Wörterbücher und eine Schülerin mit Kopftuch
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Das Beherrschen der Sprache ist ein Schlüssel zur Integration: Ickinger Gymnasiasten geben Grundschülern mit Migrationshintergrund Nachhilfe. SymbolFoto:

Angebot des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums

Digitale Deutschstunde: Ickinger Gymnasiasten helfen Grundschülern mit ausländischen Wurzeln

  • vonDominik Stallein
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Wer kein Deutsch spricht, der tut sich in der Schule schwer. Einige Schüler des Gymnasiums Icking bieten deshalb Kindern mit Migrationshintergrund ehrenamtliche Nachhilfestunden an. Wegen der Pandemie läuft derzeit vieles auf digitalem Weg.

Icking – Wer kein Deutsch spricht, der hat es im Schulalltag schwer. Jelena A. (alle Namen aus Datenschutzgründen abgekürzt) weiß das aus eigener Erfahrung: „Ich musste die Sprache komplett neu lernen, als ich als Kind aus Kroatien gekommen bin.“ Kurz nach ihrer Geburt war ihre Familie nach Südeuropa gezogen, als fünfjähriges Mädchen kam sie zurück nach Deutschland.

„Ich habe damals im Kindergarten und in der Schule Deutsch gelernt.“ Heute hilft die Elftklässlerin am Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking anderen Kindern, die neu in Deutschland sind, hier Fuß zu fassen und die Sprache zu lernen.

Eins-zu-Eins-Betreuung und viele Gespräche sind der Schlüssel

Im Zuge eines P-Seminars im Fach Deutsch gibt die junge Frau zusammen mit 13 Mitschülern Nachhilfe an der Wolfratshauser Grundschule. „Die Schüler organisieren alles in Eigenregie“, berichtet Lehrerin Cornelia Lukacin, Jeder Seminarteilnehmer betreut einen Grundschüler, macht mit ihm Hausaufgaben und übt die Sprache. „Vor allem reden wir viel mit ihnen“, sagt Jonas Sch.. Gerade im regelmäßigen Gespräch würde man die Fortschritte bei den Buben und Mädchen erkennen. Ein Problem ist wie überall die Corona-Pandemie: Die wöchentlichen persönlichen Treffen der Schüler mit ihren Mentoren fallen flach. „Wir müssen alles auf digitalen Wegen organisieren“, berichtet Lena F. Über WhatsApp und andere Online-Anbieter halten die jungen Erwachsenen Kontakt zu den Kindern.

Die Jugendlichen sind kreativ und reagieren auf die Wünsche der Kinder

In der Gestaltung ihrer Nachhilfestunden haben die Heranwachsenden freie Hand – und beweisen Kreativität: „Ich schicke meinem Nachhilfeschüler einen Text, den er mir dann bei unseren Gesprächen vorliest“, sagt Adrian B. Weil der Bub eine große Affinität zu Tieren hat, bereitet der Elftklässler altersgerechte Tiergeschichten vor. „Danach machen wir ein kleines Quiz dazu.“

Manche Kinder machen aktuell Rückschritte in der Sprache.“

Adrian B.

Was die Gymnasiasten in den vergangenen Wochen festgestellt haben: „Manche Kinder machen aktuell Rückschritte in der Sprache“, berichtet Adrian B. „Einige sprechen mit ihrer Familie kein Wort auf Deutsch, und sie können nicht normal in die Schule gehen oder Freunde treffen.“ Teilweise seien die Elftklässler der einzig deutschsprachige Kontakt gewesen. Während der Corona-Pandemie haben die Jugendlichen selbst Erfahrungen mit Online-Unterricht gemacht, und es häuften sich Meldungen über große technische Probleme. „Bei uns läuft das ziemlich reibungslos“, erklärt Lena F., „Wir sind ja nur zu zweit im Gespräch, das ist viel leichter als mit einer ganzen Klasse von 30 Schülern.“

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Bis zum Abitur im kommenden Jahr möchten die Gymnasiasten die Grundschüler begleiten. Das Seminar gibt es bereits seit fünf Jahren. Etwa eineinhalb Jahre lang kümmern sich die Heranwachsenden um die Kleinen, dann rückt ein neuer Jahrgang nach. Das Angebot ist erfolgreich: „Inzwischen besuchen zwei Kinder unser Gymnasium, die diese Hilfe in Anspruch genommen haben“, freut sich Lehrerin Lukacin. dst

Seit Anfang dieser Woche müssen sich Schüler testen, bevor sie den Präsenzunterricht besuchen dürfen. Einige Kinder sind deshalb zuhause geblieben

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