Dr. Georg Linsinger mit der ehemaligen Bürgermeisterin Margit Menrad.
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Vorreiter: Dr. Georg Linsinger (hier mit der ehemaligen Bürgermeisterin Margit Menrad) erhielt 2017 als Vertreter der Breitbandinitiative Icking in der Kategorie „Alltagshelden“ den Bürgerpreis der Sparkasse unter dem Motto „Vorausschauend engagiert: real, digital, kommunal“.

Surfen statt stottern

Dank frühzeitiger Planung hat Icking via Glasfaser ein schnelles Internet

  • Bettina Sewald
    vonBettina Sewald
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Die Gemeinde Icking hat rechtzeitig einen Anschluss ans Glasfasernetz auf den Weg gebracht. Darüber ist man in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling froh.

  • Vorbereitung und Ausschreibung für einen Anschluss ans Glasfasernetz dauerten Jahre
  • Aber 2015 war es soweit, und die Gemeinde Icking stellte einen Antrag auf Förderung
  • Seit März 2020 ist das Projekt „Glasfaser“ abgeschlossen, und 1014 Haushalte sind beteiligt

Icking – In Zeiten von Homeoffice und Homeschooling ist man um jedes Problem dankbar, dass gar nicht erst auftaucht. Schnelles Internet ist in vielen Gemeinden nicht selbstverständlich. Deshalb ist man in Icking rückblickend froh, dass die Gemeinde rechtzeitig den Glasfaseranschluss auf den Weg gebracht hat. Gemeinderat Dr. Georg Linsinger, damals Gründer und Kopf der „Breitbandinitiative Icking“, erinnert sich: „Das damals zweite Förderprogramm des Freistaats war sehr kompliziert und hätte nur zu einer technischen Zwischenlösung geführt. In die Alternativen für Icking haben wir uns da richtig reinfuchsen müssen.“

2013 fing alles mit einem Vortrag an

Nachdem er sich intensiv in das Thema eingearbeitet hatte, hielt er initial für seine Bürgerinitiative Ende 2013 im Ickinger Gymnasium seinen ersten Vortrag: „Das war schon aufregend. 25 Jahre nachdem ich als Schüler dort weg war und vor so vielen Leuten inklusive einigen Mitgliedern aus dem Gemeinderat.“ Er habe anfangs viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, sei mit seinen Unterstützern die ganzen Straßen abgelaufen und habe „Klinken putzen müssen“.

Möglichst alle mit Glasfaser versorgen

Mit Erfolg. Auch wenn die Vorbereitung und Ausschreibung einige Jahre dauern sollte. Im Dezember 2015 konnte der Förderantrag gestellt werden. Die angestrebten „700 für Icking“-Haushalte, die vorab Verträge mit KabelDeutschland/Vodafone abschließen mussten, um das Projekt realisieren zu können, waren schnell gefunden. Es waren nach dem Stichtag über 900. „Unser Ziel war es, dass nicht nur in den Hotspots von Icking die Haushalte mit Glasfaser versorgt werden, sondern möglichst alle“, erklärt Linsinger. Wichtig sei gewesen, damit ein attraktives Angebot für Gewerbetreibende und Solo-Selbstständige zu schaffen, die beruflich das Internet nutzen. So wie beispielsweise die Ickinger Web-Designerin Karin Reheis, die ihr Büro zu Hause hat. Sie ist um das schnelle Internet dankbar: „Ich muss regelmäßig große Datenmengen oder Bilddateien verschicken. Wenn dann noch die Kinder daheim am PC Unterricht beziehungsweise Vorlesung haben, könnte ich sonst vermutlich einpacken.“

1014 Haushalte sind beteiligt

Abgeschlossen ist das Projekt „Glasfaser“ im Grunde seit Ende März 2020. Insgesamt haben sich inzwischen 1014 Haushalte beteiligt. Es gebe nur ein paar wenige, sehr komplizierte Fälle, die nicht ganz fertig abgeschlossen sind. „Aber das sind keine fünf Haushalte, ansonsten sind wir superzufrieden“, betont Linsinger. Ausgerechnet der selbstständige Berater, von der Ausbildung Mikrobiologe, hat seinen Anschluss erst November 2019 als einer der letzten bekommen. Falsch geplant? Der 53-jährige lacht: „Nein. Das war schon okay. Ich habe das Projekt zwar angeschoben, aber die Ausführung hat die Kommune in Zusammenarbeit mit Vodafone gemacht.“

Die Kundenzufriedenheit sei insgesamt hoch. Ein wesentlicher Faktor dafür sei sicher die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, der Bürgerinitiative und dem Netzbetreiber. Seit Baubeginn im September 2016 hätten lediglich die Kosten immer wieder nach oben korrigiert werden müssen. Linsinger: „Ursprünglich hatten wir mit etwa fünf Millionen gerechnet. Aber anders als die Förderung wollten wir „alle Ortsteile“ und „alle Haushalte“ der Gemeinde anschließen, damals also schon „jeden Milchkübel – also auch Irschenhausen, Dorfen, Walchstadt, Schlederloh und die Alpe – das war dann das, was es teuer gemacht hat.“

Baukosten: 7,2 Millionen Euro netto

Es sei ein großes Glück, dass sich die Gemeinde das so habe erlauben können. Die Baukosten belaufen sich insgesamt auf netto 7,2 Millionen Euro. „Aber mit dieser Investition in unser Ickinger Netz sind wir wahrscheinlich eine der zukunftssichersten Flächengemeinden in puncto Internetversorgung in Deutschland“, freut sich der UBI-Gemeinderat. Für die Haushalte, in denen die Übertragung von Daten oder das Fernseh-Streaming-Programm gelegentlich stocke, hat er noch einen Tipp: „Das liegt eventuell am WLAN, und man sollte, wenn möglich, den Rechner und Fernseher mit einem LAN-Kabel ans Netz anschließen.“ Das sei unter dem Aspekt des Schutzes vor zu viel Strahlung eh ratsam. Mitunter wäre doch recht viel Strahlung im Raum, und die verschiedenen Endgeräte könnten sich gegenseitig stören.

ina

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