Franz Breit beim Schwammerl suchen im Wald.
+
Pilzsammler aus Leidenschaft: Seit seinem vierten Lebensjahr zieht es den Dorfener Franz Breit Jahr für Jahr in den Wald zum Schwammerlsuchen.

Ein Streifzug durch den herbstlichen Wald

Der nach den Schwammerln sucht: Dorfener sammelt seit Kindertagen Pilze

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
    schließen

Durch den herbstlichen Wald streifen, die wachsamen Augen stets auf der Suche nach Schwammerln: Seit seinem vierten Lebensjahr geht der Dorfener Franz Breit Jahr für Jahr in den Wald zum Pilze sammeln. Unsere Zeitung durfte ihn dabei begleiten.

  • Im Herbst durch den Wald streifen und Pilze sammeln: Das ist die große Passion von Franz Breit.
  • Seit der Dorfener ein kleiner Bub ist, geht er Jahr für Jahr auf Schwammerl-Suche.
  • Doch Breit betont: „Ich würde niemals einen Pilz essen, bei dem ich mir nicht zu 100 Prozent sicher bin.“

Icking – Vereinzelte Sonnenstrahlen brechen durch die Fichtenbäume, immer mal wieder zwitschert ein Vogel: Mitten durch diese Stille stapft Franz Breit (71) an einem Septembermorgen durch den Wald. Äste knacken bei jedem seiner Schritte unter den Füßen. Routiniert bahnt sich der Dorfener einen Weg durchs Dickicht. Er ist auf Schwammerl-Suche.

Schon als kleiner Bub stiefelte Breit mit Vater oder Großvater durch den Dorfener Forst. Die Augen stets wachsam auf der Suche nach Pilzen. „Kiloweise haben wir damals die Schwammerl heimgebracht“, erinnert er sich zurück und ein Lächeln huscht über seine Lippen. Mittlerweile darf nach dem Gesetz pro Person und Tag nur noch ein Kilo gesammelt werden.

Abrupt bleibt Breit plötzlich stehen. Sein Finger schnellt nach links. Dort wächst ein Parasolpilz mit gut zehn Zentimetern Durchmesser aus dem Waldboden. „Das ist ein Macrolepiota procera. Den nehme ich auf dem Rückweg mit. Den kann man panieren wie ein Schnitzel“, weiß Breit.

Seit seinem vierten Lebensjahr zieht Franz Breit Jahr für Jahr in den Wald zum Schwammerlsuchen

Dann geht’s weiter. Der Fund weckt bei ihm Erinnerungen – an seinen allersten Parasol. „Als Bub war ich damals mit dem Opa am Meilenberg im Wald unterwegs“, erzählt er. „Kurz hat es geregnet. Als danach die Sonne wieder herauskam, schien alles in einem grellen Licht. Da hab’ ich den Parasol am Waldrand entdeckt.“

Zurück in der Gegenwart. Inzwischen hat der Dorfener einen Habichtspilz erspäht. „Ein Sarcodon imbricatus“, murmelt er und nickt zufrieden. „Der ist sehr schmackhaft.“ Seinen Namen verdankt die Pflanze ihrer unebenen gefleckten Oberfläche, die an das Gefieder des Greifvogels erinnert. Behutsam zieht Breit das Gewächs aus der Erde. Dann holt er eine kleine Lupe aus der Hemdtasche und inspiziert seinen Fund. „Der ist leider ziemlich madig.“ Sachte legt er ihn auf den moosigen Waldboden zurück.

Prachtexemplar: Ein Steinpilz auf dem moosigen Waldboden.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Pilzbestände verändert. „Körbeweise haben wir früher zum Beispiel die Birkenrotkappe gesammelt. Die habe ich schon ewig nicht mehr gesehen.“ Gleiches gilt für Pfifferlinge. Dafür wachsen heute verstärkt andere Arten, die sich in dem wärmer werdenden Klima wohl fühlen – etwa der Hexenröhrling. Ein genau solches Exemplar hält der 71-Jährige jetzt in der Hand. Er zückt ein kleines Messer aus der Hemdtasche und schabt damit vorsichtig den Dreck ab. Dann legt er ihn in den Korb, der um seinen Arm baumelt.

Der Aufenthalt in der Natur, die Suche – und das Glücksgefühl, wenn man etwas findet: „Das macht mir einfach riesig Spaß“, sagt Breit. „Früher habe ich als Konstrukteur gearbeitet. Da war die Schwammerl-Suche draußen immer ein schöner Ausgleich.“ Trotzdem weiß er auch: Bei seinem Hobby ist Vorsicht geboten. „Ich würde niemals einen Pilz essen, bei dem ich mir nicht zu 100 Prozent sicher bin.“

Ich würde niemals einen Pilz essen, bei dem ich mir nicht zu 100 Prozent sicher bin.

Franz Breit, Schwammerl-Sucher aus Dorfen

Seine große Leidenschaft zeigt sich übrigens auch bei Breit zuhause: Über 100 Pilzbücher hat er inzwischen gesammelt. „Die wissenschaftliche Literatur arbeitet nur mit den lateinischen Fachbegriffen.“ Kein Wunder also, dass der 71-Jährige diese aus dem Effeff beherrscht.

Plötzlich huscht ein Strahlen über sein Gesicht. Breit geht schneller. „Da vorne, das ist doch ein Fichtensteinpilz.“ Seine Vermutung bestätigt sich. „Der ist aber schon so alt. Den lasse ich dem Wald.“ Daneben sprießt ein jüngeres Exemplar aus dem Boden. Genüsslich schnuppert der Schwammerlsucher an seinem Fund. „Hmm, wie gut der schon riecht.“ Er weiß genau: Daheim wird seine Frau den Pilz in etwas Olivenöl anbraten und mit grünem Salat servieren. „Das schmeckt unwahrscheinlich gut.“

Kann sich sehen lassen: Franz Breits Korb nach seinem Streifzug.

Zufrieden blickt Franz Breit auf seinen inzwischen gut gefüllten Korb. Nach zwei Stunden beendet er seine Tour. „Mal sehen, was das Wetter macht, vielleicht komme ich morgen wieder.“ Breit wirft noch einen letzten prüfenden Blick auf den Waldboden. Dann macht er sich auf den Heimweg.

Viele Schwammerlsucher waren in den Wäldern in Bad Tölz-Wolfratshausen schon unterwegs. Doch die Experten sind sich einig: Die Ausbeute dürfte heuer geringer ausfallen als im Vorjahr.

kof

Auch interessant

Kommentare