geretsried: Zwei Fahrerinnen verletzt
Bei einem Unfall auf B11 wurden am Montagvormittag zwei Frauen verletzt. Der Zusammenstoß sorgte für erhebliche Verkehrsbehinderungen in Geretsried. 
Unfall auf B11 bei Geretsried: Zwei Fahrerinnen verletzt

Kommentare