Ickinger Nachbarschaftshilfe. Ingrid Vogel (li.) und Brigitte Weber, die beiden Leiterinnen
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„Auch wir profitieren von unserem Engagement“: Ingrid Vogel (li.) und Brigitte Weber, die beiden Leiterinnen der Ickinger Nachbarschaftshilfe, die kürzlich 30 Jahre alt wurde.

Eine Initiative mit Win-Win-Charakter

Die Ickinger Nachbarschaftshilfe wird 30 Jahre alt

  • vonAndrea Kästle
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Die Ickinger Nachbarschaftshilfe ist ein Erfolgsmodell. Heuer wird sie 30 Jahre alt. Gefeiert wird wegen der Pandemie erst später.

Icking – Die Nachbarschaftshilfe Icking feierte vor Kurzem ihren 30. Geburtstag. Mitbekommen haben das nur wenige. Coronabedingt musste die Initiative auf Feierlichkeiten verzichten. Aber ein dickes Lob für die Ehrenamtlichen gab’s natürlich aus dem Rathaus: „Der wahre Reichtum einer Gemeinde besteht aus Bürgern, die ehrenamtlich Aufgaben für die Allgemeinheit übernehmen.

Die Ickinger Nachbarschaftshilfe setzt sich für das Wohlergehen unserer älteren Mitbürger seit 30 Jahren ein. Sie ist ein Erfolgsmodell, das auch in schwierigen Zeiten aufrecht erhalten wird“, schrieben die beiden Bürgermeisterinnen Verena Reithmann und Claudia Roederstein, beide UBI, in einem Grußwort. Ingrid Vogel und Brigitte Weber, die die so wichtige Einrichtung managen, sehen in ihrer Aufgabe für sich „eine Bereicherung. Wir sind auch zu unserem eigenen Vergnügen aktiv.“

Im Moment ist freilich nicht die volle Palette dessen möglich, was die Nachbarschaftshilfe leisten kann. Älteren Leuten vorzulesen, alleinstehende Menschen zu besuchen – solche Dinge hat die Initiative aus aktuellem Anlass von ihrer To-do-Liste gestrichen. Weiterhin bietet sie Fahrdienste an zum Arzt, zum Einkaufen oder sie begleitet Ickinger auf deren Wunsch bei Behördengängen. Ingrid Vogel fährt eine ältere Dame einmal in der Woche zu deren Freundin, dort trinken die beiden dann Kaffee. Sie freut sich, „dass die so viel Spaß an ihrem Treffen haben“.

Ins Leben gerufen hatte die Einrichtung, die dazu da ist, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen, vor 30 Jahren der damalige, viel zu früh verstorbene Bürgermeister Hubert Guggenmos. 1990 tat er sich mit Ingrid Rühmer von der Nachbarschaftshilfe Schäftlarn und einigen Pfarrern der Umgebung zusammen. Bald waren sie nicht mehr allein. Auf einen Aufruf der Verwaltung kamen rund 50 Bürgerinnen und Bürger auf das Rathaus zu, die sich ehrenamtlich engagieren wollten. „Vor allem Frauen um die 40, aber auch zwei Männer“, so berichtete damals unsere Zeitung.

Auf der Agenda dieser ersten Mitarbeiter standen vor allem die Fahrdienste, die die Nachbarschaftshilfe auch jetzt noch, in Corona-Zeiten, vornimmt. Eines stellten die Ehrenamtlichen damals allerdings sofort klar: Arbeiten und Dienstleistungen im Haushalt gehören nicht zu ihren Aufgaben: „Wer nur eine Putzhilfe benötigt, der ist bei uns an der falschen Adresse“, sagte Guggenmos. Im Dezember 1990 ging die neue Einrichtung an den Start, Organisatorin der ersten Stunde war Anneliese Schmidt. Sie wurde unterstützt von Maria Nolde. Bald kristallisierte sich ein „harter Kern“ von etwa zehn Frauen in der Nachbarschaftshilfe heraus.

16 Jahre blieb Anneliese Schmidt im Amt, dann übergab sie die Leitung der mittlerweile bestens etablierten Initiative an Brigitte Sokoll. Inzwischen hatte sich das Aufgabenspektrum erweitert – und es vergrößerte sich weiterhin: Die Helfer vermittelten jetzt auch Adressen, falls jemand Pflege brauchte, sie halfen bei der Erstellung von Patientenverfügungen – und sie begannen, Essen auf Rädern in der Gemeinde auszufahren. Letzteres hat mittlerweile das Bayerische Rote Kreuz übernommen. Zusätzlich unterstützte die Nachbarschaftshilfe Senioren, die in Alten- oder Pflegeheime umzogen.

Pandemie hin oder her – auch im vergangenen Jahr sind Ingrid Vogel und Brigitte Weber gut gebucht gewesen. 2020 haben sie insgesamt rund 100 Fahrten unternommen, mal ging es zum Flughafen, mal nach Fürstenried, mal mit dem Bus des WSVI Icking zum Einkaufen. Weber betreut überdies die Kinder verschiedener Familien. Die Leute würden am Angebot der Nachbarschaftshilfe vor allem, den „persönlichen Kontakt“ schätzen, sagen die beiden Frauen unisono. „Auch wir“, meint Vogel, „profitieren davon, es ist eine Win-win-Situation, wie man so sagt“.

Kostenlos ist das Angebot nicht: Sämtliche Dienstleistungen der Nachbarschaftshilfe müssen bezahlt werden, der Preis liegt bei vier Euro pro Stunde. „In sozialen Härtefällen machen wir natürlich Ausnahmen“, sagen die beiden Leiterinnen. Zusätzlich steht die Nachbarschaftshilfe momentan vermehrt für Telefongespräche zur Verfügung.

Die Geburtstagsfeier zum Jubiläum sei, versichern die beiden Bürgermeisterinnen Reithmann und Roederstein, nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Sobald die Pandemie vorbei ist, werde man mit der Nachbarschaftshilfe anstoßen auf das Geleistete.

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