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Der Wenzberg heißt nach dem Architekten Paul Wenz, der den Berg gekauft hatte und dort auch wohnte. 

Paul Wenz war bekennender Nationalsozialist

Ein zwielichtiger Namenspatron

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Icking - Der Wenzberg in Icking ist die zentrale Verbindung zwischen Rathaus, S-Bahn und Schule. Soll er seinen Namen behalten? Darüber wird zu diskutieren sein. Tatsache ist nämlich: Namensgeber Paul Wenz war ein überzeugter Nationalsozialist.

Wer in der Ickinger Geschichte einigermaßen bewandert ist, kennt Paul Wenz (1875 – 1965) als Architekten. Einige der Häuser, die er geschaffen hat, prägen heute noch das Ortsbild. Sie alle haben charakteristische, steile Dächer, die vorne mit der Hauswand abschließen. Angeblich hat Wenz das Licht am Isarhochufer so geliebt, dass er sich gesagt hat: Die Menschen können nicht genug davon haben, vorspringende Dächer stören da nur. Doch zur Wahrheit gehört auch: Der hochgebildete und musische Paul Wenz war ein strammer Nazi, in Icking übte er das Amt des SA-Truppenführers aus. Er hielt Hitler und dem Regime bis zuletzt die Treue. Das unterscheidet ihn von anderen Intellektuellen, die zwar anfangs mit Hitler sympathisierten, sich dann aber abwandten.

Eine Garmischer Forscherin bringt die Sache ans Licht

Die unangenehme Wahrheit wurde kürzlich in Garmisch-Partenkirchen öffentlich. Dort widmet sich eine Ausstellung im Aschenbrenner Museum, das auf Puppen, Krippen und Porzellane spezialisiert ist, dem Werk von Paul Wenz’ Frau Else Wenz-Vietor. Diese war in den 1930er Jahren geradezu eine Berühmtheit, ihre Kinderbuchillustrationen waren geschätzt und beliebt. So etwa ihre Zeichnungen zum „Kleinen Häwelmann“. Damit sind Generationen von Kindern aufgewachsen. Ausstellungsmacherin Karin Teufl wollte und konnte das Thema NS-Vergangenheit bei der Familie Wenz nicht aussparen. „Dass man da nachforscht, ist eine Selbstverständlichkeit, andernfalls macht man sich angreifbar“, sagt sie.

Die Spruchkammerakten sprechen eine klare Sprache

So nahm die Forscherin unter anderem Einsicht in die Spruchkammerakten des Ehepaars Wenz, die beide nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entnazifiziert wurden. Das Ergebnis, das im Katalog zur Ausstellung auch nachzulesen ist: Die Familie verhielt sich während des Dritten Reichs „regimetreu“ und war den Gedanken des Nationalsozialismus „zugewandt“ – so die Formulierung im Katalog. Wenz war seit 1933 Mitglied der NSDAP, Ortsgruppenschulungsleiter und SA-Truppenführer in Icking. Außerdem fungierte er offenbar als Landesleiter der Reichskammer der bildenden Künste von München-Oberbayern. Seine Frau Else, deren Kinderbuchillustrationen so putzig anzuschauen sind, stand ihm in nichts nach, sie fungierte als Frauenschaftsleiterin in der NSDAP. Manche Freundschaften zu jüdischen Bürgern, die die Familie Wenz bis dahin gepflegt hatte, gingen aus diesem Grund zu Bruch.

Erste Ickinger fordern Konsequenzen - etwa eine Umbenennung

Die Konsequenz aus den Garmischer Erkenntnissen hat nun der Ickinger Konzertveranstalter Dr. Christoph Kessler gezogen. In einer E-Mail an die Gemeinde hat er eine Umbenennung gefordert. Bislang habe man ja nichts über diesen Paul Wenz gewusst, auch im Internet suche man vergeblich nach Details, auf der Homepage der Gemeinde finde man nichts. Aber jetzt müsse man sich dem Thema stellen. „Der Name ist ein Relikt der Achtung vor vergangenen Nazigrößen. Dies sollte die Gemeinde und dessen Rat nicht weiter mittragen“, findet er.

Der Archivar wundert sich, dass erst jetzt diskutiert wird

Für Gemeindearchivar Dr. Peter Schweiger war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Debatte Icking erreicht. Ein bisschen wundert er sich, dass das Thema erst jetzt "hochkocht". Unter den alten Ickingern war die Verstrickung des Ehepaars Wenz bekannt, Neubürgern habe man das allerdings "nicht auf die Nase gebunden". Er hatte das Garmischer Museum bei den Recherchen unterstützt und war sich der Brisanz der neu gewonnen Erkenntnisse natürlich bewusst. Bürgermeisterin Margit Menrad steht dem Thema offen gegenüber. „Wir wollen gewiss nichts unter den Teppich kehren“, sagt sie. Der Gemeinderat werde sich mit dem Thema bald befassen, wenn auch noch nicht in der Januar-Sitzung. Wichtig ist es ihr, das Gespräch mit den unmittelbar Betroffenen, also den Anwohnern des Wenzberg, zu führen. 

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