+
Dr. Christoph Preuss (li.) und Abt Petrus Höhensteiger wollen den Menschen in der italienischen Erdbebenregion helfen.

Katastrophen-Hilfe

Ein Dorf liegt in Trümmern: So unterstützen ein Ickinger Arzt und ein Abt Italien 

  • schließen

Vor zwei Jahren wurde das mittelitalienische Dorf Castelluccio di Norcia von einem Erdbeben fast komplett zerstört. Dr. Christoph Preuss setzt sich seither gemeinsam mit den Benediktinern des Klosters Schäftlarn für den Wiederaufbau der Gemeinde ein.

Icking/Schäftlarn– Eigentlich würden die Einwohner gerne wieder zurück nach Castelluccio di Norcia. Zurück in ihre Häuser, zurück in ihr altes Leben. Vor zwei Jahren wurde das Dörfchen in Mittelitalien bei einem Erdbeben fast vollständig zerstört. Dr. Christoph Preuss setzt sich seither gemeinsam mit den Benediktinern des Klosters Schäftlarn für den Wiederaufbau der Gemeinde in Umbrien ein. Er möchte dort ein Gemeinschaftshaus aufbauen. Der Ickinger Arzt ist zuletzt im Juli nach Italien gereist, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Bild der Zerstörung: Die Reste der Kirche in Castelluccio. Betreten werden darf das Areal nicht – zu groß ist die Einsturzgefahr.

Nach wie vor ist der Großteil des Dorfes zerstört. Bauzäune machen ein Betreten der „Zona Rossa“, der „Roten Zone“, unmöglich. Carabinieri achten darauf, dass die wenigen verbliebenen Bewohner das Verbot einhalten, schildert Preuss anhand von Fotos die Situation. Hinter der Absperrung sind zerstörte Häuser und Schutt zu sehen, dazwischen Möbel und andere Einrichtungsgegenstände, eine Puppe liegt eingekeilt zwischen den Trümmern. „90 Prozent des Dorfes sind nach wie vor nicht zu betreten“, beschreibt Preuss die Situation. „Die Menschen dort haben alles verloren. Sie dürfen nicht einmal ihre Dokumente suchen und holen, es ist zu gefährlich.“

Vor dem Erdbeben lebten die Einwohner von Castelluccio, das 1400 Metern hoch liegt, vom Anbau der bei Feinschmeckern beliebten Gebirgslinse und vom Tourismus. „Besonders bei den Gleitschirmfliegern galt der Ort als Paradies“, sagt Preuss. Zudem bietet die umliegende Landschaft mit ihrer Blütenpracht zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen. Bis vor zwei Jahren gab es in Castelluccio Hotels mit rund 200 Betten. „Jetzt sind es drei Pensionen mit 30 Schlafstätten.“

Die Einwohner sind verzweifelt. Staatliche Hilfe kommt laut Preuss verzögert oder gar nicht. Auch die Aufräumarbeiten gehen kaum voran. „Im Sommer waren ein Bagger und ein Lkw da. Aber was sollen die alleine ausrichten?“ Jetzt, da der Winter vor der Tür steht, gestaltet sich die Lage noch schwieriger. „Wir bemühen uns, dass Notunterkünfte aufgestellt werden“, erklärt der Ickinger. Die Bevölkerung vor Ort versuche, mit vereinten Kräften ein Stück Normalität wiederzuerlangen. Auf einer bereits freigeräumten Piazza bieten sie den wenigen Touristen, die noch kommen, Schafskäse, Würste und kleine Mahlzeiten an. „Alles auf Plastiktellern, Porzellan gibt es nicht mehr. Zudem fehlt Wasser, um gebrauchtes Geschirr abwaschen zu können.“

Besonders die Kinder leiden unter der Situation. Da die Schule in Castelluccio völlig zerstört worden ist, mussten sie bei Verwandten oder Freunden unterkommen, um weiter lernen zu können. „Getrennt von ihren Familien. Dabei sind viele aufgrund des Erlebten traumatisiert“, sagt Preuss. Noch während er die Hilfsaktion in die Wege leitet, erreichen ihn weitere schlechte Nachrichten aus dem Dorf in der Nähe von Norcia: Erneut bebte die Erde, zwar nicht so schlimm wie 2016. „Aber man muss sich einmal die Angst der Menschen vorstellen: Geht es glimpflich aus? Oder wird unser Ort nun völlig zerstört?.“

Zu Hause im Oberland sammelt Preuss nun Spenden für ein Gemeinschaftshaus in dem italienischen Dörfchen. Eine Schule soll darin eingerichtet werden. Ebenso ist geplant, in dem Gebäude Gottesdienste abzuhalten und den Leuten die Gelegenheit zu bieten, sich zum Essen zu treffen. Benötigt werden etwa 30 000 bis 40 000 Euro, schätzt der Ickinger.

Unterstützung findet das Anliegen bei den Benediktinern im Kloster Schäftlarn. Abt Petrus Höhensteiger hat ein Treuhandkonto eingerichtet. Er betont: „Die Spenden kommen zu 100 Prozent den Bewohnern von Castellucio zugute.“ Die Region habe für die Mönche große Bedeutung, schließlich wurde hier der Heilige Benedikt, der Schutzpatron Europas, geboren. „Durch unsere Hilfe können wir den Menschen dort zeigen, dass sie nicht vergessen sind.“

Spendenkonto

Missio München, IBAN DE 96 750 90 3000 8000 8000 4, BIC GENODEF1M05, Betreff: 58005-1073, Castelluccio di Norcia.

sh

Lesen Sie auch: Josef Brustmann im BR: Ein Dreh mit Sonnenbrandgefahr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wie man sich richtig das Älterwerden vorbereitet
Seit vier Jahren ist Ex-Bürgermeisterin Cornelia Irmer im Ruhestand. Jetzt hat sie beim Stammtisch ihrer Parteifreunde über die Herausforderungen des Älterwerdens …
Wie man sich richtig das Älterwerden vorbereitet
Kriminalist der eigenen Familiengeschichte
Christian Berkel ist nicht nur ein großartiger Schauspieler, sondern auch ein ebensolcher Autor. Davon konnte sich das Publikum bei einer Lesung in der Buchhandlung …
Kriminalist der eigenen Familiengeschichte
Umgestaltung von Wolfratshausen: Auftaktveranstaltung am Donnerstag
Der Startschuss für die Umgestaltung von Wolfratshausens Altstadt fällt am Donnerstag: Dort wird unter anderem in der Loisachhalle noch einmal das Projekt vorgestellt. …
Umgestaltung von Wolfratshausen: Auftaktveranstaltung am Donnerstag
Taxifahrer verursacht schweren Geisterfahrer-Unfall: Polizei nennt schockierende Details
Zu einem schweren Geisterfahrer-Unfall ist es bei Wolfratshausen auf der A95 gekommen. Die Polizei nennt nun erschreckende Details über das Unglück.
Taxifahrer verursacht schweren Geisterfahrer-Unfall: Polizei nennt schockierende Details

Kommentare