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Schöner wohnen: Dr. Sybille Krafft am Tag der Preisverleihung in ihrem Haus in Holzen. Die anmutige Gartensiedlung hat sie bei einer Fahrradtour entdeckt – und wurde hier heimisch.

Bayerische Denkmalschutzmedaille

Dr. Sybille Krafft kämpft für historische Häuser

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Dr. Sybille Krafft hat die Bayerische Denkmalschutzmedaille erhalten. Sie versteht das nicht nur als Würdigung, sondern auch als Ermutigung, sich weiter einzumischen.

Icking – Die Frau, die schon viel für den Denkmalschutz im Isartal getan hat, wohnt selbst traumhaft schön. In Holzen, östlich der B 11 zwischen Icking und Ebenhausen, liegt ein Ensemble, das das Herz jedes Betrachters höher schlagen lässt – wenn man nur Augen im Kopf hat.

Es war ein Wittelsbacher, Prinz Heinrich, der die anmutige Gartensiedlung kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahe der Isartalbahn bauen ließ. Als die promovierte Historikerin vor vielen Jahren von München nach Wolfratshausen zog und mit ihrem Mann eine Fahrradtour machte, war ihr schlagartig klar, dass sie hier eines Tages wohnen will. Und so kam es auch.

Sie macht sich nicht nur Freunde

Von Holzen aus kämpft die Journalistin, Buchautorin und Ausstellungskuratorin darum, dass die steinernen Zeugen der Vergangenheit nicht sang- und klanglos verschwinden. Sie dreht Filme, sie knüpft Netzwerke, sie überzeugt und sie mischt sich ein – alles, um wertvolle Bausubstanz zu erhalten. Damit macht sie sich natürlich nicht nur Freunde, so manche Interessen hat sie schon durchkreuzt und sich Feinde gemacht. Warum sie sich das antut? „Man kann doch nicht nichts tun, wenn die Zeugnisse der Vergangenheit zerstört werden sollen“, sagt sie. Es sei vor allem die Architektur vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte, die Identität und Heimatgefühl stiftet. „Wenn überall dieselben 0815-Häuser stehen, schaut Icking nicht anders aus als Wolfratshausen, und Wolfratshausen nicht anders als Geretsried.“

Sie selbst hat immer schon in alten Häusern gewohnt. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie in Bad Reichenhall, in einem der ältesten Häuser der Stadt. Zu Studentenzeiten lebte sie im Münchner Lehel. Ihr Fach: Geschichte. „Hier hat sich meine Liebe zu alten Gebäuden objektiviert“, sagt sie. Und dann, irgendwann, Holzen. Das Haus mit den grünen Fensterläden steht übrigens nicht unter Denkmalschutz. Braucht es auch nicht. „Das Gesetz ist nur für Fälle gedacht, wo Eigentümer mit ihrem historischen Erbe überfordert sind“, so Krafft. Das ist hier definitiv nicht der Fall.

Die Bayerische Denkmalschutzmedaille hat Krafft als eine von 31 Preisträgern aus ganz Bayern erhalten. Sie wurde in zweifacher Hinsicht gewürdigt, nämlich als Journalistin und als ehrenamtlich engagierte Bürgerin. Auf dem Sendeplatz „Unter unserem Himmel“ (Sonntags, 19.15 Uhr) erzählt sie unter dem Titel „Leben mit einem Denkmal“ die Historie von Bauernhäusern, Mühlen, Türmen oder Bahnhöfen und stellt die Menschen vor, die in einem Denkmal wohnen und sich erfolgreich für den Erhalt historischer Bauten einsetzen. In der Laudatio von Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle wird nicht nur Ihre Kunst des Interviews gelobt, sondern auch die klare Haltung. „Sie scheut auch nicht vor klaren Worten, wenn historisches Kulturgut vernachlässigt wird.“

Teamarbeit ist für Krafft das A und O

Der Minister findet auch Kraffts strategisches Geschick bemerkenswert. „Mit Vorträgen, Führungen und Veranstaltungen wecken sie und ihre Mitstreiter nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit für bedrohte Bauten. Es ist ihnen auch gelungen, mehrere Gebäude vor dem Abbruch zu retten.“ Etwa das Badehaus in Waldram, das schon ein Fall für die Abrissbirne zu sein schien und jetzt zu einem bayernweit einmaligen Gedächtnisort umgebaut werden soll. Wer Zeitung liest, konnte den beharrlichen Kampf mitverfolgen und weiß, was der Minister meint.

Apropos Mitstreiter: Sie sind Krafft über die Maßen wichtig. „Wenn man allein ist, besteht die Gefahr, dass man isoliert wird.“ Mit anderen Worten: Je mehr Bürger sich für den Erhalt eines historischen Hauses stark machen, desto mehr Druck kann aufgebaut werden. „Teamarbeit ist das A und O, sowohl in der Redaktion als auch in den Vereinen“, sagt sie. Insofern nimmt sie die Auszeichnung stellvertretend entgegen.

Übrigens kann keine Rede davon sein, dass das Verständnis für den Denkmalschutz wächst. „Früher wurde bei Bauprojekten viel mehr Rücksicht genommen“, sagt Krafft. Der heutige Egoismus zeige sich auch in der Art, wie rigoros man mit alten Gebäuden umgeht – etwa an der Alpenstraße in Wolfratshausen. Bei der Preisverleihung hat sie erfahren, dass des Gebäude das einzige in ganz Bayern ist, für das die jüngsten Änderung des Denkmalschutzgesetzes zu spät kamen. „Jetzt hilft nur noch eines: Mit dem Eigentümer persönlich reden“, so Krafft. Bisher kennt sie nur seine Anwälte. Der Kampf ums Denkmal geht weiter.

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